Gelsenbekämpfung
Klosterneuburg verzichtet auf "chemische Keule"!


"Gäbe es eine ökologisch unbedenkliches Mittel gegen Gelsen, wir würden es einsetzen. Nur ….. leider es gibt sie nicht", nimmt Klosterneuburgs Umweltstadtrat Mag. Sepp Wimmer zur aktuellen Gelsenproblematik Stellung. Leider ist auch der in Tulln eingesetzte Bacillusthuringiensis (B.t.i.), das sind Mikroben die giftige Eiweiße produzieren – so genannte « B.t.i.-Toxine» - welche dann im Darm der Mückenlarven aktiviert werden und dessen Darmwand durchlöchern, wodurch die Larven innerhalb kürzester Zeit sterben, nicht völlig unbedenklich. Die umweltrelevanten Auswirkungen des B.t.i, insbesondere auf die Nahrungskette sind noch nicht restlos geklärt und deren Anwendung ist z:b. im Nationalpark Donauen daher nicht erlaubt. Dazu aus einer diesbezüglichen Studie:

„Aus fachlichen Gründen des Naturschutzes ist ein Einsatz von Bti bzw. Bs. Präperaten in Naturschutzgebieten der gemäßigten Klimazone …. nicht zu rechtfertigen.

Auch die Anwendung außerhalb von Naturschutzgebieten mag lokal zu einer kurzfristigen Linderung der Belästigung führen, ist aber in seiner längerfristigen Auswirkungen auf das Ökosystem gänzlich unbekannt.“

Was neben der ökologischen Problematik gegen die aktuelle Anwendung von B.t.i. spricht ist dass sie ja nicht gegen die Gelsen helfen, sondern gegen deren Larven. Aber wenn man die Gelsenlarven in den Wassertümpeln der Donau-Au mit B.t.i. bekämpft und dann kommt wieder Hochwasser, so schwemmt dies wieder alles weg und die ganze B.t.i. Bekämpfung war leider nur eine teure Steuergeldverschwendung. (Kosten für Klosterneuburg wären ca. 40.000 - 50.000 € jährlich.)

Abschließend verweist Umweltstadtrat Mag. Sepp Wimmer auf die immer häufigeren Umweltbelastungen, Immunerkrankungen, etc. welche viele sicher auch mit noch nicht geklärten Einflüßen auf die ökologischen Umweltkreisläufe insbesondere in den Nahrungsketten zusammen hängen. Es ist daher vernünftiger sich ein, zwei Wochen mit dieser Gelsen Plage abzufinden, als wieder eine neue chemische Keule freisetzen, mit deren Wirkungen vielleicht dann unsere Kinder konfrontiert sind.

Zum Medienbericht


Gelsenbekämpfung ökologisch?
Die Gelsen sind da! Wer einen lauschigen Grillabend mit Freunden plant, sollte gegen die Gelsenplage gerüstet sein. Mit einfachen Hausmitteln kann man sich effektiv vor einem Insekten-Angriff schützen. Und wenn man schon gestochen wurde, sind es meist die einfachsten Mittel die gegen Juckreiz und Schwellung helfen.

Gelsen wachsen im Wasser
Besonders viele Gelsen gibt es dort, wo stehendes Wasser in der Nähe ist - denn das brauchen die Tiere für ihre Entwicklung. Doch auch im heimischen Garten oder auf dem Balkon ist man vor den Quälgeistern nicht sicher.

Hausmittelchen
Mit diesen Tricks können Sie den Blutsaugern die Lust am Stechen nehmen. Beliebt sind so genannte Repellents, die, auf die Haut geschmiert, den Stechmücken den Appetit verderben sollen. Aber auch mit diversen Hausmitteln kann man sich gegen Gelsen rüsten. Knoblauch ist in jedem Haushalt zu finden, und soll den den Blutsaugern den Appetit verderben. Aber auch Katzenminze kann Gelsen nach Beobachtung amerikanischer Chemiker vertreiben. Ätherische Öle - wie Zitronendüfte, Sandelholz, Eukalyptus, Minze, Zimt oder Anis - zeigen auch eine Abwehrwirkung, allerdings sind sie nicht dazu gedacht, sie unverdünnt auf die Haut zu schmieren.

Mit Gerüchen gegen Insekten
Wespen mögen den Geruch von Zitronen und Gewürznelken nicht - wer damit seinen Tisch dekoriert wird in Ruhe essen können. Mit diesen Mitteln lassen sich auch gleichzeitig die gefürchteten Hornissen abwehren. Von klassischen Wespenfallen sollte man die Finger lassen - dadurch werden nur noch mehr angelockt. Mücken kann man mit Lavendel und Zitronengras abwehren, Duftkerzen mit diesen Gerüchen verhelfen zu einem störungsfreien Abend. Fliegen mögen den Geruch von Brennnessel nicht und auch eine Basilikumpflanze schützt vor einem Angriff der Tiere.

Insektengitter
Um zumindest Innenräume Insektenfrei zu halten sollte vor dem Fenster ein Insektengitter angebracht werden. Außerdem empfiehlt es sich erst dann die Fenster zu öffnen wenn es drinnen absolut dunkel ist - die kleinste Lichtquelle lockt die Tiere an.

Was tun nach einem Insektenstich?
Das einfachste Mittel ist bei fast allen Insektenstichen das effektivste: Geben Sie Spucke auf den Einstich. Der Speichel neutralisiert das Gift und desinfiziert gleichzeitig. Rasche Hilfe versprechen auch eine aufgeschnittene Zwiebel oder Kartoffel. Wer von einer Biene gestochen wurde sollte auf jeden Fall den Stachel entfernen, kalte Kompressen sind das einfachste Mittel gegen Schwellung und Juckreiz. Ein altes Hausmittel bei Insektenstichen ist außerdem Spitzwegerich- zerquetschter Spitzwegerich hilft gegen das Anschwellen und den Schmerz.

 

 

Chemische Produkte: Wenig überzeugende Testresultate

Doch meist bleibt es bei dem Versprechen, schreibt das Verbrauchermagazin KONSUMENT das gemeinsam mit der deutschen Stiftung Warentest zehn derartige Produkte genauer unter die Lupe genommen hat. Das Fazit ist ernüchternd: Rund die Hälfte erfüllt ihre Aufgaben nicht, einige enthalten sogar bedenkliche Inhaltsstoffe.

Im Detail mussten 5 Lotionen mit dem Urteil „nicht zufriedenstellend“ bewertet werden. Vor allem jene, die auf ätherischen Ölen basieren – im Test waren es vier – erwiesen sich als unwirksam. Gleichzeitig sind diese Naturprodukte manchmal nicht so harmlos wie gemeinhin angenommen. Zum einen riechen die meisten dieser Produkte nicht nur unangenehm, kritisiert das Magazin, sondern können gelegentlich auch Hautreizungen auslösen.
Noch unangenehmer ein Gelsenmittel namens „Wilmas Nordic Summer“ auf, das auf Birkenholzteer basiert: Nach Angaben der Tester eignet sich dieses zwar besser zur Gelsenabwehr als anderen, gleichzeitig enthält es jedoch mit Naphtalin und Phenol zwei Substanzen, die bei Medizinern als Krebs erregend und die auf der Verpackung nicht deklariert sind.

Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen
Von den 10 getesteten Anti-Gelsenmitteln überzeugen konnten die Tester schließlich nur 3 Produkte. Dazu gehört zum einen „Anti Brumm forte“, das bezüglich der Wirksamkeit zwar ein „sehr gut“ erhielt, bezüglich des Inhaltsstoffes DEET allerdings mit einem Warnhinweis versehen wurde. DEET kann nämlich Hautreizungen und Störungen des Nervensystems verursachen. Als gesundheitlich weniger bedenklich, aber wirkungsmäßig dennoch effektiv - wird hingegen „Autan Acitve Lotion“ klassifiziert. Dessen Inhaltsstoff Bayrepel führt nach Angaben von KONSUMENT nur in seltenen Fällen zu Hautirritationen. Für Säuglinge und Kleinkinder, warnen die Tester, sind beide Mittel aufgrund der problematischen Inhaltsstoffe, nicht geeignet. Auch Erwachsene sollten sich damit nicht großflächig und zu häufig einschmieren. Keine gesundheitlichen Bedenken melden die Tester hingegen bezüglich der Produktes „Flystop Stichfrei Spray Lotion“ an, das bezüglich der Wirksamkeit mit einem „gut“ bewertet wurde.

 

 


Eine Welt ohne Gelsen!

Für uns Menschen sind die Stechmücken lästig, vor allem die weiblichen. Während die männlichen Gelsen Vegetarier sind, ernähren sich die Weibchen von Blut. Dabei werden in Überseegebieten auch Krankheiten wie die Malaria oder das Gelbfieber übertragen. Wäre es daher nicht einfacher, diese Plagegeister überhaupt auszurotten?

Nun, neben diesen unleugbaren Vorteilen gäe es aber auch gravierende Nachteile. In einer Welt ohne Stechmücken, würden einmal viele Pflanzenarten, die durch sie bestäubt werden gefährdet. So würde etwa die Kakaopflanze und hunderte weitere Pflanzenarten aussterben.

Weiters schätzen Wissenschaftler, dass die Anzahl der Zugvögel, die sich unter anderem von den Stechmücken ernähren, um mehr als die Hälfte sinken würde. In der Camargue in Südfrankreich hat man die Auswirkungen eines Ökosystems mit weniger Stechmücken empirisch untersucht. Eine der Folgen war, dass die betroffenen Vögel im Schnitt zwei anstelle von drei Eier im Nest hatten.

Besondere Folgen hätte eine mückenfreie Welt vor allem aber unter Wasser: Ihre Larven sind einerseits eine der wichtigsten Nahrungsquelle vieler Tiere (Vögel, Fledermäuse, Fische, Frösche, etc. Und was viele nicht wissen, dadurch, dass die Larven der Gelsen auch zahlreiche Mikropartikel fressen, halten sie auch die Gewässer rein. So wären ohne die Larven z.B. die Gewässer der Lobau nicht nutzbar, weil sie zu verschmutzt wären.

So ist es für Wissenschaftler ganz klar, dass in einem funktionierenden Ökosystem immer alles eine Rolle spielt, "ob es den Menschen nun passt oder nicht!" "Auch die Gelsen und Wanzen gehören zu dem Ganzen!"

Quelle: DER STANDARD, 29.Juli 2010