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Gender
Budgeting in Klosterneuburg
Vor
eineinhalb Jahren war aktive Frauenpolitik in Klosterneuburg noch
kein Thema.
Durch das Mitwirken der Grünen in der Stadtregierung
wurde aber auch in diese Richtung neue Akzente gesetzt: mit der Begründung
eines Frauenreferates und der Bestellung einer Frauenstadträtin.
Erste Erfolge stellten sich durch die Veranstaltungsreihe „Women
in the City“ ein. Verschiedene Lesungen (in Kooperation mit
der Literaturgesellschaft), eine Benefizgala für die Beratungsstelle
Klosterneuburg, eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion sorgten
in den letzten Monaten immer wieder für Gesprächsstoff.
Nun wurde seitens der Frauenstadträtin Martina Enzmann der nächste
Schritt gesetzt: ein Gender Budgeting Projekt in Klosterneuburg.Eine
geschlechtergerechte Budgetgestaltung ist ein Mittel zur Verbesserung
der Chancengleichheit von Frauen und Männern. Es sind ein Einführungsvortrag
und drei Workshops geplant, um das Interesse und die Aufmerksamkeit
auf dieses sensible Thema zu lenken. Die Projektleitung liegt in Händen
der Universitätslektorin für Frauenforschung, Dr. Marion
Breiter, als Referentin wurde Dr. Elisabeth Klatzer, Gendermainstreaming-
Beauftragte im Bundeskanzleramt gewonnen. Finanziert wird das Projekt
mit 4000 Euro über die Österreichische Gesellschaft für
Politische Bildung.
Sehr erfreut ist Stadträtin Enzmann über die Unterstützung
durch die Stadtgemeinde: „War vor wenigen Monaten noch kein
Ansatz zu aktiver Frauenpolitik gegeben, zeigt sich nun seitens der
Verwaltung aber insbesondere seitens des Bürgermeisters großes
Interesse an diesem Projekt.“ Es werden nicht nur die Räumlichkeiten
zur Verfügung gestellt sondern auch wichtige Beamte seitens der
Stadt in die Workshops entsandt, wie etwa die Leiterin des Sozialreferates,
die Leiterin des Schulreferates und der Kontrollamtsdirektor.„Durch
diese enge Kooperation mit der Stadtverwaltung ist die Chance gegeben,
dass dieses Projekt positiv und nachhaltig auf künftige budgetpolitische
Maßnahmen der Stadt einwirkt“, ist Stadträtin Enzmann
optimistisch.
Einführungsvortrag:
Was ist Gender Budgeting?
23.11. 2007, 18 Uhr,
Rathaus Klosterneuburg,
2. Stock, Großer Sitzungssaal,
1.Workshop:
(Einführung
in die Methodik, Beispiele und Erarbeitung von konkreten Ansätzen)
24. 11. 2007,13 bis 17 Uhr,
Rathaus Klosterneuburg,
Aula-Saal
2.
Workshop:
(Erfahrungsaustausch
über erste Ergebnisse, Supervison durch Expertin)
16. 3. 2007, 13 bis 17 Uhr,
Rathaus Klosterneuburg, Aula-Saal
3. Workshop:
(Evaluierung
der Ergebnisse)
11. 5. 2007, 13 bis 17 Uhr
Rathaus Klosterneuburg, Aula-Saal
Die Endergebnisse, des durch das Institut Sofia wissenschaftlich
begleiteten Projektes, soll Ende September stattfinden.
Rückfragen und Anmeldungen für die Workshops
(unbedingt erforderlich):
Stadträtin
Martina Enzmann, Tel. 0664/3400 017, martina.enzmann@gruene.at
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Gender
Budgeting in Österreich
und in der Europäischen Union
Für eine gerechte Beteiligung von Frauen und Männern an
allen finanziellen und materiellen Ressourcen des Staates ist es notwendig,
geschlechtsspezifische Budgetanalysen durchzuführen. Solche Analysen
werden in vielen Ländern , z.B. in Australien, in den Ländern
des Nordic Council, in der Schweiz (http://www.frauenrat-bs.ch/) bereits
seit Jahren durchgeführt und stehen in Zusammenhang mit weltweiten
frauenpolitischen Bestrebungen, Transparenz in die Verwendung von öffentlichen
Mitteln durch und für Frauen und Männer zu bringen.
Dahinter steht die Idee, Staatsausgaben und Staatseinnahmen geschlechtsspezifisch
aufzuschlüsseln und die Auswirkungen budgetpolitischer Maßnahmen
auf die unbezahlte, vor allem von Frauen verrichtete Arbeit zu untersuchen.
Folgende Gründe werden von ExpertInnen für die Notwendigkeit
von geschlechtsspezifischen Budgetanalysen genannt:
• Die Gleichstellungspolitik hat bezüglich der Gesetzgebung
in vielen Ländern viel erreicht. Vielfach fehlen zur Umsetzung aber
noch die ökonomischen Ressourcen.
• Geschlechtsspezifische Budgets sind ein Teil des Gender Mainstreaming.
Die systematische Berücksichtigung der Chancengleichheit der Geschlechter
in sämtlichen politischen Konzepten und Maßnahmen umfasst auch
eine auf Chancengleichheit gerichtete Budgetpolitik.
• Die geschlechtsspezifische Budgetanalyse erhöht die Transparenz
ökonomischer Entscheidungen. Gleichstellungspolitisch relevante Daten
als Entscheidungsgrundlage werden zugänglich gemacht.
• Die ökonomische Bedeutung der unbezahlten Arbeit, das Aufziehen
von Kindern und die Betreuung und Pflege von Erwachsenen wird in budgetäre
Planungen einbezogen.
In Österreich wurden in dem für Budgetpolitik zuständigen
Finanzministerium im vergangenem Jahr Konzepte und Projektvorschläge
ausgearbeitet, die u.a. eine Analyse zum Thema "Ist das österreichische
Steuersystem tatsächlich geschlechtsneutral?" enthielten. Ausgangspunkt
der Analyse war das Einkommensteuergesetz, das die rechtliche Grundlage
der Einkommens- und Lohnbesteuerung bildet. Das Gesetz ist geschlechtsneutral
formuliert, wie die Analyse gezeigt hat, wirken sich beide Steuern im
Endeffekt jedoch auf die Geschlechter unterschiedlich aus. Die Ergebnisse
wurden anlässlich der Forum Finanz Veranstaltung im BMF am 2. Juli
2002 zu "Gender Mainstreaming im Bundesministerium für Finanzen
- Umsetzung der Strategie zur Erreichung der Gleichstellung von Frauen
und Männern" präsentiert. Weitere Informationen zur Veranstaltung
finden Sie auf der IMAG GM Website unter den BMF-Projekten.
Europäischen Union
"If you want to see which way a country is headed, look at the country's
budget and how it allocates resources for women and children." Pregs
Govender, South African MP
Mit diesen Worten erklärt der Afrikanische Premierminister Govender
bereits die Quintessenz hinter dem Wort Gender Budgeting, nämlich
die Möglichkeit durch Steuerung und Kontrolle der staatlichen Aufwendungen
für Männer und Frauen den Stand der Umsetzung einer Gleichstellungspolitik
sichtbar zu machen und zu beeinflussen. Nachdem diese Strategie zuerst
in Australien 1984 eingesetzt wurde, begann Südafrika 1995 gender
budgeting als Regierungskonzept zu übernehmen (siehe dazu auch den
Beitrag von E. Klatzer).
Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bekannten sich durch
Unterzeichnen des Amsterdamer Vertrages mit 1. Mai 1999 zur Frauen- und
Gleichstellungspolitik. Als überwachendes Organ wurde im Herbst 1999
die Kommissarsgruppe "Chancengleichheit" eingesetzt, bestehend
aus vier ständigen und zahlreichen zusätzlichen Kommissionsmitgliedern
unter dem Vorsitz von Präsident Prodi.
Da in den darauffolgenden Jahren kaum sichtbare Schritte zur Erreichung
der de facto Gleichstellung in den EU-Mitgliedsländern unternommen
wurden, wurde auf einer unter belgischer Präsidentschaft abgehaltenen
Konferenz zu "Gender responsive budgeting" im Oktober 2001 seitens
der EK beschlossen, diese Strategie innerhalb der Union zur nachhaltigen
Erreichung der Gleichstellung von Männern und Frauen einzusetzen.
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