Privatisierte Krankenhausküche:
Teurer aber deshalb nicht besser!

Seit 1. Februar ist die Krankenhausküche in privater Hand:
Die Firma Schubert aus Deutschland kocht auf. Die Stadtgemeinde zahlt.

Von GR Martina Enzmann

Die äußerst umstrittene Privatisierung dieser kommunalen Einrichtung wurde vergangenes Jahr von der ÖVP im Alleingang beschlossen. Der einzige Nutzen: Personalkosten werden reduziert, der Sachaufwand ist allerdings höher, da der private Betreiber natürlich für alle Leistungen zu bezahlen ist. Dafür wurde eine deutliche Verbesserung bei der Qualität der Speisen und eine breitere Angebotspalette versprochen. Auch die dringend notwendige Sanierung der Küche geht zu Lasten des Privaten.

Was ist nun tatsächlich passiert in den letzten neun Monaten? „Ohne Voranmeldung kann man nun aus 3 Menüs auswählen, die Diätassistentin hat mehr Zeit für die Beratung und das von Schubert entwickelte Balance-Kost-Programm läuft seit Mitte Oktober“, kommt Krankenhaus-Chef Reinhard Fritz ins Schwärmen. Eine neue Waschstraße wurde um 70.000,- € gebaut, der Speisesaal für die Bediensteten wird demnächst saniert. Und: Die Zusammenarbeit mit Schubert ist hervorragend.

Euphorisch klingt auch Stefan Zanini, Geschäftsführer von Schubert Österreich: „Wir haben zwei Mitarbeiter ersetzt, die Zusammenarbeit zwischen altem und neuem Personal läuft reibungslos.“ Das Warensortiment und die Speisenzubereitung wurde auf österreichischen Geschmack hin überarbeitet, viele Produkte werden aus der Region bezogen, Gebäck und Gemüse, zum Teil auch Fleisch. Frischmilch und Joghurt liefert die NÖM.

Alles also bestens in der privaten Krankenhausküche? Nicht ganz! Jeden Montagmorgen kommt ein LKW aus der BRD und liefert sämtliche Trockenwaren (Reis, Nudeln, Mehl, Zucker etc.), Tiefkühlkost wie auch Milchprodukte (Topfen, Buttermilch) an. Ökologisch ist das zwar nicht, aber ökonomisch. Die Qualität des Essens wird auch sicher nicht durch den Umstand verbessert, dass Eier im Tetrapack, getrennt oder verquirlt, verarbeitet werden. Glückliche Hühner werden diese Dotter und Eiklar wohl nicht gelegt haben. Und über den kulinarischen Genuss von geschält und tiefgefroren angelieferten Kartoffeln möchte man wohl auch kaum diskutieren.

„Wir müssen gut kalkulieren“, argumentiert Zanini. „Außerdem ist es egal, woher die überregionalen Produkte kommen.“ Dem ist nicht zuzustimmen, denn der heimischen Wirtschaft entgeht mit dieser Einkaufspolitik natürlich auch Umsatz.

Auf den Stationen brachte die Privatisierung auch Änderungen: Wurden bisher Kaffee und Tee in Kannen aus der Küche geliefert, werden nun Automaten aufgestellt, an denen sich PatientInnen bedienen können. Die Schwestern sollen den zum Abendessen gereichten Tee künftig auf der Station zubereiten – heißes Wasser wird aus der Küche geliefert – und die Aufnahme der Essensauswahl übernehmen. Eine ziemliche Mehrbelastung für das ohnehin knapp bemessene Krankenpflegepersonal.

„Die Firma Schubert wälzt Arbeit ab“, meint Personalvertreterin Brigitte Adler. „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass eine Kommune ihre ureigenen Aufgaben nicht einfach ausgliedern kann. Für einige Prozent Einsparung im Krankenhausbudget kann die Gemeinde nicht Personal zum Dumpingpreis über ein Privatunternehmen beschäftigen und zuschauen, wie Gewinne gemacht werden.“

Die Arbeitsbedingungen, vor der Privatisierung schon schlecht, wurden tatsächlich nicht besser: Der Personalstand blieb gleich, das von der Fa. Schubert eingestellte Hilfspersonal wechselt häufig – bei einem Bruttostundenlohn von 6,- € auch nicht verwunderlich, und Küchenchef Redolfi, für mehrere Schubert-Projekte verantwortlich, ist selten anwesend.

Was also brachte die Privatisierung bisher? Eine neue Waschstraße. Und Tiefkühlkost aus Deutschland. Aber: Das Marchfeld ist ja auch nicht gleich um’s Eck von Klosterneuburg.