29.6.2011

Unser Geldsystem!

Was Sie sicher nicht darüber wußten!

Unsere Marktwirtschaft basiert auf ständigem Wachstum. Aber: Wachstum löst die Probleme nicht, die es vorgibt zu lösen – im Gegenteil, es verschärft manche Probleme sogar. Die Lage wird immer ernster: Fukushima zeigt, wohin unser Energiehunger führt; die Finanzblase ist geplatzt; die Natur wird fortlaufend geplündert; die Bevölkerung wird zum ständigen Konsum erzogen; das Gesundheitswesen wächst ungebremst. Unsere Wirtschaft braucht deshalb dringend ein neues Denkmodell.
Hans Christoph Binswanger (* 1929 in Zürich) ist ein Schweizer Wirtschaftswissenschaftler. Er entwickelte die Idee einer ökologischen Steuerreform und gilt als profilierter nicht-marxistischer Geld- und Wachstumskritiker.

 



 

 

 

 

 

 

 

 

Gelderschaffung!
Es werde Geld!

Geldschöpfung entsteht dann wenn Geld an die Bevölkerung ausgegeben wird. In der Theorie unterscheidet man nun das Zentralbankgeld welches von einer Zentralbank geschaffen oder vernichtet wird und zum anderen das Geschäftsbankengeld welches durch private Kreditinstitute entsteht oder vernichtet wird. Bargeld wie Münzen und Banknoten kann nur von der Zentralbank und Buchgeld auf Konten (Giralgeld) nur von der Zentralbank sowie von den Geschäftsbanken geschaffen werden.

Durch die Geldschöpfung der Geschäftsbanken (Erhöhung der Geldmenge durch Kreditgewährung) wird das durch die Zentralbanken ausgegebene Geld von den Banken vervielfacht. Zentralbanken haben die Möglichkeit die Geldmenge zu steuern. Sie tun dies über die Mindestreserve. Leiht sich eine Bank bei einer Zentralbank Geld aus so kann sie dieses Geld zu einem höheren Zinssatz an eine andere Bank oder an private Kunden verleihen. Durch den Prozess der Kreditvergabe erhöht sich die Geldmenge, man spricht auch von Geldschöpfung.

Die Schaffung von Giralgeld - die Geldschöpfung der Banken

Der entscheidende Teil des Geldumlaufs ist vielmehr das Giralgeld. Es ist die heute vorherrschende Form zur Abwicklung von Zahlungsvorgängen; statt Barzahlung erfolgt hier die Zahlung von Konto zu Konto. Giralgeld sind vor allem die täglich fälligen Guthaben bei Kreditinstituten (die Sichteinlagen), über die durch Scheck, Lastschrift oder Überweisung verfügt wird. Sie werden ausschließlich in elektronischer Form gehalten, erscheinen also nur in den Geschäftsbüchern der Banken. Sichteinlagen zählen gleichwohl zu den allgemein akzeptierten Zahlungsmitteln, weil sie jederzeit in Bargeld umgetauscht werden können.

 

Die Zentralbank kauft um den Betrag von 1000 Euro Anleihen am freien Markt. Die Verkäufer der Anleihen legen dieses Geld auf ein Bankkonto der Bank A. Die Bank A hat nun 1000 Euro mehr Geld, sie behält beispielsweise 10% also 100 Euro an Reserve und leiht 900 Euro an Rosi. Rosi gibt diese 900 Euro Marie, die es bei Bank B anlegt. Bank B leiht nun Martin 810 Euro (10% behält Bank B). Martin legt sein Geld bei Bank C an. Diese Bank behält wiederum 10% bzw. 81 Euro und verleiht 729 Euro weiter. In Summe wurde nun die Geldmenge um 3.439 Euro erhöht. (1000+900+810+729= 3.439 Euro).



 

Die pervertierte Welt der Börse!

Der Sprengstoff für das weltweite Finanzsystem

 

 



 

Leerverkäufe

Was würden Sie sagen, wenn Ihnen jemand der Vorschlag macht, er wird Ihnen in einem halben Jahr Ihr Auto zu dem dann gültigen Zeitwert abkaufen, er leiht es sich jedoch schon jetzt aus und jagt mit ihm in der Zwischenzeit im Höchstempo über Schotter- und unbefestigte Waldstraßen, vernachläßigt die Wartung, transport sperrige Gegenstände die die Sitze zerreißen, etc. etc. Sie würden sicher nichts dazu sagen, weil es einfach ein zu absurder Vorschlage ist.

Aber so etwas ist an den Börsen Tagesgeschäft, das nennt man Leerverkäufe (short sellings). Bei Leerverkäufen oder "short sellings" verkaufen Händler Aktien, die sie nur ausgeliehen haben. Wenn der Kurs des Papiers unter den eigenen Verkaufspreis gefallen ist, kaufen sie die Aktien zurück und verdienen an der Differenz abzüglich einer Leihgebühr.

Aber es goth noch weiter: Ungedeckte Leerverkäufe sind eine verschärfte Form der "short sellings". Anders als bei einem normalen Leerverkauf sind bei dieser englisch "naked short selling" genannten Spekulationsform die verkauften Wertpapiere noch nicht einmal geliehen. Damit kann theoretisch ein Vielfaches der aktuell verfügbaren Papiere verkauft werden, was starke Kursverwerfungen nach sich ziehen kann. Der Short Seller hat bei dieser Form dann in der Regel mehrere Tage Zeit, sich die Papiere, die er bereits verkauft hat, nachträglich zu beschaffen.

Leerverkäufe öffnen der Kursmanipulation Tür und Tor: Weil man beliebig viele (geliehene) Aktien auf den Markt werfen kann, liegt die Versuchung nahe, Kurse bewusst zu drücken. (Man leiht sich eine große Menge Aktien, stellt sie dann zum Berkauf, dass drückt den Aktienwert, und bei Fälligkeit des eigenen Kaufs ist der Wert niedriger als den man beim Verkauf der geleihten erzielt hat. Verlierer ist das aktiennotierte Unternehmen. Die gezielte Kursmanipulation ist zwar gesetzwidrig, aber sie ist natürlich nur schwer nachweisbar.

Selten werden Leerverkäufer bei Kursmanipulationen erwischt. Eine der Ausnahmen: Der USD 310 Mio. schwere Hedge-Fonds Gryphon Partners. Dem wird nach einem Bericht der FAZ Wertpapierbetrug in 35 Fällen vorgeworfen. Betroffen sind ausschließlich kleine Firmen, deren Kurse leicht zu manipulieren sind.

 

 

 

 

Derivate & Co

 

Die gefährlichen Produkte der Finanzbranche!

Das Finanzsystem steht am Abgrund, weil die Banken sich mit Verbriefungen und Derivaten verhoben haben. Diese Produkte sind eigentlich sinnvoll und nützlich. Doch sie müssen strengeren Regeln unterworfen werden, um ähnliche Krisen zu verhindern.

Es ist eigentlich ein seltsames Wort, das seit einigen Wochen in aller Munde ist: Realwirtschaft. Tagtäglich wird erörtert, inwieweit diese Realwirtschaft von der Banken- und Finanzkrise betroffen sei. Gemeint ist mit dem Begriff der ganze Rest der Wirtschaft, alles, was nichts mit der ins Trudeln geratenen Bankenwelt zu tun hat. Doch wenn all das die Realwirtschaft ist - ist dann die Finanzindustrie eine irreale Wirtschaft? Fast scheint es so. In den vergangenen Jahren wurde von der Finanzindustrie mit kaum durchschaubaren Produkten eine Blase ungekannten Ausmaßes herangezüchtet hat.

 

Leerverkäufe: Was würden Sie sagen, wenn Ihnen jemand der Vorschlag macht, er wird Ihnen in einem halben Jahr Ihr Auto zu dem dann gültigen Zeitwert abkaufen, er leiht es sich jedoch schon jetzt aus und jagt mit ihm in der Zwischenzeit im Höchstempo über Schotter- und unbefestigte Waldstraßen, vernachläßigt die Wartung, transport sperrige Gegenstände die die Sitze zerreißen, etc. etc. Sie würden sicher nichts dazu sagen, weil es einfach ein zu absurder Vorschlage ist.

Aber so etwas ist an den Börsen Tagesgeschäft, das nennt man Leerverkäufe (short sellings). Bei Leerverkäufen oder "short sellings" verkaufen Händler Aktien, die sie nur ausgeliehen haben. Wenn der Kurs des Papiers unter den eigenen Verkaufspreis gefallen ist, kaufen sie die Aktien zurück und verdienen an der Differenz abzüglich einer Leihgebühr.

Aber es goth noch weiter: Ungedeckte Leerverkäufe sind eine verschärfte Form der "short sellings". Anders als bei einem normalen Leerverkauf sind bei dieser englisch "naked short selling" genannten Spekulationsform die verkauften Wertpapiere noch nicht einmal geliehen. Damit kann theoretisch ein Vielfaches der aktuell verfügbaren Papiere verkauft werden, was starke Kursverwerfungen nach sich ziehen kann. Der Short Seller hat bei dieser Form dann in der Regel mehrere Tage Zeit, sich die Papiere, die er bereits verkauft hat, nachträglich zu beschaffen.

Leerverkäufe öffnen der Kursmanipulation Tür und Tor: Weil man beliebig viele (geliehene) Aktien auf den Markt werfen kann, liegt die Versuchung nahe, Kurse bewusst zu drücken. (Man leiht sich eine große Menge Aktien, stellt sie dann zum Berkauf, dass drückt den Aktienwert, und bei Fälligkeit des eigenen Kaufs ist der Wert niedriger als den man beim Verkauf der geleihten erzielt hat. Verlierer ist das aktiennotierte Unternehmen. Die gezielte Kursmanipulation ist zwar gesetzwidrig, aber sie ist natürlich nur schwer nachweisbar.

Selten werden Leerverkäufer bei Kursmanipulationen erwischt. Eine der Ausnahmen: Der USD 310 Mio. schwere Hedge-Fonds Gryphon Partners. Dem wird nach einem Bericht der FAZ Wertpapierbetrug in 35 Fällen vorgeworfen. Betroffen sind ausschließlich kleine Firmen, deren Kurse leicht zu manipulieren sind.

 

Verbriefungen: Der Markt für Verbriefungen ist jener, von dem die aktuelle Krise ausging. Das Prinzip: Eine Vielzahl von Krediten - meist US-Immobiliendarlehen - wurde zusammengepackt und dann verkauft. Eigentlich eine gute Sache: "Verbriefungen nützen der Volkswirtschaft, weil die Risiken dadurch zu jenen Banken und Investoren wandern, die willens und in der Lage sind, sie zu tragen", sagt Alexander Kempf, Direktor des Zentrums für empirische Wirtschafts- und Sozialforschung an der Universität Köln.

In der Praxis wussten die Investoren aber meist nicht, welche Risiken sie dabei trugen. Sie verließen sich auf die Einschätzungen der Ratingagenturen. Und diese gaben den Paketen durchweg Bestnoten. Die Investoren kauften daher eifrig. Das wiederum trieb die Banken zur Vergabe immer weiterer Kredite und lockerte ihren Blick auf Risiken. "Wenn eine Bank weiß, dass sie das Risiko in ein paar Tagen weiterreichen kann, ist die Versuchung groß, es mit der Zahlungsfähigkeit des Hausbauers nicht so genau zu nehmen", sagt Bankenprofessor Dirk Schiereck von der Technischen Universität Darmstadt.

Doch als die Zinsen stiegen, konnten plötzlich viele Hausbauer ihre Kredite nicht mehr tilgen. Nun wurde die Frage wichtig, was genau in den Kreditpaketen steckt - und nun merkten viele, dass diese Konstruktionen so kompliziert waren, dass keiner es genau wusste. Die Folge: Verbriefte Immobilienkredite will kein Investor mehr haben.

 

Derivate: Anfangs wurden nur Kreditpakete gehandelt. Dann kamen Papiere auf den Markt, die Wetten auf diese Pakete zum Inhalt haben. Solche abgeleiteten Produkte werden Derivate (von lat. derivare = ableiten) genannt. Dieser Derivate-Markt ist quicklebendig. Mit Derivaten lassen sich Entwicklungen überzeichnen, zweifach, dreifach, hundertfach. Auf Grund der Hebelwwirkung kann man mit minimalen Einsätzen Millionenbeträge bewegen. Man kann auf steigende oder fallende Kurse setzen. Mit kleinem Einsatz kann ein Investor riesige Gewinne machen, oder enorme Verluste. Laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich belief sich der Wert aller Papiere Ende 2007 auf 600 Billionen Dollar. Das ist zehnmal so viel wie der Wert aller Waren und Dienstleistungen, die in einem Jahr weltweit erzeugt werden. Für Privatanleger gibt es Derivate in klein - in Form von Optionsscheinen.

"Früher verdienten sich die Menschen ihren Lebensunterhalt mit der Produktion von Gütern und Leistungen, heute - hat man beim Vergleich mit dem Welt-Bruttoinlandsprodukt den Eindruck - mit dem Handel von Derivaten", sagt Eberhardt Unger vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. Sorgen macht ihm vor allem jener Teilbereich mit dem Kürzel CDS.

 

CDS: Die Abkürzung steht für Credit Default Swaps oder auf Deutsch Kreditausfallversicherungen. Auch diese Produkte sind eigentlich praktisch: Der Verkäufer verspricht dem Käufer eine Zahlung für den Fall, dass ein bestimmtes Unternehmen pleitegeht. So können sich zum Beispiel Investoren absichern, die eine Anleihe dieses Unternehmens besitzen. Der CDS-Verkäufer bekommt dafür eine Prämie.

Doch der CDS-Markt hat sich längst verselbstständigt, völlig von seinem eigentlichen Zweck entfernt. Heute dienen die Papiere überwiegend als Wetteinsätze für Spekulationsgeschäfte zwischen den Banken. "Wir machen mit CDS-Verträgen inzwischen quasi dasselbe, was wir seit Jahrzehnten mit Aktien machen: Wir spekulieren auf steigende oder fallende Kurse", sagt ein Frankfurter Investmentbanker. Anders als Aktien oder Anleihen lassen sich CDS-Verträge grenzenlos vermehren - ohne dass dem irgendwelche realen Werte gegenüberstünden. So schwoll der Markt bis Anfang 2008 auf mehr als 60 Billionen Dollar an. Das dahinter stehende Risiko an tatsächlichen Kreditausfällen wird dagegen nur auf zwei Milliarden Dollar geschätzt. Hinzu kommt, dass dies alles im Verborgenen geschieht - von Bank zu Bank.

 

Leerverkäufe: Doch es sind nicht nur die Banken, die in den vergangenen Jahren exzessiv gezockt haben. Mindestens genau so toll trieben es Hedgefonds und andere Großinvestoren. Leerverkäufe sind häufig ihr Mittel der Wahl. Dazu leihen sie sich Aktien aus, beispielsweise von einem Fonds oder einer Bank. Dann verkaufen sie die Aktie, in der Hoffnung, dass deren Kurs sinkt. Tritt dies ein, kaufen sie die Aktie billiger zurück und geben sie an den Verleiher zurück. Die Kursdifferenz ist ihr Gewinn.

Diese Spekulation auf sinkende Kurse ist eigentlich nichts Neues. Neu aber ist die Dimension. Im Juli, kurz vor Beginn der Verschärfung der Finanzkrise, waren weltweit Aktien im Wert von 1,4 Billionen Dollar ausgeliehen. Das war ein Drittel mehr als vor Jahresfrist. An der New Yorker Börse waren im Juli fast fünf Prozent der Aktienverkäufe Leerverkäufe - der höchste Stand seit 1931.

Viele Vertreter der Finanzindustrie verteidigen die Leerverkäufe dennoch. Denn die Haltedauer von Leerpositionen ist wesentlich kürzer als die echter Aktien. An Leerverkäufen lässt sich also schneller ablesen, wenn sich der zugrunde liegende Wert verändert. Doch dies gilt nur, so lange Leerverkäufe in einem gesunden Maß zur gesamten Aktienzahl stehen. Seit einigen Jahren dürfen Spekulanten jedoch Aktien sogar leer verkaufen, obwohl sie sie überhaupt nicht besitzen. Das heiß "naked short selling", also nackte Leerverkäufe. Auf diese Weise können mehr Aktien verkauft werden, als es überhaupt gibt.

 

Zertifikate: Was dem Großanleger die Leerverkäufe, das sind dem Kleinanleger die Zertifikate. Hier hat sich eine riesige Industrie entwickelt. Allein zwischen Ende 2004 und Ende 2007 verdreifachte sich das Volumen in Deutschland. Die Emittenten bringen täglich Hunderte neuer Papiere auf den Markt, mit denen Anleger auf alles nur Erdenkliche spekulieren können - auf ein Fallen vietnamesischer Aktienkurse, auf einen steigenden Schweizer Franken, auf einen Korb verschiedener Rohstoffe. Das ganze gibt es auch mit Korridoren, Schwellen, Discounts, Boni oder Garantien. Wie die einzelnen Papiere funktionieren, verstehen meist nur noch jene, die sie gezimmert haben.

Und dies ist ein unschätzbarer Vorteil für die Bank, die die Zertifikate herausgibt, vielleicht sogar der Grund, warum sie sie herausgibt. Denn wer kaum versteht, wie die Papiere funktionieren, weiß auch nicht, wie hoch die in der Konstruktion versteckten Gebühren sind. Diese sind oft horrend. Hinzu kommt für den Anleger ein Risiko, das er meist völlig außer Acht ließ: Wenn die emittierende Bank pleitegeht, ist das Geld weg. Im Gegensatz zu Fonds sind Zertifikate kein Sondervermögen, sondern lediglich eine Schuldverschreibung der Bank. Und zwar eine nachrangige, die Anleger sind also sogar Gläubiger zweiter Klasse. Das mussten zuletzt all jene Anleger schmerzlich erfahren, die in Lehman-Zertifikate investiert hatten.

 

Hebeleffekt oder hebeln: An den Finanzmärkten steht die Hebelwirkung ("Leverage Effect") für die Hoffnung, mit geringen (eigenen) Mitteln eine große Wirkung zu erzielen. Vorbild für die "Hebel-Idee" beim Euro-Rettungsfonds EFSF ist das Vorgehen des US-Finanzministeriums und der US-Notenbank Fed während der Finanzkrise 2008. Die Fed hatte ein Kreditprogramm mit einem Volumen von 200 Milliarden Dollar aufgelegt, die das Finanzministerium mit nur 20 Milliarden Dollar garantierte - so wurden die Mittel verzehnfacht.

Was würde dieses Modell für den Euro-Rettungsfonds bedeuten?

Der EFSF soll mit einem solchen Hebel versehen werden, um sein Ausleihvolumen um ein Vielfaches zu vergrößern. Die vielbeschworene "Feuerkraft" könnte mit Hilfe der Europäischen Zentralbank (EZB) erzielt werden, die weiter Staatsanleihen kaufen würde. Diese wären nun aber mit Ausfallgarantien des Rettungsfonds unterlegt. Bei einer Garantie von 50 Prozent könnte die EZB bei gleichem eigenen Risiko doppelt so viele Staatsanleihen kaufen wie bisher.

In diesem Fall würde der EFSF quasi als Versicherer für Staatsanleihen von Krisenländern auftreten. Bei einer Staatspleite ist dann aber auch die Haftungssumme für die Gläubiger - bei EZB und EFSF sind das am Ende die Steuerzahler - um ein Vielfaches größer als die garantierte und von den EU Staaten beschlossenen Summen.

 

Schattenbanken oder Zombiebanken: So werden zwei verschieden Sachverhalte bezeichnet: Einmal, Unternehmen, die ohne entsprechende Genehmigung, also unerlaubt, Geld- und Bankgeschäfte betreiben. Dies geht häufig mit betrügerischen Machenschaften und Geldwäsche einher. Zweitens, Unternehmen, die innerhalb des gesetzlichen Rahmens Finanzgeschäfte betrieben, aber keine Kreditinstitute sind, z. B. Hedgefonds und finanzielle Zweckgesellschaften.

Das Welt-Finanzsystem ist nach Einschätzung von IWF-Experten noch immer weit weniger gegen Finanzkrisen gewappnet als erwartet. Von grenzüberschreitend tätigen Mega-Finanzkonzernen gehe weiter ein großes Risiko für die Stabilität des internationalen Finanzsystems aus, stellen IWF-Experten in einem Diskussionspapier fest. Dies gelte nicht für den Bankensektor selbst, sondern auch für die sogenannten "Schatten-Banken" wie große Hedgefonds und ähnliche Marktakteure unterstreicht der IWF. Die Experten beklagen, es gebe international noch kein Modell, wie man systemrelevante Finanzriesen im Krisenfall so abwickeln oder restrukturieren könne, dass weniger die Steuerzahler, als die Gläubiger die Zeche dafür bezahlen müssten.

Damit setzen die IWF-Experten einen Kontrapunkt zu weitaus positiveren Befunden mancher Regierungen. Im Kreise der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) ist der Umgang mit den Mega-Finanzkonzernen in der Krise, ihre Kontrolle und ihre Kapital-Absicherung eine ungelöste Aufgabe. Noch fehlen geeignete Vorschläge, vor allem, weil wegen der grenzüberschreitenden Geschäfte dieser Konzerne Lösungen für ganz unterschiedliche Rechtssysteme gefunden werden müssen.


 


Geldentwertung
Inflation


Die Geldentwertung wird auch als Inflation bezeichnet. Bei der Geldentwertung handelt es sich um eine Verminderung der inländischen Kaufkraft des Geldes.
Geldrelevant Verursacht wird die Geldentwertung durch eine Erhöhung der Geldmenge oder der Geldumlaufgeschwindigkeit. Die verschiedenen Raten der Geldentwertung verschiedener Länder wirken sich auf die Wechselkurse auch.

Der Geldwert besteht in der binnenwirtschaftlichen Kaufkraft des Geldes. Damit ist die Menge an Gütern gemeint, die man mit einer bestimmten Geldmenge im Inland kaufen kann. Bei steigenden Preisen sinkt der Geldwert. Außenwirtschaftlich betrachtet ergibt sich der Geldwert aus dem Tauschverhältnis zu anderen Währungen. Je mehr Geld vorhanden ist, welches auf eine im Wesentlichen gleichbleibende Gütermenge trifft, desto schneller steigen die Preise dieser Sachwerte. Das erleben wir aktuell bei Energie, Lebensmitteln und Sachwerten allgemein. Die logische Schlussfolgerung, die Inflation steigt an.

 


Seit 40 Jahren weiten die USA, die EU, Japan, China, etc. die Geldmenge ständig aus.

 


 

 

 

derStandard.at-Interview "Banken erfinden Geld aus Luft"
Daniela Rom, 13. Oktober 2010 07:05

"Es gibt ein systemisches Betrugsmodell einer Institution, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird", meint Franz Hörmann. Warum das Finanzsystem ein Betrugsmodell ist, was Bilanzen damit zu tun haben und warum der ultimative Crash droht, erklärt der Wiener Wirtschaftwissenschafter Franz Hörmann

Für Franz Hörmann, Professor an der Wirtschaftsuniversität in Wien, ist die Zeit der Banken und des Geldes vorbei. Ein Paradigmenwechsel sowohl in den Wirtschaftswissenschaften, als auch in gesamtgesellschaftlicher Hinsicht, ist für ihn unumgänglich. Im Gespräch mit derStandard.at erklärt er, warum wir die Banken getrost ignorieren können, die freien Märkte "Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten" sind und noch in den nächsten drei Jahren der Zusammenbruch des gesamten Systems droht.

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derStandard.at: Sie gehen davon aus, dass sich Gesellschaft und Wirtschaft in den kommenden Jahren völlig verändern werden. Hat unser derzeitiges Finanz- und Wirtschaftssystem ausgedient?

Franz Hörmann: Definitiv in jeder Hinsicht. Weil wir aus Sicht der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften Modelle verwenden, die auf die alten Römer zurückgehen. Das Zinseszinssystem stammt aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend, die doppelte Buchhaltung aus dem 15. Jahrhundert. Und es gibt keinen Bereich unserer Gesellschaft und der Wissenschaften, wo Methoden dieses Alters überhaupt noch ernst genommen werden. Aber es dient dazu, gesellschaftliche Eliten mächtig und reich zu erhalten, deswegen ändert sich nichts.

derStandard.at: Läutete die Krise nun ein Umdenken ein?

Hörmann: Das denke ich schon. Die heutige Krise geht von den Banken aus. Banken erfinden im Kreditprozess Geld. Wenn man aber Geld aus Luft erfindet und das, was vorher noch nicht existiert hat, verzinst weiter gibt und dinglich absichern lässt, dann ist das, wenn das Geschäftsmodell schief geht, in Wahrheit ein Enteignungsmodell. Das ist auch der Hintergrund des Bankgeheimnisses. Banken können überhaupt nicht offenlegen, wo beispielsweise die Zinsen für Sparbücher, Bausparverträge oder Sonstiges herkommen. Denn wenn sie das täten, müssten sie zugeben, dass das alles in Wirklichkeit verkettete Pyramidenspiele sind. Diese verdeckte Geldmengenausweitung hat mit der doppelten Buchführung begonnen. Weil wenn man mit Geld eine Sache kauft, dann wechselt das Geld in Wahrheit den Besitzer. Der Verkäufer hat das Geld, der Käufer hat die Sache. Ab dem Moment ist die Sache aus wissenschaftlicher Sicht nicht mehr in Geld bewertbar. Trotzdem schreiben wir diese Geldbeträge in Bilanzen rein.

derStandard.at: Den Banken und dem Finanzsystem zu vertrauen ist also ein Fehler?

Hörmann: Das Vertrauen ist ja in den letzten Jahren von den Banken systematisch missbraucht worden. Es gibt ein systemisches Betrugsmodell einer Institution, der in unserem Wirtschaftssystem das Monopol zur Geldschöpfung über Kredite eingeräumt wird. Solange man mit Eigenkapital als Sicherheit zur Bank geht und die erzeugt aus Luft echtes Geld, das eine Zahlungsmittelfunktion hat, haben wir ein Problem. Eigenkapital ist eben kein Geld, es ist eine Rechengröße. Nach irgendwelchen Regeln wird die Aktivseite bewertet und dann die Schulden abgezogen. Wenn ich ein drei Meter langes Brett habe und ziehe ein zwei Meter langes Brett ab, dann hab ich immer noch kein ein Meter langes Brett, ich habe eine Differenz. Wenn ich ein ein Meter langes Brett haben will, dann muss ich die zwei Meter abschneiden. Ökonomisch heißt das, ich muss die Aktiva liquidieren, damit ich das Geld kriege. Zu Liquidationserlösen sind aber alle Unternehmen weltweit pleite. Auch Staaten können sich daher in Wirklichkeit gar nicht verschulden. Ein Staat, wenn man ihn als Summe des gesamten Geldflusses versteht, wo soll sich der verschulden? Warum gerade bei einer Privatbank? Ein Staat müsste sein Geld eigentlich selbst erzeugen, und zwar basisdemokratisch.

derStandard.at: Was ist dann von einer Rettung wie im Falle Griechenlands zu halten?

Hörmann: Die europäischen Länder haben nicht unbedingt die Griechen gerettet, sondern ihre eigenen, in erster Linie die deutschen Banken, die hier absurde Kredite vergeben haben. Die Zusammenhänge sind auch völlig absurd, wenn man sich Folgendes überlegt: Der Staat verschuldet sich bei den Banken, um die Zinsen der Schulden, die er bei den Banken hat, zu begleichen oder um die Banken zu retten, bei denen er selber Schulden hat. Da versteht ja keiner mehr, wer eigentlich bei wem Schulden hat und was Schulden eigentlich sind.

derStandard.at: Die Systemrelevanz von Banken und das "too big to fail"-Argument und die Bankenrettungspakete sind für Sie also reines Eigeninteresse?

Hörmann: Das "Too big to fail" ist ja ein Geschäftsmodell. Es gibt erwiesenermaßen die gezielte Absicht, Banken durch Übernahmen immer größer zu machen, damit sie "too big to fail" werden. Die Verknüpfungen zwischen Finanzwirtschaft und Politik sind enorm. Eigentlich kann man Regierungen, die aus aktiven oder früheren Mitarbeitern des Finanzsystems bestehen, gar nicht ernst nehmen. Da hat es zumindest eine mutige Aktion gegeben, nämlich das Eigentum der Oesterreichischen Nationalbank zu verstaatlichen und damit die Nationalbank von jenen Banken unabhängig zu machen, die sie prüfen sollte. Aber die Geldpolitik macht nun einmal nicht die OeNB sondern die EZB. Die Bankenrettungspakete sind überhaupt wahnsinnig witzig: Die Banken wurden nicht gerettet, es gibt nur einen Plan für die Zukunft, von dem man heute schon weiß, dass er nicht funktionieren wird, denn die Gelder müssen ja erst in den kommenden "Sparpaketen" mittels Steuererhöhungen von den Bürgerinnen und Bürgern einkassiert werden. Die Banken sind rund um den Globus pleite. Darum kann man getrost so tun, als ob es sie nicht mehr gäbe.

derStandard.at: Aber noch gibt es sie.

Hörmann: Wenn wir uns die Kredite anschauen, können wir sie ignorieren. 1969 hat ein amerikanischer Architekt einen Prozess gewonnen, weil er seinen Hypothekenkredit nicht zurückzahlen wollte. Er hat sich auf den Rechtsgrundsatz berufen, dass in einer Leihe, wo ein Gegenstand erst entsteht, der vorher noch nicht vorhanden war, dieser Gegenstand auch nicht zurückgegeben werden muss. Da also in der Kreditschöpfung das Geld erst erzeugt wird, gibt es keinen Grund, diesen Kredit zurückzuzahlen. In den USA gibt es schon Bürgerrechtsbewegungen, die den Amerikanern empfehlen, sich zusammenzuschließen und Kredite nicht mehr zurückzuzahlen.

derStandard.at: Kommen wir noch einmal auf die Bilanzen zurück. Das Problem fängt Ihrer Ansicht nach schon hier an?

Hörmann: Es mangelt an der Abzählbarkeit der Größen, die in Bilanzen verwendet werden. Jemand, der ein Haus um zwei Millionen statt um eine Million kauft, weil er schlecht verhandelt hat, hätte dann ein um eine Million höheres Eigenkapital? Und wenn er jemanden findet, der es um zehn Millionen kauft, ist das dann ein Marktpreis? Es ist krank. Der Fair Value ist auch ein Betrugsmodell, weil man es mit geschenktem Geld und Strohmännern nachweislich missbrauchen kann. Der Fair Value gehört endlich abgeschafft. Er ist nichts anderes als der sogenannte Gemeine Wert, der Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Deutschen Handelsgesetzbuch eliminiert wurde, weil er auch da schon zu massenhaftem Gründungsbetrug bei Aktiengesellschaften geführt hat. Es ist ein flächendeckender Betrug über Kapitalgesellschaften und Banken in unserem Wirtschaftssystem. Aber das darf die Politik nicht zugeben, weil es zu nahe an jene Formulierungen heranreicht, die früher die Marxisten verwendet haben. Und das wäre ja allzu peinlich. Wobei man natürlich sagen muss, dass der Staatssozialismus und die Planwirtschaft überhaupt nicht funktionieren konnten, weil das ja tatsächlich Terrorregime waren.

derStandard.at: Derzeit werden die Stimmen, dass beispielsweise der Euro verschwinden wird, immer lauter. Brauchen wir Geld überhaupt noch?

Hörmann: Alle Währungen werden verschwinden, weil sie technisch nicht mehr funktionieren können. Ich schätze, dass es schon 2011 so weit sein wird. Wenn wir uns aber in eine neue Gesellschaft ohne Geld retten wollen, brauchen wir als Übergangphase mehrdimensionales Geld. Wir brauchen mehrere unabhängige Rechnungskreise in Form spezialisierter elektronischer Gutscheine. Um die Grundversorgung der Menschen abzudecken, wie Wohnraum, Energie, Lebensmittel usw., könnte man eine Inventur in den einzelnen Ländern aller verfügbarer Ressourcen und des Bedarfs machen. Dann wäre es notwendig, die vorhandenen Ressourcen pro Kopf so zu verteilen, dass für den Basislebensstandard alle versorgt sind. Hier müssen alle kooperieren, ohne dass sie in ein gewinnorientiertes Tauschkonzept verfallen. Die Gemeinschaft muss ohne Wenn und Aber und ohne Gegenleistung Kinder, alte und kranke Menschen erhalten, und alle müssen mit diesem Grundlebensstandard versorgt werden, egal welche oder ob sie überhaupt eine Leistung vollbringen.

derStandard.at: Wir sprechen also von einem bedingungslosen Grundeinkommen?

Hörmann: Genau. Aber nicht in Geld, sondern in Gütern und Dienstleistungen. Im Bereich des Luxus kann die Gesellschaft dann basisdemokratisch entscheiden, für welche individuellen oder Gruppenleistungen Preise ausgeschrieben werden. Für tolle Erfindungen zum Beispiel, oder besonders schwierige oder mühsame Arbeiten. Das ist dann der Ansporn in einem motivierenden, leistungsorientierten Anreizsystem. Es reden ja alle von der Leistungsgesellschaft, aber Zinsen- und Dividendeneinkommen sind keine Leistung, sondern eine Vergütung für Eigentum. Da Geld sowieso eine gesellschaftliche Konstruktion ist, müssen wir uns nicht an der toten Materie orientieren, die in früheren Jahrtausenden die praktische Manifestation von Geld war. Geld selbst besitzt ja lediglich eine Informationsfunktion.

derStandard.at: Noch nehmen wir das Geld aber sehr ernst. Währungskrieg und Währungskrisen geistern durch die Medien.

Hörmann: Der wirkliche Skandal ist, dass unser gesamtes Geldsystem auf Schulden basiert. Das heißt, die Geldschöpfung funktioniert zu 97 Prozent in den Geschäftsbanken. Auch Staaten nehmen so Kredite auf: Die Zentralbanken machen das durch eine Bilanzverlängerung. Über eine Bilanzverlängerung kann man aber kein Geld erzeugen. Die chinesische Staatsbank erfindet auch Geld aus Luft, nur lustigerweise, ohne dass eine Staatsschuld entsteht. Das sollten wir auch machen. Der chinesische Wirtschaftswissenschafter Wu hat bei einem Vortrag an einer amerikanischen Universität gesagt: Er werde oft gefragt, warum es in China so viele Unternehmensgründungen gegeben hat. Die chinesische Staatsbank habe Gründungskredite hergegeben, die waren unverzinst und mussten nicht zurückgezahlt werden. Das kann man natürlich nur als Zentralbank machen, wenn man einseitig bucht und nicht gleichzeitig Schulden erzeugt. Und wenn man dann sagt: Um Gottes Willen, dann gibt's ja Inflation! Das haben die Chinesen über eine Preisregulierung gesteuert und waren damit wieder die Schlaueren. Das will aber bei uns keiner hören, weil das geht gegen das Dogma der freien Märkte, die Blasenmaschinen zum Missbrauch für die Eliten sind.

derStandard.at: Ist China da wirklich ein Vorbild?

Hörmann: Die Chinesen machen es richtig. Sie picken sich aus den beiden politischen Systemen jeweils die Rosinen raus und sind offenbar so flexibel zu sagen: Das, was in unserem alten System gut funktioniert hat, behalten wir bei. Und das, was im kapitalistischen System gut ausschaut, das übernehmen wir. Es ist eine Mischform, die sich noch dazu laufend weiter entwickelt, also einer Evolution unterliegt. Aus Sicht der Elite in China ist es einfach, solange sie es so steuern kann. Ob es für die gesamte Bevölkerung, insbesondere für die Landarbeiter so einfach ist, ist eine andere Frage.

derStandard.at: Wo sehen Sie unser Wirtschaftssystem nun in Zukunft?

Hörmann: Solange Eigentümer etwas produzieren, damit Konsumenten es gegen Geld kaufen, werden wir in absehbarer Zeit in einen Zustand geraten, wo die öffentliche Hand, die Gelderzeuger, die Konsumenten dafür bezahlen müssen, dass sie einkaufen gehen. Nur dann werden die Eigentümer noch ihre Gewinne erzielen können. Denn durch Arbeit in immer stärker rationalisierten und automatisierten Prozessen wird kein Mensch mehr sein Einkommen verdienen können. Wir wissen, dass zehn Prozent der berufstätigen Bevölkerung von ihren Arbeitseinkommen nicht mehr leben können. In Wirklichkeit müssten wir darüber in Freude ausbrechen. Zu Beginn der Industrialisierung war die betriebswirtschaftliche Maßgröße eingesparte Arbeitsstunden. Und genau das ist die einzig sinnvolle ökonomische Größe.

derStandard.at: Sie wünschen sich also eine neue Weltordnung?

Hörmann: Globalisierung richtig verstanden, bedeutet, dass es keine Standortpolitik mehr gibt. Es gibt nur einen Standort, und das ist der Planet Erde. Und es gibt auch nur eine Nation, das ist die Menschheit. Diese ist natürlich vielfältig, und muss liebevoll und empathisch miteinander kommunizieren. Wir müssen auch die Vertreter der sogenannten Elite, dort abholen, wo sie heute stehen. Wir dürfen keine Sündenböcke suchen. Denn wir müssen ihre Verlustängste berücksichtigen und sagen: Ihr werdet zwar etwas verlieren, aber das sind nur Zahlen auf Papier oder Displays. Und wenn ihr mitarbeitet, dann können wir jede Form von Lebensstandard schaffen und zwar für eine breite Bevölkerung. Das schafft dann auch Sicherheit, weil es keinen Neid mehr geben wird.

derStandard.at: In welchem Zeithorizont denken Sie an diese neue Gesellschaftsordnung?

Hörmann: Drei Jahre. Die Frage ist nämlich, schafft es die Menschheit, in drei Jahren dieses Konzept umzusetzen oder wird sie gar nicht mehr bestehen. Wir haben nämlich massenhaft ökologische und soziale Probleme, in vielen Ländern stehen wir kurz vor der Revolution.

derStandard.at: Sie reden also vom ultimativen Crash?

Hörmann: Richtig. Wie die Gesellschaft in Zukunft leben wird oder will, kann nur die Gesellschaft selbst entscheiden und zwar nach dem Mehrheitsprinzip. Das geschieht demokratisch in der Vernetzung. Hierarchische Strukturen können aus informationstheoretischer Sicht nie funktionieren, weil die Personen an der Spitze der Pyramide das Wissen nicht haben. Sie werden von den Schichten darunter permanent belogen. Wie man sich als einfacher Bürger gegen Überwachung oder Schikanen wehren kann, ist bekannt: Man lügt die Mächtigen einfach an. Daher brechen sämtliche hierarchische Systeme, ob das Regierungen, Staaten, Schulsysteme oder Unternehmen sind, momentan zusammen und die Menschheit vernetzt sich über das Internet auf einer Ebene neu, über das "global brain". Hier entstehen dann völlig neue Spielregeln nach dem Prinzip der Emergenz. (Daniela Rom, derStandard.at, 13.10.2010)

FRANZ HÖRMANN
ist Professor am Institut für Revisions-, Treuhand- und Rechnungswesen der Wirtschaftsuniversität Wien.

ERKLÄRUNGEN:

EFSF "Europäische Finanzstabilisierungsfazilität": Dieser Rettungsschirm besteht seit Frühjahr 2010 und versorgt bisher Irland und Portugal mit günstigen Krediten. Das Geld dafür borgt sich der Fonds am Kapitalmarkt. Es wird nur ausgezahlt, wenn sich die betroffenen Länder verpflichten, drastisch zu sparen. Die Euro-Länder stellen anteilig Garantien bereit.

Im Juli beschlossen die Staats-und Regierungschefs, die EFSF mit mehr Geld und Garantiesummen auszustatten - auch weil das bisherige Volumen für größere Krisenfälle wie etwa Italien oder Spanien womöglich nicht ausreichen würde. So soll die tatsächliche Ausleihkapazität von bisher 250 auf 440 Milliarden Euro aufgestockt werden. Der Garantierahmen steigt auf 780 Milliarden Euro. Der Bundestag musste dem zustimmen. Deutschland würde dann künftig Bürgschaften in Höhe von rund 211 Milliarden Euro schultern. Das sind etwa zwei Drittel des Bundeshaushalts.

Außerdem soll der Fonds auch Staatsanleihen von Krisenstaaten aufkaufen können, damit deren Kurse nicht ins Bodenlose fallen. Und er soll einem hoch verschuldeten Land vorsorglich Kredite bereitstellen und Darlehen zur Rekapitalisierung seiner Finanzinstitute bereitstellen können.

 

ESM "Europäischer Stabilitätsmechanismus": Dieser dauerhafte Rettungsschirm löst den vorübergehenden EFSF voraussichtlich spätestens Mitte 2013 ab. Er soll 500 Milliarden Euro Kredithilfen zur Verfügung stellen können. Dabei werden die Euroländer nicht mehr nur Bürgschaften beisteuern, sondern zum Teil tatsächlich Kapital einzahlen. Das wird also unmittelbar die Staatshaushalte belasten.

Auch private Gläubiger sollen sich von Fall zu Fall an den Hilfen beteiligen. Damit wäre künftig die viel zitierte "geordnete Insolvenz" von Krisenstaaten möglich.

Ansonsten kann der ESM das, was die neue Version des EFSF auch kann. Er muss im kommenden Jahr noch von den Mitgliedsländern verabschiedet werden.