|
|
Städte wie Klosterneuburg verschulden sich nur bei oberflächlicher
Betrachtung bei Banken, wie Raiffeisen, Hypo, etc. In Wahrheit verschulden
wir uns jedoch bei internationalen Investoren. Diese haben das Geld
ihrer Anleger den Banken überlassen und diese geben z.B. österreichischen
Städten wie Klosterneuburg dafür Kredite. Wenn für diese
Investoren die Rendite nicht mehr passt, wird man für die Probleme
von Städten wie Klosterneuburger wenig übrig haben.
„Wir mussten realisieren, dass die Fondsmanager über unsere
Gesellschaft bestimmen. So etwas ist nicht nur eine ernste Gefahr für
die Demokratie, sonder auch erniedrigend. Aber wir haben die Möglichkeit
über unsere Zukunft zu entscheiden längst an andere abgetreten.“
Das ist kein grünes Horrorszenario, sondern der schwedische Finanzminister
Göran Person schon in den 90iger Jahren.
Wie hoch glauben Sie, haben sich Klosterneuburgs Schulden in
den letzten 10 Jahren, also von 2001 bis heute erhöht. Um 20%,
um 30% oder gar um 50%. Sie haben sich innerhalb von 10 Jahren um 100%
erhöht. Also verdoppelt, von 36,8 Mio. € 2001 auf 75,2 Mio.
Euro für 2011. Wir zahlen jährlich alleine an Zinsen 1,38
Mio. Euro dafür.
Wir Grüne
fragen daher? Wie wird unsere Antwort sein, wenn uns kommende Generationen
fragen werden, warum wir Ihnen eine verschuldete Gesellschaft hinterlassen,
in der sie keine Chance auf eine vernünftige Lebensqualität
haben? Die Verschuldung der öffentlichen Haushalte steigt Jahr
für Jahr und es gibt keinen Schuldenplan wie diese Schulden jemals
zurückgezahlt werden könnten.
Aber, damit
hier kein Missverständnis entsteht, einen Kredit aufzunehmen, sich
auf überschaubare Zeit zu verschulden, um ein Projekt zu finanzieren,
ist per se nicht das Problem. Das Problem ist, die Verschuldung zum
System zu machen, und damit der Schuldenberg nie weniger, sondern immer
höher wird, bis er schlussendlich über irgendeiner zukünftigen
Generation zusammenbricht? Wenn einer von uns einen Kredit aufnimmt,
also Schulden macht, so gibt es einen Tilgungsplan über 10, 20
oder mehr Jahre. Für Städte und Länder, will man uns
weiss machen, gelten diese Gesetze nicht.
Klosterneuburg
hat wie gesagt eine für 2011 prognostizierte Verschuldung von 75,2
Mio. Euro, bei einem gesamten Jahresbudget von 59,3 Mio. Euro im ordentlichen
Haushalt. Wie schaut der Tilgungsplan aus? In welchem Zeitraum soll
dass passieren. Niemand kann darauf eine Antwort geben. Und so machen
wir einfach so weiter.
Die einzige Art, wie politisches Handeln beurteilt werden kann ist,
wie werden die Finanzmittel eingesetzt. Welche Signale setzt also Klosterneuburg
hier im Budgetvoranschlag für das Jahr 2011?
Beginnen wir mit dem Erfreulichen: Die Förderungen von Alternativenergien
(also Solarenergie, Photovoltaik, Wärmepumpen, etc.) wurden trotz
der schwierigen finanziellen Situation der Stadt richtiger Weise nicht
gekürzt und bleiben mit 60.000,- Euro unverändert. Damit wird
in die so wichtige Zukunftsfrage der Sicherung der Energieversorgung
investiert und gleichzeitig werden moderne Arbeitsplätze gesichert.
Der Wermutstropfen bei diesem Förderbetrag von 60.000,- Euro ist,
dass die Nachfrage von Seiten der Bevölkerung weit aus größer
ist und wir sie leider nicht erfüllen können. Bei der Wärmedämmung
und Althaussanierung ist im Budgetvoranschlag mit 40.000,- Euro eine
ähnlich hohe Summe wie im heuer (50.000,- Euro) vorgesehen. Zusätzlich
sind nun für 2011 52.000,- Euro für ein umfassendes Energiekonzept
budgetiert. Dies ist für uns Grüne eine äußerst
wichtige Budgetmaßnahme für eine leistbare und saubere Energiezukunft
der nächsten Generationen in Klosterneuburg. Weiters sind auch
die Budgetierung von 5.000,- Euro für die Förderung von Elektrofahrzeugen
neu. Was
wir auf Grund der derzeitigen Budgetsituation nicht unterstützen
ist die Budgetierung des Kreisverkehrs „Wienerstr. – Pater
Abbelstr. Hier sollte auf Grund der Budgetentwicklung zu gewartet werden.
Was in
diesem Budget 2011 noch positiv ist, ist die Steigerung der Förderung
für das Anrufsammeltaxi, welches vorwiegend unseren Jugendlichen
dient, von 63.000,- auf 74.000,- Euro. Auch bei den Aufwendungen für
den öffentl. Verkehr sind 2011 20.000,- (985.000,- Euro) mehr budgetiert.
Und dass auch im außerordentlichen Budget 320.000,- Euro für
die Lärmschutzwand für das Sachsenviertel budgetiert sind,
unterstützen wir voll und ganz. Aber leider hat es sich damit auch
schon was wir Grüne an diesem Budget 2011 als positiv beurteilen
können.
Alles was jetzt kommt, entspricht aus unserer Sicht einer unkoordinierten
Zukunftsplanung für die Menschen in dieser Stadt. Und das gilt
insbesondere, was die Sparmaßnehmen betrifft. Wir Grünen
bekennen uns, wie auch aus dem Eingangsstatement klar ersichtlich, zum
Sparen, aber zum sozial ausgewogenen Sparen, zum Vermeiden von Härten
und zum Schutz der Schwächeren.
Aber der Reihe nach! Zukunftsplanung für die Menschen Klosterneuburgs:
Im außerordentlichen Haushalt sind 8 Mio. Euro, das sind mehr
als 10% des Gesamtbudgets, für den Ankauf der Kasernengrundstücke
vorgesehen. Die Frage der Nutzung der Kasernengründe ist eine der
zentralen Fragen der Stadtentwicklung Klosterneuburgs. Aber sie ist
nicht die einzige, und kann vor allem nicht losgelöst von anderen
Fragen, etwa jener der Attraktivitätssteigerung des eigentlichen
Zentrums der Stadt entschieden werden. Zumal derzeit noch gar kein konkretes
Nutzungskonzept für das anzukaufende Areal vorliegt - auf Basis
dessen sehr wohl alternative Möglichkeiten zur Sicherstellung einer
stadtplanerisch erwünschten bzw. verträglichen Nutzung des
Kasernenareals möglich wären.
Auf der
anderen Seite, werden keinerlei weitere Initiativen gesetzt um die beiden
historischen Stadtkerne Stadtplatz und Rathausplatz wirtschaftlich attraktiver
zu machen. Für den Stadtplatz begnügt man sich nun offensichtlich
damit, dass man in den vergangenen 5 Jahren durch ÖVP/Grüne
die notwendigsten Sanierungen umgesetzt hat. Und damit hat es sich schon!
Ich frage
daher die ÖVP ganz konkret, was wird man machen, wenn in zwei Jahren
nach Fertigstellung des Einkaufszentrum im Betriebsgebiet zahlreiche
Geschäfte vom Stadtplatz (DM, etc.) dorthin abwandern werden? Wie
schaut die Gegenstrategie aus? Langsam kann man auch jene, immer zahlreicher
werdenden kritischen Geschäftsleute, verstehen, die neidvoll auf
das politisch mutige Tullner ÖVP Projekt der “Rosenarcade“
am Tullner Stadtplatz blicken.
Aus unserer Sicht sind das vergebene Zukunftschancen. Dazu gehört
auch, dass der Ausbau der Radwege drastisch um 140.000,- Euro auf 210.000,-
Euro zurück gefahren wird. Es bewahrheitet sich also wieder einmal
mehr, die GRÜNEN sind die Radfahrer-partei, und wenn die GRÜNEN
nichts mehr zum Sagen haben, tut sich leider auch für die Radlfahrer
nur mehr wenig.
Kommen wir nun zu den sozialen Aspekten dieses ÖVP Budgets für
2011. Das Budget ist immer der Spiegel dessen was einer Regierung wichtig
ist und was ihr weniger wichtig erscheint.
Der Heizkostenzuschuss wurde von 35.000,- auf 8.000,-, also weniger
als ein Viertel zusammen gestrichen. Im morgigen Gemeinderat soll dann
beschlossen werden, dass, wenn diese 8.000,- Euro ausgeschöpft
sind, die Differenz aus dem Sozialfonds ausgeglichen werden. Dieser
Weg ist für uns kein guter, noch dazu wo der Sozialfonds auch von
4.200,- auf 3.000,- Euro gekürzt wird.
Sparen bei den Schwächsten. Seitdem ich in diesen Gemeinderat
bin, und das ist mehr als ein Jahrzehnt, hat niemand gewagt die Unterstützung
des Klosterneuburger Tierschutzvereines zu kürzen. All die Jahre
war der Minimalbetrag zur Aufrechterhaltung des Betriebes von 14.500,-
Euro gesichert. Nun gibt es für diesen Verein, der jetzt schon
jeden Cent zweimal umdrehen muss, ein Drittel weniger, nur mehr 10.000,-
Euro. Wie soll der Tierschutzverein weiter überleben?
(Nachträgliche
Anmerkung:
Die GRÜNEN Klosterneuburg haben sich entschlossen, umgehend auf
die Kürzung durch die ÖVP Stadtregierung zu reagieren und
haben 1.500,- Euro von ihren persönlichen Aufwandsentschädigungen
dem Tierschutzverein gespendet!)
Und abschließend, ein Punkt, der für uns Grüne die nicht
vorhandene Balance von Sparmaßnahmen - und wofür schon Geld
da ist - am Besten charakterisiert. Und es und geht hier gar nicht um
die Höhe der Beträge, sondern um die Symbolhaftigkeit. Es
ist für uns geradezu ein Schlag ins Gesicht aller engagierten KlosterneuburgerInnen,
dass die Anerkennungen für ihren verdienstvollen Einssatz für
die Stadt, beim Sozialpreis, beim Umweltpreis oder beim Frauenpreis
um ein 1/3 auf 1.000,- Euro gekürzt werden, aber gleichzeitig die
Repräsentationsausgaben für Städtekontakte um 1/3 auf
17.000,- Euro erhöht werden. Welches Signal setzt man hier? „Bei
Euch KlosterneuburgerInnen, die ihr tagaus tagein versucht die Stadt
lebenswerter zu machen wird gespart, wir Politiker feiern?“ Ich
denke unsere Freunde in der Partnerstadt Göppingen hätten
durchaus Verständnis dafür, wenn wir auf Grund unserer prekären
Finanzsituation, weniger für das Repräsentieren einer 40 Jahrfeier
ausgeben, und einmal auf die Fahrt nach Göppingen verzichten, aber
dafür unsere verdienten Mitbürger weiter ordentlich würdigen
würden.
Hoher Gemeinderat, die Grünen anerkennen die positiven Bereiche
in diesem Budget. Auf Grund der aus unserer Sicht jedoch völlig
unzulänglich gewichteten Zukunftsinvestitionen, so wie auch der
Sparmaßnahmen, ist uns aber eine Zustimmung nicht möglich.
Das soll uns aber natürlich nicht daran hindern, bei dieser Gelegenheit,
allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt unseren ganz besonderen
Dank aussprechen. Wir danken Ihnen für Ihr Engagement für
Klosterneuburg im vergangenen Jahr und wünschen Ihnen und Ihren
Familien ein erholsames Weihnachtsfest und ein zufriedenes und erfolgreiches
Jahr 2011.
|
|
|
Nachweis der Schulden
nach Sollständen:
Rechnungsabschluss Schuldenstand per 31.12.
2001 36.782.854,32 Euro
2002 37.106.928,98 Euro
2003 38.028.467,74 Euro
2004 39.174.292,92 Euro
2005 43.115.426,70 Euro
2006 46.016.823,04 Euro
2007 48.258.719,60 Euro
2008 50.433.866,08 Euro
2009 55.768.129,90 Euro
2010 66.787.700,00 Euro
2011 75.169.000,00
(Voranschlag)
-------------------------------------------


Anmerkung zum außerodentlichen
Haushalt: Die veranschlagten
"Einnahmen" sind nur buchhalterisch Einnahmen, in Wahrheit
sind es Ausgaben (Aufnahme von Krediten, Auflösung von Rückstellungen,
etc.)
-----------------------------------------------------------------------------------------------
ÖVP
beschließt dubioses Spendenkonto für alle GemeinderätInnen!
In der Gemeinderatssitzung vom 10.12 wurde von der ÖVP zum GR
TOP 32 (Energiekostenzuschuss 2011 für sozial bedürftige
Personen) ein vorbereiteter Zusatzantrag eingebracht. Über ÖVP
Bürgermeister sollte ein Spendenkonto für GemeinderätInnen
eingerichtet werden, worauf diese spenden sollten. Die Grünen
Klosterneuburg halten diesbezüglich, wie auch schon in der betreffenden
GR-Sitzung in ihren Wortmeldungen formuliert, folgendes fest.
Dazu Fraktionschef STR Mag. Sepp Wimmer: „Wenn es eines besseren
Beweises bedurft hätte, dass die absolute Mehrheit der ÖVP
völlig zu Kopf gestiegen ist, dann dieser Antrag von „Jungstadtrat“
Honeder. Im Sommer gegen eine saubere und transparente Reduzierung
der Politikerbezüge zu stimmen, und nun von den Mandataren zu
verlangen auf ÖVP Antrag, „nach Maßgabe der Möglichkeiten“,
auf ein Konto einzuzahlen, reicht schon ans „Herumschnüffeln“
in den privaten Vermögensverhältnissen der Opposition heran.
Müssen jetzt die GemeinderätInnen der Opposition vor dem
ÖVP Bürgermeister ihre Vermögensverhältnisse offen
legen um die „Maßgabe ihrer Möglichkeiten zu beweisen?
Wenn z.B. die Firma einer Gemeinderätin in Konkurs gegangen ist,
und sie deshalb keinen Job, und kein Einkommen hat, muss sie dies
nun dem ÖVP Bürgermeister offen legen, dass bei ihr aus
diesem Grund die Maßgabe der Möglichkeiten zu spenden geringer
ist? Wer entscheidet über den gerechten Umfang der Möglichkeiten?
ÖVP Bürgermeister Schmuckenschlager? Da sind wir ja wieder
im feudalen Mittelalter und der „Gutsherrenmentalität“!
Bevor die ÖVP mit solchen Auswüchsen ihrer absoluten Mehrheit
daher kommt, soll sie lieber dafür sorgen, dass sie das Budget
in Ordnung bringt und nicht weiter bei den Ehrungen für verdienstvolle
Klosterneuburger Bürger 1/3 kürzt und gleichzeitig 1/3 mehr
für Repräsentationsausgaben bei „politischen Festln“
ausgibt.
Wimmer abschließend: „Die Grünen erneuern aber unser
Angebot an die ÖVP für eine transparente und faire Lösung
der Einsparung der Politikerbezüge für das defizitäre
Budget. 10% Reduktion (wenn dies der ÖVP zu viel ist 5%) aller
Politikerbezüge. Das ist transparent, da gibt es keine Geheimniskrämerei
und Schnüffelei wer, wie viel abgibt Die Klosterneuburger Bevölkerung,
jeder Bürger und jeder Politiker weiß woran er ist. Und
jährlich verbleiben ca. 60.000,- Euro, ein Vielfaches dessen,
was durch diese dubiose Spendenidee der ÖVP herein kommen könnte,
im Budget und werden für soziale Belange verwendet.“
Berichte
in den Medien
|