29.6.2011

Griechenland!

Verantwortungslos, Sündenbock
oder nur schwächstes Glied in der Kette?

 

Was sind die Ursachen der Schulden Griechenlands?


 

Die ganz einfache Antwort ist: Die griechische Bevölkerung hat jahrzehntelang in Saus und Braus gelebt und Milliarden von Euro Schulden aufgetürmt.

Eine andere Antwort wäre, große Banken, allen voran die amerikanische Goldmann-Sachs hätten im vollem Bewusstsein der prekären finanziellen Situation Griechenland und im Wissen um die Uneinbringbarkeit jahrelange teure Kredite gewährt, weil sie damit hervorragend verdienten.

Eine andere Antwort wäre auch, die griechische Regierung war ein gutwilliger Adressat für den industriellen und militärischen Komplex der wirtschaftlichen Interessen der westlichen Industriestaaten. So kaufte Griechenland im Jahr 2000 (aus NATO Interessen) nicht nur um 2,4 Mrd. Euro U-Boote zur Sicherung der Ägäis vor einer möglichen Bedrohung des Westen durch die UDSSR. Nach einer Studie des schwedischen Friedensforschungsinstitutes Sipri vom März 2010 gehörte Griechenland in den vergangenen fünf Jahren zu den fünf größten Rüstungsimporteuren weltweit.

Die Griechen mussten auch aus (europäischen) wirtschaftlichen Überlegungen unbedingt in die EWG, obwohl Griechenland für alle Verantwortlichen in der EU weit davon entfernt war die Stabilitätsktiterien zu erfüllen. Aber da Deutschtland und Frankreich diesen Wirtschaftsmarkt für ihre wichtige EXportwirtschaft sichern wollten, und dazu Deutschland ebenfalls nach überstandener Wirtschaftsflaute mit 3,2% die 3 Prozentgrenze nicht einhalten konnte (und ibei Einsparungen Angst hatte ihren Wirtschaftsaufschwung nicht abwürgen wollte) nahm man Griechenland in die europäische Union auf. Ein Sündenfall der die Basis für alle heutigen Probleme darstellt.

Aber dass es natürlich auch durch Griechenland selbst verursachte Mssstände gibt ist unbestritten. Nur ein Beispiel: Anfang der 2000er Jahre wollte die griechische Regierung von der EU 150 Mio. Euro um endlich einen aussagekräftigen Kataster (Erfassung der Grundstücke, Gebäude, deren Art und Nutzung) für das gesamte Land zu erstellen. Die Griechen hatten so etwas noch nicht. Dies wird ihnen gewährt, wenn gleich - oder vielleicht deshalb - weil bei den griechischen Agraransuchen an die EU, die zu subventionierende Agrarfläche dreimal größer war, als die Gesamtfläche des Landes ausmachte. Als man ein Jahr später nachfragte, was aus dem "Katasterprojekt" geworden sei, erhielt man die Antwort, man habe das Projekt aufgegeben. Am Ende wurden 75 MIo Euro zurückerstattet. Der Rest war nicht mehr vorhanden. Wo das Geld geblieben wusste angeblich niemand.

Und so gibt es noch viele Antworten über die Ursache der Schuldenkatastrophe und die griechische Bevölkerung ist daran durch die intensive Ausnutzung des Steuer- und Sozialsystems sicher Mitschuld, sie aber als die allein Schuldigen hinzustellen wäre ungerecht. Aber bilden Sie sich eine eigene Meinung!

Mag. Sepp Wimmer
für die GRÜNEN Klosterneuburg

 


Prof .Dr. Elmar Altvater

 

 

 

 



Halb Europa prügelt auf Griechenland und andere hochdefizitäre Staaten ein. Dabei können die Banken mit der Situation mehr als zufrieden sein.



Die Finanzkrise privater Banken ist zur Fiskalkrise souveräner Staaten geworden. Im europäischen Norden waren es die wild spekulierenden Banken, die die knapp 300.000 IsländerInnen fast in den Bankrott gerissen haben. Von den Spekulationsverlusten wurden sie vom Staat befreit. Nicht mehr die Banken, der Staat ist nun hoch verschuldet, und die Kosten sollen die BürgerInnen tragen. Sie werden sich das wohl in einem Referendum verbitten.

Im europäischen Süden, in Griechenland, waren es nicht griechische Banken, sondern die Global Players aus Deutschland, den USA, Britannien und der Schweiz, die eine zunehmende Verschuldung des griechischen Staates finanziert haben. Goldman Sachs und andere aus der internationalen «banking community» waren behilflich dabei, dass dieser immer mehr Schulden machen konnte. Warum wohl? Weil der griechische Staat dafür sorgte, dass aus dem griechischen Nationaleinkommen ein steter Strom des Schuldendienstes an die KreditgeberInnen in den Zentren der Weltfinanzen abgezweigt werden kann.

Die Verschuldung von Staaten ist für die großen privaten Banken und ihren Tross aus Ratingagenturen, Beratern und Anwältinnen sehr lukrativ. Die Schuldtitel werden verbrieft, zu strukturierten Papieren gebündelt und auf globalen Märkten profitabel gehandelt. Die Ackermänner der globalen Finanzplätze vermelden Milliardengewinne. Und die normalen BürgerInnen fragen sich, woher der Geldsegen nach der verlustreichen Finanzkrise, die sie Hunderte von Milliarden Euro kostet, wohl stammen mag? Die Antwort ist: aus Griechenland, Dummerchen, wenn auch nicht nur aus Griechenland. Dazu wäre das Land mit gerade einmal 2,5 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts eine Nummer zu klein.

Doch gibt es noch andere "Schweinchen", die man schlachten kann, nämlich die (in offiziöser Sprachregelung) PIGS genannten Mittelmeerstaaten Portugal, Italien, Griechenland und Spanien und einige andere mehr in der Welt. Ohne deren Verschuldung könnte das profitable Geschäftsmodell der Banken gar nicht florieren. Die Wertpapiere der einen verlangen die Verschuldung der anderen. Das ist einfache Saldenmechanik. Damit die Wertpapiere ihren Wert behalten, müssen allerdings die Schulden ordentlich bedient werden. Sonst werden sie toxisch. Daher kommt Panik ins „Börsenspiel der modernen Bankokratie“ (so Karl Marx vor 150 Jahren), wenn am reibungslosen Schuldendienst gezweifelt wird, und manche Medien werden hysterisch wie das Münchener Magazin Fokus, das Griechenland seit 2000 Jahren im Niedergang sieht. Das ist jedoch das Stichwort für die privaten Ratingagenturen. Sie reduzieren das Rating, und nun können die Bankster auf die Zinsen der Staatsschuld einen Risikozuschlag, den „spread“, aufschlagen. Mit dem Risiko steigen die Gewinne der Banken. Umgekehrt wird die Last der Staatsschulden immer größer.

Öffentliche Schulden sind also der Stoff, aus dem Bankprofite gemacht werden – solange die Staaten zahlen können. Für den Schuldendienst können Regierungen besser als private Schuldner sorgen, weil sie über das Steuermonopol verfügen und bei den öffentlichen Ausgaben kürzen können, am besten unter dem äußeren Druck der EU oder indem sie Auflagen des Internationalen Währungsfonds befolgen – zur Kürzung der Gehälter im öffentlichen Dienst, bei den Sozialaufwendungen oder der Infrastruktur, und durch Absenkung der Masseneinkommen. Wenn es dagegen Widerstand gibt, können die Regierungen auf das Gewaltmonopol des Staats zurückgreifen und die Polizei einsetzen. Die Marktmechanismen der neoliberalen Lehre werden also repressiv exekutiert.

So ist es schon Hunderte Male in der jüngeren Geschichte der kapitalistischen Weltwirtschaft geschehen. Warum sollte es in Griechenland 2010 so anders sein als etwa 2001 in Argentinien? Weil der Euroraum Kooperation verlangt? Dann hätte man 1992 die Maastricht-Regeln anders gestalten, zumindest hätte man die Sozial- und Einkommenspolitik koordinieren müssen. Hat man aber nicht, und so konnte es geschehen, dass 2008 allein Deutschland gegenüber den PIGS einen Außenhandelsüberschuss von 47 Milliarden Euro erzielt hat. Daraus und aus anderen Geschäften sind Forderungen deutscher Banken von fast 550 Milliarden Euro gegenüber den PIGS-Staaten entstanden, darunter allein 43 Milliarden gegenüber Griechenland. An den mediterranen PIGS verdienen deutsche Banken also gut.


Auch die Schweizer Banken sind immer dabei. Sie bunkern 16,4 Milliarden Euro griechisches Schwarzgeld, das einen Teil des Staatsdefizits Griechenlands erklärt. So versuchen die Banken Verluste zu kompensieren, die sie bei den Abschreibungen von Forderungen gegenüber anderen Geschäftsbanken in der Finanzkrise haben realisieren müssen. Also keine Steine auf Griechenland, denn die gesamte „banking community“ sitzt im Glashaus.

Das Geld, das den Banken aus öffentlichen Kassen und von der Europäischen Zentralbank billig zur Verfügung gestellt wird, nutzen sie, um jene Schuldverschreibungen zu kaufen, die die Staaten zur Finanzierung der immensen Kosten der Bankenrettung ausstellen müssen. Nun haben sie anstelle der entwerteten privaten wertvolle souveräne Schuldtitel in ihrem Portefeuille, mit denen sie gute Geschäfte machen können. Die Staaten, also letztlich die SteuerzahlerInnen, begleichen die teure Rechnung.

Es ist wie in einer griechischen Tragödie. Alle sind vom Schicksal, in diesem Fall von den Finanzmärkten, getrieben und müssen Regeln befolgen, die ins Unglück führen. Griechenland unter die Arme greifen? So etwas hat gerade noch in der deutsch-deutschen Währungsunion vom 1. Juli 1990 geklappt, weil ihr im Oktober des gleichen Jahres die staatliche Einigung folgte; das ermöglichte einen Finanzausgleich zwischen Westen und Osten. Im kurz danach gegründeten Maastricht-Europa hingegen ist zwar jedes Land auf alle anderen angewiesen und dennoch in der Krise auf sich allein gestellt. Das ist ein Konstruktionsfehler des „europäischen Hauses“, der es zum Einsturz bringen kann. Mit dem Lissabon-Vertrag ist dieser Fehler im Dezember 2009 nicht korrigiert, sondern ratifiziert worden. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Der Artikel erschien in der Schweizer WOZ am 4. März 2010.
Der Autor: Elmar Altvater ist Prof. emer. für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU-Berlin. Prof. Altvater war Mitglied der Enquête-Kommission Globalisierung der Weltwirtschaft – Herausforderungen und Antworten (1999-2002) des Deutschen Bundestages. Heute ist er Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat von attac. 2007 – wenige Tage vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm – trat Altvater der Linken bei. Er will „über den Kapitalismus hinaus“ denken und Alternativen zu ihm entwickeln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Wer profitierte noch?

Nach einer Studie des schwedischen Friedensforschungsinstitutes Sipri vom März 2010 gehörte Griechenland in den vergangenen fünf Jahren zu den fünf größten Rüstungsimporteuren weltweit.

Davon profitiert auch die Bundesrepublik: Griechenland ist laut Sipri nach der Türkei das zweitwichtigste Abnehmerland für deutsche Waffensysteme. So besteht Griechenlands komplette U-Boot-Flotte nach Informationen des Tagesspiegels aus Unterseebooten made in Germany. Derzeit besitzt die griechische Marine acht von der Kieler Werft HDW produzierte U-Boote der Klasse 209. Vier weitere des Nachfolgemodells, der Klasse 214, wurden bestellt, kommen aber derzeit nicht zum Einsatz, da Griechenland die für sie und für die Modernisierung von vier älteren Booten vom Typ 209 angefallenen Zahlungen schuldig blieb. Es sollen noch rund 200 Millionen Euro der Rechnung offen sein. Dem Vernehmen nach werden nun zwei Boote der Klasse 214 gekauft, die Modernisierung der älteren wird auf Eis gelegt. Nach Informationen des Tagesspiegels kostet ein U-Boot der Klasse 214 mehr als 400 Millionen Euro.

Auch das deutsche Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei-Wegmann hat in den vergangenen Jahren kräftig an griechischen Bestellungen verdient. So erhielt der Konzern im Jahr 2003 einen Auftrag für die Produktion von 170 Leopard II HEL- Panzern. 30 davon sollten sollten in Deutschland gebaut werden 140 in Griechenland. Der Wert damals: insgesamt mehr als 1,7 Milliarden Euro.

Griechenland kauft rund vier Prozent der Waffen und Rüstungen, die auf den Weltmarkt kommen. Das ist eine Rekordzahl für ein Land mit einer Bevölkerungszahl von elf Millionen. Aber in Paris wie in Berlin weiß man natürlich genau, dass die Sanierung des griechischen Haushalts ohne Eingriffe in den Verteidigungsetats undenkbar ist. 2010 gibt Griechenland 4,3 Prozent der Wirtschaftsleistung für das Militär aus (Nato Durschnitt 1,7% der jeweiligen Wirtschaftsleistung). 2009 hatte das Land 3,16 Milliarden Euro für den Erwerb neuer Waffen bezahlt. Für 2010 sind 2,72 Milliarden Euro, für 2011 350 Millionen Euro und für 2012 nur 85 Millionen Euro geplant.

Doch weder Deutschland noch Frankreich wollen den Markt räumen, denn dann hätten andere Lieferländer noch leichteres Spiel. Zwar hat Russland auf maritimem Gebiet nichts anzubieten, doch mit S-300- und Tor-Raketen und BMP-3-Schützenpanzern ist man schon bestens im Geschäft. Griechische Armee
Angeblicher Panzer-Deal mit den USA sorgt für Verwirrung
M1A1 Abrams-Panzer (in Kuwait): Schon bald in Griechenland im Einsatz?
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Getty Images

 

10.Oktober 2011

400 Panzer soll das finanzschwache Griechenland laut einem Bericht von den USA erhalten - angeblich zum Spottpreis. Doch Kritiker warnen: Der Deal könnte horrende Folgekosten mit sich bringen. Das Verteidigungsministerium in Athen dementiert das Rüstungsgeschäft.

Athen - Es wäre ein riesiges Rüstungsgeschäft - mitten in der schlimmsten Finanzkrise der griechischen Geschichte. Nach Informationen eines Magazins, das dem Verteidigungsministerium in Athen nahesteht, will das Land 400 Kampfpanzer von der US-Armee übernehmen. Eine offizielle Bestätigung aus dem Pentagon steht noch aus. Das griechische Verteidigungsministerium teilte auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE mit, ein solches Geschäft sei "derzeit nicht vorgesehen".

Konkret geht es laut dem Bericht des "Hellenic Defence & Technology"-Magazins um 400 gebrauchte Panzer des Typs M1A1 Abrams. Diese will die US-Regierung den Griechen offenbar sehr billig überlassen - spekuliert wird über einen einstelligen Millionen-Betrag. Mit den Geräten könnten deutlich ältere Panzer, die die griechische Armee derzeit nutzt, ersetzt werden.

So verlockend das Angebot klingt, so deutlich sind die Warnungen vor versteckten Kosten. In regierungskritischen Blogs wird das Geschäftsmodell mit Tintenstrahldruckern verglichen, die zwar billig in der Anschaffung, aber kostspielig im täglichen Gebrauch sind.

Um genutzt werden zu können, müssten die gebrauchten Panzer laut dem Bericht nämlich zunächst aufwendig - und entsprechend teuer - in Stand gesetzt werden. Nach Informationen des "Hellenic Defence & Technology"-Magazins könnten Folgeaufträge für Wartung und Modernisierung eine zweistellige Millionen-Summe verschlingen. Geld, das die griechische Regierung mitten in der Schuldenkrise kaum zur Verfügung haben dürfte.

Offenbar weitere Aufträge geplant

Die Verhandlungen mit den USA beschränken sich jedoch offenbar nicht nur auf die Lieferung der Abrams-Panzer. Zusätzlich gibt es dem Bericht zufolge eine Anfrage aus Athen für 20 Amphibien-Fahrzeuge vom Typ AAV7A1. Insgesamt will das griechische Militär demnach sogar bis zu 100 der schwimmfähigen, gepanzerten Truppentransporter ordern. Über den Preis der Fahrzeuge ist bisher nichts bekannt.

Angesichts der drohenden Staatspleite hatte Griechenland noch vor Monaten angekündigt, bei seinen Militärausgaben "kolossal" sparen zu wollen. Laut Verteidigungsminister Evangelos Venizelos sollten die militärischen Betriebsausgaben um 25 Prozent gesenkt werden. Im Haushalt für dieses Jahr waren bislang nur Kürzungen um 12,6 Prozent vorgesehen.

Griechenland wird nach Venizelos' Worten sechs Milliarden Euro, rund 4,8 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts, für seine Verteidigung ausgeben. Damit läge das Land aber immer noch deutlich über dem OECD-Schnitt von 1,7 Prozent.

 

16.Oktober 2011

Das klamme Griechenland könnte französische Tarnkappen-Schiffe erhalten - und zwar vorerst zum Nulltarif. Vorerst!

Offenbar will Paris zwei bis vier neue Tarnkappen-Fregatten an die griechische Marine liefern. Weil das hochverschuldete Land die nötigen 300 Millionen Euro pro Schiff derzeit nicht aufbringen kann, habe Paris der Athener Regierung angeboten, ihr die Fregatten für fünf Jahre kostenlos zu überlassen. Erst dann sollen die von der Staatswerft DCNS entwickelten Schiffe mit einem Preisnachlass von 100 Millionen Euro bezahlt oder andernfalls von der französischen Marine übernommen werden.

Tatsächlich wird eine Umschuldung Griechenlands immer wahrscheinlicher. In diesem Fall würde die Regierung in Athen einen Teil ihrer Schulden nicht mehr zurückzahlen müssen. Falls in diesem Fall die europäischen Rettungsmechanismen greifen - und damit der Bundeshaushalt einspringt -, würde der deutsche (und österreichische) Steuerzahler einen Teil der griechischen Staatsausgaben tragen und damit auch die Kriegsschiffe aus Frankreich zumindest teilweise bezahlen.



 

 

 

 


Wer profitierte noch?
Die Geschäfte von Goldman Sachs!


Nach der US-Notenbank Fed nimmt nun auch die EU die zweifelhaften Währungsgeschäfte Griechenlands mit der US-Bank Goldman Sachs unter die Lupe. Die Frage ist, ob dadurch die tatsächliche Verschuldung der Hellenen verschleiert wurde. Die Deutsche Bank versucht indes offensichtlich, mit den Griechen ins Geschäft zu kommen.

Die Europäische Union (EU) prüft Geschäfte der Regierung Griechenlands mit der US-Investmentbank Goldman Sachs zur Verschleierung des tatsächlichen Schuldenstandes des Landes. "Wir haben am Dienstag die angeforderten Informationen über solche Währungsgeschäfte bekommen", sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Freitag in Brüssel. Das EU-Amt für Statistik (Eurostat) prüfe nun diese Informationen, "um sicherzustellen, dass sie vollständig sind".


REUTERS: Goldman-Zentrale in New York: Wurde hier an der griechischen Verschuldung gedreht?

Anschließend werde entschieden, was diese Informationen für das Ausmaß der tatsächlichen Staatsschulden bedeuteten. Der Sprecher sagte, er wolle nicht über den weiteren Fortgang des Verfahrens spekulieren: "Wir legen großen Wert auf die Verlässlichkeit und Genauigkeit der Statistik." Erst am Donnerstag hatte auch US- Notenbankchef Ben Bernanke gesagt, die USA überprüften entsprechende Geschäfte.

Den bisherigen Informationen zufolge wurden von der griechischen Regierung jahrelang tatsächliche Kredite als Währungsgeschäfte verbucht. Dabei entstanden die Kreditbeträge durch Hin- und Hertauschen von Euro und US-Dollar zu fiktiven Wechselkursen. Die griechische Regierung hatte noch im Herbst vergangenen Jahres die Existenz solcher Luftbuchungen zur Verschleierung der Schulden bestritten.

EU-Währungskommissar Olli Rehn wird in der kommenden Woche - voraussichtlich bereits am Montag - zu Gesprächen in Athen eintreffen. "Es geht darum, sicherzustellen, dass die ehrgeizigen Ziele der griechischen Stabilisierungsprogramme vom Januar und Februar erreicht werden", sagte der Sprecher. Vor allem soll das gigantische Haushaltsdefizit innerhalb eines Jahres von derzeit 12,7 auf 8,7 Prozent gesenkt werden.

Rehn bringe keine Hilfsgelder für Griechenland, hieß es. "Griechenland hat auch nicht um Finanzhilfen gebeten. Aber wenn sie nötig sein sollten, dann sind die Euro-Staaten dazu bereit", sagte der Sprecher unter Hinweis auf eine entsprechende Erklärung eines EU-Sondergipfels vom 11. Februar.

Die Deutsche Bank bemüht sich indes offenbar, mit der klammen griechischen Regierung ins Geschäft zu kommen. Vorstandschef Josef Ackermann sei nach Athen gereist, um sich dort am Freitag mit Regierungsvertretern zu treffen, sagte ein Sprecher der größten deutschen Bank am Freitag auf Anfrage. Zum Inhalt der Gespräche wollte er keine Stellung nehmen.

In Finanzkreisen hieß es, die Regierung habe offenbar finanziellen Beratungsbedarf. Die Deutsche Bank hat bereits die jüngste Staatsanleihe Griechenlands organisiert, Anfang März wird eine weitere erwartet. Die Deutsche Bank hatte zuvor bereits klargemacht, dass sie die Finanzprobleme des südeuropäischen Landes nicht ausnutzen will. "Die Deutsche Bank spekuliert nicht gegen Griechenland."




Schmutzige Tricks von Goldman Sachs für Griechenland verursachen Milliarden-Schaden!

Was hat sich Goldman Sachs eigentlich gedacht, als sie die Tabellenwerke der statistischen Ämter Griechenlands im Herbst vergangenen Jahres studierten? Vermutlich in etwa, dass sie die hunderte Millionen schwere Vertriebsprovision für die Platzierung griechischer Anleihen und anderer Leistungen nie würden kassieren können, wenn sie die vorgefundenen Zahlen einfach nur in Power Points und Hochglanzprospekte gießen würden. Offenbar haben Excel-Experten und Finanzingenieure ganz tief an den Parametern gedreht, damit Griechenland wieder als guter Schuldner strahlen kann und bei den “neoliberalen Oligarchen” (Zero Hedge) die Kassen klingen.

Da Goldman Sachs ja bekanntlich “Gottes Werk” (Goldman Chef Lloyd Blankfein) verrichtet, dreht das Institut ja nicht ganz profan an den Zahlen. In ihrem Notfallkoffer befand sich ein Arsenal von Maßnahmen, um zukünftige Einnahmen etwa aus Flughafengebühren oder Lotterieerlösen schon jetzt zu versilbern. Damit und durch verschiedenste Swap-Konstruktionen konnten die offiziellen Verbindlichkeiten gedrückt werden. Belastungen werden in die Zukunft verschoben und Finanzverhältnisse verschleiert.

Seit Wochen bereits geisterte durch Märkte und Weblogs, dass Goldman Sachs und andere Investmentbanken Griechenlands Daten mit welchen Methoden auch immer frisiert haben sollen. Gestern adelte ein Artikel der New York Times diese Gerüchte durch eine fast offiziell klingende Bestätigung (leise Zweifel am Neuigkeitswert meldet egghat). Unter der inhaltsschweren Überschrift “Wall St. Helped Greece to Mask Debt Fueling Europe’s Crisis” breiteten drei Autoren Details aus, die offenbar aus gründlichen Recherchen stammten (valide Quellen werden freilich nicht genannt). Sprecher der griechischen Regierung nannten selbst keine Namen, bestätigten aber Gespräche mit zahlreichen Banken. Goldman und JPMorgan lehnten wenig überraschend Kommentare dazu ab. Dieser besondere Service, der “jedem Hütchenspieler zur Ehre gereichen würde” (Spiegel Online), schädigt sehr ernsthaft das gerade wieder hergestellte und sehr fragile Vertrauen in Finanzmärkte und Banken. Und dieser Schaden lässt sich in diesem Fall sogar messen.

300 Mio. US$ soll Goldman nach Angaben der NYT für die “professionelle Irreführung” von Investoren und EU kassiert haben. Dies ist ein lächerlich niedriger Betrag im Vergleich zum tatsächlich angerichteten Schaden, der in die Milliarden geht. Die Verwirrungen um die Zustand des griechischen Haushalts und den Budgets weiterer europäischer Länder hat die Finanzmärkte tief verunsichert. Und Verunsicherung auf Devisen-, Geld- und Kapitalmärkten wird nicht nur mit Kapitalabzug bestraft, sondern sie kostet viel Geld.

Sehr gut beobachten lässt sich dies an den erhöhten Risikoprämien für Kreditversicherungen (Fachbegriff Credit Default Swap = CDS) von Verbindlichkeiten der europäischen Staaten und Banken. Allein der Anstieg dieser Prämien (für Erläuterung und aktuellen Stand der Länderrisikokosten siehe diese Seite des VG-Blogs) verursachte bisher Mehrkosten, die möglicherweise allein schon einen zweistelligen Milliardenbetrag erreichen. Betroffen davon sind, wie wir wissen, längst nicht nur Verbindlichkeiten Griechenlands, sondern auch die der anderen PIIGS-Staaten und ebenso die vieler Kreditinstitute, deren Refinanzierung sich verteuert hat. Natürlich sind auch die Risikoprämien deutscher Verbindlichkeiten betroffen.

Eine Kehrseite gestiegener Risikoprämien sind die Abschreibungen auf Anleihebestände, die deutlich im Wert verloren haben. Allein der Allianz-Konzern hat durch sinkenden Kurse griechischer Anleihen zum 3. Februar bereits über 100 Mio € verloren (Quelle und mehr Handelsblatt). Dazu zu addieren ist der Schaden, der europäischen Staaten und Unternehmen durch die Euroabwertung entstanden ist (abzüglich deren Nutzens).

Auch wenn Goldman Sachs und andere Investmentbanken die griechische Krise sicher nicht verursacht haben, sie haben die Vertrauenskrise erheblich verschärft, selbst davon profitiert und sind direkt für die daraus folgenden Konsequenzen verantwortlich. Unwahrscheinlich dennoch, dass sie dafür jemand zur Verantwortung zieht. Die negativen Auswirkungen auf die Finanzmärkte dürften nicht justitiabel in dem Sinne sein, dass eine bestimmte Investmentbank nachweisbar kausal für bestimmte Schäden bestimmter europäischer Schuldner, Banken und Unternehmen verantwortlich gemacht werden kann. Zu einen intimen und plausiblen Einblick, wie Banken und Hedge Fonds das griechische Risiko spielen, verhilft übrigens der Beitrag in der NZZ “Griechenland im Griff der Spekulanten“.

Das Handelsblatt meldet heute, der Bericht einer US-Zeitung habe die EU-Kommission alarmiert. Athen solle sich jetzt zu den Vorwürfen äußern. Nach einem Bericht der FAZ hat die griechische Regierung unterdessen eingeräumt, dass das mit Hilfe von Derivaten Zahlungen in die Zukunft verlagert hat. Finanzminister George Papaconstaninou bestätigte heute Darstellungen, wonach Investmentbanken dem Land in der Vergangenheit geholfen hätten, das Haushaltsdefizit geringer darzustellen, als es war. Die Geschäfte seien damals legal gewesen, zitiert die FAZ den Minister. „Griechenland war nicht das einzige Land, das sie eingesetzt hat“, sagte Papaconstantinou. Namen von Investmentbanken nannte der Minister nicht.

 

 

 

Einige zusätzliche Begriffserklärungen:

Haircut:
Einen Haircut für Griechenland halten viele Experten und auch viele Politiker für unausweichlich. Haircut, auf Deutsch Haarschnitt, bedeutet nichts anderes, als dass alle Gläubiger Griechenlands (griechische, aber auch französische, Schweizer, Deutsche, amerikanische, etc. Banken) auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten müssen. Der Grund liegt in den hohen Zinsen, die Griechenland für seine Staatsanleihen zahlen muss. Zwar hat sich das Land einer Rosskur unterzogen, um das zweistellige Haushaltsdefizit zu senken. Doch wird die Gesamtverschuldung weiter ansteigen - bis auf über 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2014.

 

In der Euro Währungskrise rechnen die meisten Experten bei einem Schuldenschnitt von Griechenland mit einem Forderungsausfall von rund zwei Drittel. Am stärksten wären in diesem Fall griechische Geschäftsbanken betroffen. Der griechische Staat schuldet den sechs größten Banken rund 48,2 Milliarden Euro. Ein Schuldenschnitt von 60 Prozent hätte für sie in der Währungskrise gravierende Folgen, bis hin zum Ausscheiden aus dem Markt der Investoren, Kapitalanleger und FondsVerwalter.

Bei französischen Banken steht Griechenland mit rund 55,2 Milliarden Euro in der Kreide. Für den „Fall der Fälle“ in der Währungskrise streckt Frankreichs Regierung schon die Fühler nach dem Eurorettungsschirm EFSF aus, um die heimischen Banken aus der Währungskrise zu holen. Deutsche Banken und ihre FondsVerwalter, Investoren und Kapitalanleger wären voraussichtlich nicht im großen Maße betroffen. Sie haben bereits zum Jahreswechsel 2010/2011 deutliche Wertberichtigungen auf griechische Anleihen vorgenommen und damit den Schuldenschnitt Griechenlands bilanztechnisch vorgezogen. Anders sieht es bei den Risiken der öffentlichen Hand aus. In den Büchern von Deutschlands „Bad Bank“ Nummer 1, der Hypo Real Estate (HRE) schlummern rund 22 Milliarden Euro an griechischen Anleihen. Ein Forderungsausfall von rund 60 Prozent würde den deutschen Staatsaushalt mit rund 13 Milliarden Euro belasten.

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EFSF "Europäische Finanzstabilisierungsfazilität": Dieser Rettungsschirm besteht seit Frühjahr 2010 und versorgt bisher Irland und Portugal mit günstigen Krediten. Das Geld dafür borgt sich der Fonds am Kapitalmarkt. Es wird nur ausgezahlt, wenn sich die betroffenen Länder verpflichten, drastisch zu sparen. Die Euro-Länder stellen anteilig Garantien bereit.

Im Juli beschlossen die Staats-und Regierungschefs, die EFSF mit mehr Geld und Garantiesummen auszustatten - auch weil das bisherige Volumen für größere Krisenfälle wie etwa Italien oder Spanien womöglich nicht ausreichen würde. So soll die tatsächliche Ausleihkapazität von bisher 250 auf 440 Milliarden Euro aufgestockt werden. Der Garantierahmen steigt auf 780 Milliarden Euro. Der Bundestag musste dem zustimmen. Deutschland würde dann künftig Bürgschaften in Höhe von rund 211 Milliarden Euro schultern. Das sind etwa zwei Drittel des Bundeshaushalts.

Außerdem soll der Fonds auch Staatsanleihen von Krisenstaaten aufkaufen können, damit deren Kurse nicht ins Bodenlose fallen. Und er soll einem hoch verschuldeten Land vorsorglich Kredite bereitstellen und Darlehen zur Rekapitalisierung seiner Finanzinstitute bereitstellen können.

 

ESM "Europäischer Stabilitätsmechanismus": Dieser dauerhafte Rettungsschirm löst den vorübergehenden EFSF voraussichtlich spätestens Mitte 2013 ab. Er soll 500 Milliarden Euro Kredithilfen zur Verfügung stellen können. Dabei werden die Euroländer nicht mehr nur Bürgschaften beisteuern, sondern zum Teil tatsächlich Kapital einzahlen. Das wird also unmittelbar die Staatshaushalte belasten.

Auch private Gläubiger sollen sich von Fall zu Fall an den Hilfen beteiligen. Damit wäre künftig die viel zitierte "geordnete Insolvenz" von Krisenstaaten möglich.

Ansonsten kann der ESM das, was die neue Version des EFSF auch kann. Er muss im kommenden Jahr noch von den Mitgliedsländern verabschiedet werden.

 


 

 


Einige Grafiken zur weiteren Information!

 

 

 


PIIGS:Bezeichnung für die hoch verschuldeten EURO Staaten Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien

 


Euro Schuldenentwicklung der Euro Staaten bis 2020