21.6.2011

Geld regiert die Welt!
Nicht die Menschen! Nicht die Politik!

 

Warum eigentlich?

 

 

Geld ist die Wurzel beinahe allen unseres Fortschritts. Das Geldsystem ist aber auch die Wurzel sämtlicher weltweiten Wirtschaftskrisen. So ist auch für die aktuelle weltweite Finanzkrise nicht Griechenland die Ursache, sondern nur als schwächstes Finanzglied in der EURO Ländergruppe Symptom dieses Zusammenbruchs des Finanzsystems.

Unser Weltfinanzsystem ist auf Grund der Zinseszinsdynamik aufgebaut wie ein Pyramidenspiel. Daher muss es zwangsläufig, wenn die exponentiell steigende Nachfrage nach neuen Finanzmitteln nicht ausreichend erfüllt wird, zusammenbrechen. Dies ist in der Regel nach spätestens 80 bis 100 Jahren der Fall.

Immer mehr verdichten sich die Hinweise, dass dies der aktuellen Situation entspricht und die von der Politik vorgenommen Rettungsmaßnahmen nicht funktionieren können. Denn,

das weltweite Bruttoinlandprodukt beträgt ca. 60.000 Milliarden Dollar. Das weltweit umlaufende Finanzvolumen (zum Großteil virtuell) beträgt 300.000 Milliarden Dollar. Dem entsprechend gigantisch sind auch Finanzverbindlichkeiten. Wie sollen da die Länder mit ihren vergleichsweise geringen finanziellen Möglichkeiten an Rettungsschirmen die offenen Finanzlöcher stopfen können?

Offensichtlich gibt es keine Lösung, für die nun immer stärker auftretenden Probleme des (Geld)finanzsystems. Durch die Zinseszins bedingte exponentielle Ausbreitung des (Giral)geldes zu dessen Zusammenbruch. Griechenland, Portugal oder Italien sind, wie schon gesagt, nicht die Schuldigen, sie sind nur die schwächsten Glieder in der Kette.


Erläuterung unter Geldsystems


Unverbesserliche Optimisten gehen vermutlich davon aus, dass sich die Kurse schon wieder erholen werden. Einbrüche hat es immer wieder gegeben, schon in den 1930er-Jahren, dann 1987, 2003, 2008/2009 – und früher oder später folgte eine neue Hausse. Allerdings, die Weltwirtschaft ebenso wie das Geldsystem sehen sich mit Problemen konfrontiert, die es in diesem Ausmaß bis heute noch nicht gegeben hat. Allen voran die massiven Staatsschulden, die so hoch angewachsen sind, dass selbst die Zinsen nur durch neue Kreditaufnahmen beglichen werden können. Ein nennenswerter Teil der Produktion ist in Billigländer verlagert worden. Große Teile der Bevölkerung sinken in immer tiefere Armut, was die allgemeine Kaufkraft absenkt. Darunter leidet sowohl die Wirtschaft als auch das Staatsbudget. Es handelt sich um eine Abwärtsspirale, aus der es offensichtlich kein Entrinnen gibt.

Nur zu Erinnerung: Während alle Aktien weltweit einen Wert von rund 50 Billionen Dollar (mittlerweile wohl etwas weniger) repräsentieren, sind Derivate über mehr als 600 Billionen Dollar im Umlauf. Im Kern sollen Derivate der Absicherung vor Verlusten dienen. Es sind – und dieser Begriff ist keinesfalls übertrieben – Wetten auf zukünftige Ereignisse, vom Börsencrash über Wechselkursschwankungen bis zu Schlechtwetter.

Wie gesagt, durch Wetten auf Kursverluste, von Leerverkäufen bis zum Derivathandel, lassen sich Vermögen verdienen. Allerdings, „kollabieren die Märkte endgültig“, dann verschwinden auch so manche Banken von der Bildfläche. Wenn es den Vertragspartner, mit dem die Derivat-Wette abgeschlossen wurde, nicht mehr gibt, wird auch das Papier wertlos. Ergo, steht der wirklich große Crash vor der Tür, bietet sich für Investoren und Spekulanten der mittleren Ebene Gold als sicherer Hafen. Und niemand kann heute sagen, wie viele Millarden an "faulen Papieren" die Banken weiltweit noch halten.

Da aktuell viele Menschen heute von den widersprüchlisten Meldungen über die Ursachen, den Folgen oder der notwendigen Maßnahmen zur Behebung der weltweiten Finanzkrise überfordert und völlig verunsichert sind, haben wir hier einen ersten Informationsüberblick dazu zusammen gestellt. Wir können (und wollen) keine endgültigen Antworten liefern, sondern versuchen nur anhand verschiedenster Informationen jedem Einzelnen ermöglichen, seine Meinung etwas fundierter bilden zu können als sie von "Systemexperten und -medien" verbreitet werden. Sollten auch Sie etwas zur umfangreicheren Information zu diesem Thema beitragen wollen, sind wir gerne bereit, diese hier im Rahmen der redaktionellen Möglichkeiten zu veröffentlichen.

STR Mag. Sepp Wimmer
für die GRÜNEN Klosterneuburg

 

 


Ein System mit Verfallsdatum

Die kommende EURO Katastrophe – Ein Finanzsystem vor dem Bankrott
Günter Hannich; erschienen 2009 im FinanzBuch Verlag


Unser Wirtschaftssystem baut letztlich auf einer immer schnelleren Ausweitung der Verschuldung auf. Dies bestätigt ein Blick auf die gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung der Deutschen Bundesbank: Betrug im Jahr 1960 die Gesamtverschuldung (Kredite von Staat, Wirtschaft und Privathaushalten) in Deutschland noch umgerechnet 155 Milliarden Eure, steigerte sich die Last bis 1980 schon auf 1.180 Milliarden Euro. Im Jahr 2000 wurde bereits die Grenze von 6.000 Milliarden Euro durchbrochen. Wie an diesen Zahlen deutlich wird, handelt es sich um ein exponentielles, also explosives Wachstum, das mit immer schnellerer Geschwindigkeit abläuft. Die Entwicklung bedeutet eine Verdopplung der Kredite alle zehn Jahre. Dadurch hat sich der Schuldenberg seit 1960 um mehr als das 33-Fache erhöht! Mit dieser Ausweitung der Verbindlichkeiten ist natürlich auch eine entsprechend steigende Zinslast verbunden. Demgegenüber wächst das Bruttoinlandsprodukt gemittelt über einen längeren Zeitraum nur linear, also um annähernd gleiche Beträge pro Jahr: Seit 1960 hat sich hier die Wirt¬schaftsleistung nicht einmal vervierfacht - sie wächst also mehr als acht¬mal langsamer als die Schuldenlast. Die Kapitalkosten für die Schulden beanspruchen so im Endeffekt einen immer größeren Anteil an der Wertschöpfung.

Hintergrund der Verschuldungsspirale ist die Konstruktion unseres Geldystems: Der Großteil des Geldes, das heute existiert, ist verzinst angelegt. Das bedeutet' dass die Geldvermögen jedes Jahr um den jeweils aktuellen Zinssatz wachsen. Dabei werden die gewonnenen Zinsen wieder angelegt in und im nächsten Jahr mitverzinst. Das fatale bei einer solchen Zinseszins-entwicklung ist, dass der Zuwachs immer schneller vor sich geht, bis er letztlich explodiert. Betrachten wir dazu das theoretische Beispiel des so¬genannten Josefspfennigs: Hätte beispielsweise jemand im Jahre null nur einen Pfennig zu fünf Prozent Zins angelegt, so wäre daraus durch Zinses¬zins im Jahr 1466 der Wert einer Erdkugel aus purem Gold geworden - die sich heute wiederum auf den Wert von über 200 Milliarden Erdkugeln aus Gold vermehrt hätten.

Eine ähnliche Rechnung brachte der Investmentexperte Marc Faber. als er betonte. dass noch keine einzige Geldanlage je langfristig funktioniert habe. Er rechnete aus, dass ein Dollar, der im Jahr 1000 zu fünf Prozent Zins angelegt worden wäre, heute allein durch die aufgelaufenen Zinsge¬winne das gesamte Bruttosozialprodukt der Welt um das Viermillionenfa-che übertreffen würde! Die gleiche Rechnung stellte Faber später zu der Erwartung an, der Dow Jones-Aktienindex könne um 18 Prozent pro Jahr steigen, und kam zum Ergebnis, dass durch diese Wachstumsrate schon nach kurzer Zeit astronomische Werte erreicht würden. An diesen Bei¬spielen wird deutlich, dass das Zinssystem immer nur wenige Jahrzehnte lang funktionieren kann. bis es von neuem zusammenbricht. Insofern ist es ein System mit Verfallsdatum. Und während bei Zinsversprechen von 100 Prozent im Jahr jeder an ein »Schneeballsystem« denkt - also ein System. welches nur durch immer neue Anleger überhaupt die versprochene Ren¬dite bezahlen kann -, wird bei einem Zinssatz von fünf Prozent kaum je¬mand misstrauisch. Dabei explodiert früher oder später jedes auf Zins auf gebaute System, wie die obigen Rechnungen verdeutlichen. Während das 100 Prozent-Schneeball-system innerhalb weniger Jahre zusammenbricht, dauert es bei unserem System mit einstelligen Zinssätzen mehrere Jahr¬zehnte. Weil ein solcher Zerfall »nur« alle zwei Generationen stattfindet, erkennen nur die wenigsten Menschen diese Zusammenhänge.

Wenn Sie an Ihr Vermögen denken, hört sich der Zinseszinseffekt noch sehr angenehm an: Sie gewinnen Geld; ohne dafür Leistung erbringen zu müssen, man lässt sein »Geld für sich arbeiten«. Was häufig verges¬sen wird, ist die andere Seite, die Verschuldung: Jede Mark, die jemand als Zinsgewinn verbuchen kann, muss ein anderer als Verschuldung regis¬trieren. Dabei wachsen Vermögen und Schulden jeweils um den gleichen Betrag. Wenn jemand viel Geld besitzt. hat er hohe Zinsgewinne und kann entsprechend mehr Geld anlegen. womit sein Zinsertrag im nächsten Jahr noch größer ausfällt. Auf der anderen Seite steigt die Verschuldung der breiten Bevölkerung, welche für die Zinslasten von Staat. Wirtschaft und privaten Krediten aufkommen muss. Es entsteht ein Umverteilungseffekt von der Bevölkerung hin zu wenigen Superreichen.

Am Bespiel Deutschland ist seit 1960 eine deutliche Beschleunigung in der Entwicklung des Gesamtgeldvermögens und der gesamten auf Grund des Zinseszinsmechanismus zu erkennen. Dieses Wachstum der Vermögen und Schulden vollzieht sich unabhängig von der realen Wirtschaftsleistung. Auch die Inflation ändert nichts an diesem Verlauf, da der Inflationssatz jeweils auf den Zins aufgeschlagen wird und damit den Gläubiger vor Wertverlusten schützt. In solch einem explodierenden System wird es für die Schuldner zunehmend schwieriger, ihre Kredite zu bedienen, und die Probleme werden immer schneller immer größer. Weil auch die Unternehmer immer höhere Zinslasten zu tragen haben, muss an anderer Stelle gespart werden - Arbeitskräfte werden »freigesetzt«, wie es so schön heißt. Genauso, geht es dem Staat: Musste 1950 nicht einmal ein Prozent des deutschen Bundeshaushaltes für den Schuldendienst aufgewendet werden, sind es heute schon 30 Prozent. Eine Schuldenkrise ist damit in jedem Land nur eine Frage der Zeit. Die Entwicklung der Staatsverschuldung verdeutlicht den Ernst der Lage.

Dabei liegt das Problem nicht bei der Verschwendungssucht einzelner Politiker oder der Anspruchshaltung in der Bevölkerung, sondern die Schulden müssen im gleichen Umfang zunehmen, wie sich die Geldvermögen durch die Zinseszinsrechnung vervielfachen; egal wie viel an anderer Stelle gespart wird. Es handelt sich hier um einen richtigen Verschuldungszwang, nicht für den einzelnen, sondern für die Volkswirtschaft im Ganzen. Das System kann dabei nur so lange überhaupt laufen; wie zunehmend Schulden gemacht werden, und wenn die Kreditaufnahme der Unternehmen nicht ausreicht, dann muß der Staat einspringen und den Schuldenüberhang aufnehmen.

Würde niemand mehr Schulden machen, so müsste der Zinssatz auf null Prozent da den wachsenden Geldvermögen keine Nachfrage nach gleich hohen Krediten mehr gegenübersteht. Bei null Prozent Zins wird jedoch Geld überhaupt nicht mehr zur Verfügung gestellt, sondern es zieht sich aus dem Wirtschaftskreislauf zurück. Es entsteht eine Deflation, die in einer Wirtschaftskrise endet. Deflation bedeutet, dass sich die für den Waren- und Dienstleistungsaustausch verfügbare umlaufende Geldmenge verringert und in der Folge die Preise verfallen. Je stärker die Preise fallen, desto stärker sinken auch die Umsätze der Firmen, weil potenzielle Kunden ihre Käufe in die Zukunft verschieben, in der Hoffnung. a11es werde noch billiger. Die Betriebe sind im weiteren Verlauf zu Entlassungen oder zur Firmenaufgabe gezwungen. Durch den steilen Anstieg der Arbeitslosigkeit nimmt die Kaufkraft der Bevölkerung noch weiter ab, und damit sinken wiederum die Umsätze der Unternehmen. Eine Pleitewelle ist die unmittelbare Folge, die ihrerseits die Banken unter Druck bringt, da es immer mehr Kreditausfälle gibt. Damit besteht die Gefahr' dass die Menschen all ihre Bankeinlagen und Ersparnisse in einer Bankenpleite verlieren. Sinkende Vermögen zwingen allerdings die Bevölkerung zu weiteren Konsumbeschränkungen, was wieder die Umsätze der Unternehmen schmälert und der deflatorischen Abwärtsspirale neuen Schwung verleiht. Besonders wer verschuldet ist, gerät in der Krise schnell in eine ausweglose Situation.



 


Geld und Finanzkrisen: Eine Welt aus Papier

28.05.2011
von Nikolaus Jilch (Die Presse)


Kaum jemand sucht im Geldsystem den Grund für Finanzkrisen. Dabei ist die Beweislast erdrückend. Immerhin erschaffen Zentralbanken Euro, Dollar, Yen und Pfund, soviel sie wollen.


Die Finanzkrise war den Menschen eine Lehre. Im Nachhinein wissen viele Bescheid über die Gründe für das Fiasko. Dass Banken Kredite vergeben haben an Personen, die sie nie zurückzahlen können, weil sie über kein Vermögen und kaum Einkommen verfügen. Und dass sie diese Kredite in Pakete verpackt und als „sicheres“ Investment weiterverkauft haben. Das Platzen dieser Kreditblase, so die allgemeine Meinung, hat die Krise ausgelöst. Aber kaum jemand fragt, was diese Kreditblase erst ermöglicht hat. Kaum jemand fragt nach dem Geldsystem.

Man stelle sich vor, ein Beamter klopft eines Tages bei der fiktiven Familie Schmidt aus Graz an. Er hat ein unglaubliches Angebot für die Schmidts: Sie dürfen von nun an selbst Euro-Noten drucken. So viele, wie sie wollen. Noch besser: Sie bekommen das Monopol auf die Euro-Herstellung. Die Familie kann ihr Glück kaum fassen und nimmt ihre neue Notenpresse dankend entgegen. Wie werden die Grazer mit ihrem Privileg umgehen? Zuerst sehr behutsam. Sie werden ihre Schulden bezahlen und ein paar Dinge kaufen, die sie sich vorher nicht leisten können. Aber sehr bald wird das Privileg den Familienmitgliedern zu Kopf steigen, sie werden die Notenpresse immer öfter einsetzen, um auch ihre Verwandten und Freunde mit frisch gedruckten Euro-Noten zu versorgen. Irgendwann gibt es kein Halten mehr: dann wird jede Ausgabe – und sei sie noch so unnötig – mit neuem Geld bestritten, das die Familie Schmidt praktisch aus dem Nichts geschaffen hat. Bald würden sich für die Schmidt-Euros keine Abnehmer mehr finden, weil jeder weiß, dass die Schmidts soviel Papiergeld drucken können, wie sie wollen. Das Geld wird wertlos.

„Es werde Geld.“ Nun ist es weit hergeholt, dass die Regierung dieses gewaltige Privileg irgendeiner Familie einräumen sollte. Das Geld-Monopol hat der Staat schon vor langer Zeit vergeben: an sich selbst. Die Republik Österreich hat es inzwischen wieder abgetreten: an die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt, die „Hüterin des Euro“. Die EZB stellt den Banken Zentralbankgeld oder auch „Basisgeld“ zur Verfügung. Das Bankensystem ist auf dieses Basisgeld zur Deckung des öffentlichen Bargeld- und Kreditbedarfs angewiesen.

Die EZB hat das Monopol zur Schaffung des Euro-Basisgeldes. Wie viel von diesem Geld erschaffen wird, entscheidet das Präsidium der EZB im Alleingang. Grenzen für diese Ausweitung der Geldmenge gibt es keine, die Zentralbank kann schaffen, so viel sie will. Willkommen in der Welt des ungedeckten Papiergeldes, auch Fiatgeld genannt. „Fiat“ ist lateinisch für „es werde“– wie bei „fiat lux“: Es werde Licht.

Auf deutsch ist das Zwangsgeld. Die Bürger haben keine Wahl: „Was der Staat befiehlt, ist Geld. So ist das heute“, sagt Guido Hülsmann, Professor an der Universität Anger in Frankreich. Bis vor 40 Jahren war dieses globale Geldsystem zumindest über Umwege noch an Gold gebunden, seit Jahrhunderten das Geld der Menschen. Warum Gold? Weil man es eben nicht so einfach vermehren kann. Und weil es – bis heute – überall auf der Welt als Zahlungsmittel akzeptiert wird. Aber 1971 haben die Vereinigten Staaten die Eintauschbarkeit des Dollars in Gold beendet, weil zu viel Gold aus dem Land geflossen ist. Seit dem gibt es nur noch Papiergeld. Ein einmaliger Zustand in der Geschichte. Euro, Dollar, Franken, Yen, Pfund: eine Welt aus Papier.

„Aber dieses Geld funktioniert nicht. Es ist kein stabiles System, das wir haben. Dieses ungedeckte Papiergeld ist wahrlich die Wurzel allen Übels. Aber das wird bisher von allen übersehen“, sagt Guido Hülsmann. Er ist Biograf von Ludwig von Mises, dem wichtigsten Geldtheoretiker der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, deren Professoren und Studenten seit mehr als hundert Jahren auf die Nachteile von ungedecktem Geld hinweisen.

Mises – ein einsamer Kämpfer. Mises kämpfte nach dem Ersten Weltkrieg persönlich als Regierungsbeamter gegen die Inflation in Österreich – am Ende vergeblich. Anfang der 20er-Jahre endete das Kriegsschuldendebakel in einer Hyperinflation – die Menschen hatten das Vertrauen in die Währung verloren, weil die Zentralbank immer mehr davon druckte. „Auch damals konnten die Menschen sich gar nicht vorstellen, wie schnell Geld am Ende seinen Wert verlieren kann“, erzählt Hülsmann.
Die großen Finanzblasen der vergangenen 40 Jahre– und ihr unvermeidlich böses Ende– sind im Grunde auf das ungedeckte und unbegrenzt vermehrbare Papiergeld zurückzuführen. Nach einem Crash senken die Zentralbanken die Zinsen, das frische Geld wird billiger – und feuert die nächste Blase an. Fiatgeld hat aber noch andere Folgen als nur Instabilität. Es ist eine der mächtigsten Umverteilungsmaschinen, die die Welt je gesehen hat. Denn dieses Geld wird von Zentralbanken im Zusammenspiel mit den großen Geschäftsbanken und den Regierungen in die Welt gesetzt. Diese Aufblähung der Geldmenge ist Inflation, steigende Preise ein Symptom davon. „Dieses System kommt wenigen Leuten zu Gute, die das Geld zuerst bekommen“, sagt Hülsmann. „Also den Bankern und Politikern.“ Denn diese Menschen gehen mit dem frisch gedruckten Geld zuerst einkaufen und bezahlen noch die „alten“ Preise. Erst wenn sie das Geld ausgeben, steigen die Preise, weil mehr Geld hinter denselben Waren her ist. Dieser Mechanismus beraubt die Masse ihrer Kaufkraft, weil die Löhne erst nach den Preisen steigen. „Fiatgeld ist ein wesentlicher Faktor, warum die Vermögensspanne in den letzten 40 Jahren so weit auseinandergegangen ist. Und die Inflation ist nichts anderes als eine versteckte Steuer“, sagt Hülsmann.

Systeme wie das aktuelle wurden immer wieder versucht – und sie sind immer wieder gescheitert. Meistens ging dieses Scheitern für das Volk mit einem großen Vermögensverlust einher. Zu den berühmtesten Beispielen zählen die Assignaten. Ein Papiergeld, das der Engländer John Law im Frankreich der Revolution ausgab – weil er die Herrschenden davon überzeugen konnte, dass sein es alle Probleme Frankreichs lösen könne. Das Experiment endete nach weniger als fünf Jahren in einer Hyperinflation, Law wurde aus dem Land gejagt. Ähnliches erlebten die Deutschen und Österreicher nach dem Ersten Weltkrieg. Der bleibende Eindruck der Hyperinflation in der Weimarer Republik ist ein Grund, warum die D-Mark immer eine relativ harte Währung war. Die Bundesbank ließ sich kaum zur Finanzierung von staatlichen Defiziten durch die Druckerpresse verleiten.

Unübersehbare Risse. „Die Loslösung des Geldsystems vom Gold war sicher die folgenreichste Entscheidung“, sagt Philipp Bagus, Assistenzprofessor an der König-Juan-Carlos-Uni in Madrid und Autor des Buches „Die Tragödie des Euro“, das im September auf Deutsch erscheinen wird. „Es gibt einfach keine Grenze des Geldmengenwachstums – wir sind völlig vom Willen der Regierenden abhängig.“ Bagus, Hülsmann und viele andere Ökonomen der Österreichischen Schule warnen seit 2008 immer wieder, dass die „Rettungspakete“ und „Bailouts“, die in der westlichen Welt derzeit geschnürt werden, irgendwann in der Hyperinflation enden könnten – weil auch sie aus frisch gedrucktem Geld bestehen.

„Ein Großteil der Staatsschulden wird durch Gelddrucken finanziert – mit Umweg über das Bankensystem“, sagt Bagus. Vor allem eine neue Krise wäre gefährlich, weil sie die Zentralbanken veranlassen könnte, alle Hemmungen beim Gelddrucken fallen zu lassen. Der 1973 verstorbene Ludwig von Mises schrieb in seinem Hauptwerk „Human Action“: „Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur, ob die Krise durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems.“ Von einer freiwilligen Aufgabe der Kreditexpansion ist Mitte 2011 nichts zu sehen. Im Gegenteil.

Die Risse im globalen Währungsspiel sind nicht zu übersehen. Die Dominanz des Dollars geht zu Ende, und das US-Geld läuft Gefahr, seine Rolle als Weltleitwährung zu verlieren. China, Russland, Indien und Brasilien lassen kaum eine Gelegenheit aus, um ihren Unmut über die Gelddruckpolitik der Amerikaner kundzutun – und kaufen Gold für ihre Reserven.

Die Europäer haben dank der Euro-Krise ihre eigenen Probleme, als Dollar-Alternative ist der Euro im Moment abgemeldet. In der westlichen Welt gibt es nur einen bekannten Politiker, der die Zentralbanken abschaffen und den klassischen Goldstandard wieder einführen will: den republikanischen US-Abgeordneten Ron Paul. Er hat kürzlich angekündigt, 2012 gegen Präsident Barack Obama antreten zu wollen. Rückendeckung für Paul kommt ausgerechnet aus Zimbabwe, wo von 2004 bis 2009 die letzte Hyperinflation stattfand. Damals druckte die Zentralbank sogar Banknoten mit einem „Wert“ von einer Milliarde Zimbabwe-Dollar.

Geholfen hat es nichts, auch diese Scheine waren schnell wertlos. Nun scheint die Zentralbank gelernt zu haben. Ihr Präsident Gideon Gono sagte Mitte Mai: „Wir müssen jetzt ernsthaft darüber nachdenken, den Goldstandard wieder einzuführen.“ Begründung: Die Tage des US-Dollar und des aktuellen Geldsystems seien gezählt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2011)



Hans Werner Sinn

 


"Den Pakt für den Euro können sich die Politiker sonstwo hinstecken!"
340 Milliarden Euro: Europas geheimer Schuldenberg

Der Schuldenberg Europas ist laut dem Ökonomen Hans-Werner Sinn viel größer als bekannt und Griechenland de facto bereits pleite. Die Schulden vieler Euro-Staaten sind wesentlich höher als bisher bekannt

Den Pakt für den Euro können sich die Politiker sonstwo hinstecken." Mit drastischen Worten hat Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo), bei einem Vortrag in Wien auf Einladung der Hypo NÖ auf die akute Zerbrechlichkeit der Eurozone hingewiesen. "Der Euro ist gefährdet und in der Krise." Der Euro-Rettungsschirm rette den Euro nicht. "Die Gefahr geht über das hinaus, was die Öffentlichkeit weiß." Denn die Schulden vieler Staaten seien noch wesentlich höher als bisher bekannt. Grund seien die sogenannten "Target"-Kredite.

Das sind Gelder, die die Europäische Zentralbank (EZB) insbesondere in Zeiten der Kreditklemme an die einzelnen Nationalbanken in der Eurozone vergeben hat, um den Geldkreislauf in Schwung zu halten. Diese machten zuletzt in Summe rund 455 Milliarden Euro aus. Der Löwenanteil - 340 Milliarden Euro - ging an die wackligen Euroländer Portugal, Irland, Griechenland und Spanien (PIGS).

"Das war das erste heimliche Rettungspaket", sagt Sinn. Diese Gelder müssten zu den bekannten Forderungen und Haftungen hinzu gezählt werden, womit die Staatsschulden deutlich zulegen. In Griechenland etwa um 40 Milliarden Euro auf mehr als 180 Milliarden Euro und in Irland um 150 auf rund 250 Milliarden Euro. Damit steigen aber auch die Haftungen und Kredite zur Euro-Rettung auf insgesamt 1480 Milliarden Euro. Die Hauptlast trage Deutschland mit 373 Milliarden Euro, Österreich davon rund ein Zehntel.


Transferunion

Ein Schuldenberg, den Europa Ökonom Sinn zufolge nicht mehr lange wird stemmen können. "Jetzt gibt es eine offizielle Rettungsaktion, man wirft neues Geld dem alten hinterher." Das Problem werde dadurch aber immer größer, die Folge: "Der Zusammenbruch des Euro oder eine Transferunion." Das heißt, die bessergestellten Staaten zahlen für die PIGS-Länder. "Das wird uns zahlende Länder nicht freuen, daher ist das unwahrscheinlich", meint der Experte.

Auch ein Austritt aus dem Euro mit anschließender Abwertung sei für ein Schuldenstaat wie Griechenland nur auf den ersten Blick attraktiv. "Dann wären alle griechischen Banken über Nacht tot." Die von der Politik favorisierte Lösung, 20 bis 30 Prozent geringere Löhne, werde nicht zu schaffen sein. "Das führt an den Rand eines Bürgerkrieges."
Pessimistischer Ausblick: Hans-Werner Sinn sieht den Euro gefährdet. Für Sinn gibt es nur einen Ausweg: den Geldhahn mittels Umschuldung sanft zudrehen. Die Kreditgeber müssten auf 20 bis 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten, für den übrigen Teil gebe es von der EZB zum Großteil besicherte Ersatzanleihen. Europas Banken wären von einer solchen Aktion kaum betroffen. 95 Prozent der Papiere seien nicht in ihren Händen, sondern im Besitz vor allem institutioneller Anleger und anderer Staaten. Eine Umschuldung würde aber das Problem der Wettbewerbsfähigkeit des betroffenen Landes nicht lösen, mahnt Sinn umfassende Reformen ein. Die Griechen hätten über ihre Verhältnisse gelebt.

Ein Staatskonkurs sei ein Ereignis, mit dem man in Europa rechnen müsse. Insbesondere in Griechenland stehen die Zeichen weiter auf Sturm. "Eigentlich ist das Land seit April 2010 pleite", sagt Sinn. Die Pleite sei nur durch Konkursverschleppung verhindert worden.

Politik

Die Probleme in der Eurozone würden nun die negative Meinung der Stammtische bei der Einführung der Währung bestätigen, bedauert der Deutsche. Er fürchtet bei künftigen Wahlen ein Erstarken antieuropäischer Parteien wie unlängst in Finnland.

Die Ideen des Volkswirtes werden vom heimischen Finanzministerium nicht direkt bewertet. "Die EZB ist unabhängig. Wir kommentieren daher ihre Politik nicht", sagt Sprecher Harald Waiglein. Generell müsse gesagt werden, dass der Euro-Rettungsschirm ohne Alternative sei. Würde die Währungsunion zerbrechen, wäre das ein unheimlicher wirtschaftlicher Schaden, gerade auch für Österreich.

Schuldenstaaten: Die Hilfsmaßnahmen und der Rettungsplan

Neben den Target-Krediten von 340 Mrd. Euro hat die EZB Staatsanleihen im Wert von 77 Mrd. Euro gekauft. Für Griechenland gab es Direktkredite von 80 Mrd. Euro plus 30 Mrd. Euro vom Währungsfonds (IWF). Im Rahmen des Rettungsschirms gibt es Garantien der Euro-Länder von 440 Mrd. Euro., die durch EU-Kredite über 60 Mrd. Euro und IWF-Darlehen von bis zu 250 Mrd. Euro ergänzt werden.

Hans-Werner Sinn: Der 63-jährige studierte Volkswirt leitet nach mehreren Professuren in Kanada und Europa seit 1999 das Münchner ifo-Institut.


 

 


Einige Grafiken zur weiteren Information!

 

 

 

 

 


 

 



Chronologie der größten Finanzkrisen:

1929 Börsenkrach – Zusammenbruch der amerikanischen Börse beendet abrupt die goldenen Zwanziger

Der Crash von 1929 gilt als der Vater aller Börsenkräche: Selten hat ein Ereignis an den Finanzmärkten so lange nachgewirkt. Er mündete in eine Rezession, der jahrelang die Weltwirtschaft lähmte. In Deutschland beförderte die Krise sogar den Aufstieg der Nazis.

1873 Österreich-Ungarn Das abrupte Ende der Gründerzeit

Der Gründung des Deutschen Reiches folgte in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine nie zuvor gesehene Welle von Unternehmensgründungen. Vom Investitionsfieber gepackt, ging jegliches Maß verloren.

1866 - Schwarzer Freitag

Der Ausfall einer wichtigen Bank in London führte 1866 zu einer wichtigen Veränderung in der Rolle der Zentralbanken bezüglich der Verwaltung von Finanzkrisen. Overend & Gurney war eine Bank, die Geld für Handels- und Geschäftsbanken in London verwaltete, dem damals wichtigsten weltweiten Finanzplatz. Als sie im Mai 1866 Konkurs anmeldete, folgten ihr viele kleinere Banken. Daraufhin wurde die Bank of England als Zentralbank gestärkt, was sich bereits während der Baring-Krise von 1890 bemerkbar machte. Auch schon im Jahre 1745 hatte London einen "schwarzen Freitag" zu verzeichnen.

1789 Frankreich - Die 30 Mädchen von Genf

20. Februar 2008 Die Französische Revolution von 1789 besaß mehrere Ursachen, die nicht allesamt ökonomischer Natur waren. Einer der Gründe für die Unruhe im Lande, die schließlich zur Revolution führte, war jedoch die verzweifelte Lage der französischen Staatsfinanzen.

1720 Aufstieg und Fall von John Laws Finanzsystem

Als der Sonnenkönig Ludwig XIV. im Jahre 1715 starb, drohte Frankreich der Bankrott. Der Schotte John Law versprach Rettung und kreierte eine wilde Aktienspekulation.

1637 Niederlande: Eine Blumenzwiebel für 87.000 Euro

Im 17. Jahrhundert wälzte sich Holland im Tulpenfieberwahn. Jeder wollte mit der Pflanze Geld verdienen. Selbst Dummheit schadete nicht, solange sich ein größerer Dummkopf fand, der das Gewächs teurer abkaufte. Die Preise stiegen in abenteuerliche Höhen - bis die Blase platzte.

 


 

 



"Die Wenigen, die das System verstehen, werden dermaßen an seinen Profiten interessiert oder so abhängig von seinen Vorzügen sein, dass aus ihren Reihen niemals eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, geistig unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne je Verdacht zu schöpfen, dass das System gegen sie arbeitet.
Gebrüder Rothschild, London,am 28.Juni 1863 an US-Geschäftspartner

"Eigentlich ist es gut, dass die Menschen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution vor morgen früh.“
Henry Ford, 1863-1947

"Es gibt zwei Wege, ein Land zu erobern und zu unterwerfen: durch das Schwert oder durch Schulden."
John Adams Präsident der USA (1797-1801)

"Falls das amerikanische Volk jemals die Kontrolle über die Herausgabe ihrer Währung auf Banken übertragen sollte, werden diese und die Firmen, die sich um sie bilden, unter dem Einsatz von Inflation und Deflation, dem Volk solange ihr Eigentum wegnehmen, bis die Kinder obdachlos auf dem Kontinent, den ihre Väter einst in Besitz nahmen, aufwachen. Die Herausgabe von Geld soll von den Banken weggenommen werden, und zurück auf den Kongress und das Volk übertragen werden. Ich glaube aufrichtig, dass Banken, mit dem Recht Geld herauszugeben, gefährlicher für die individuellen Freiheitsrechte sind als eine stehende Armee."
Thomas Jefferson, 3. Präsident der USA (1801-1809)