Biowärme - Teichgartencalvario!
Jahrhundertumbau des Stifts ist auch ein umweltpolitisches Vorzeigeprojekt!

 


So soll nach dem Umbau die Aussengestaltung aussehen
(Blick aus Richtung Essl-Museum)

Noch kennt sie kaum jemand, die steinernen Riesen des italienischen Barock-Bildhauers Lorenzo Mattielli. Doch nach Beendigung des größten Stiftsumbaus seit Jahrhunderten wird der Haupteingang zum Stift durch den „Saal der Riesen“ führen. Nach dreihundert Jahren wird erstmals (und dies ganz im Sinne der damaligen Architekten) das Hauptportal des Stifts in Richtung Wien zeigen.

Doch dieser „Jahrhundertumbau“ ist nicht nur architektonisch, sondern auch aus umweltpolitischer Sicht bemerkenswert. Die barocken Teile des Stifts werden derzeit noch mit dreißig Kachelöfen beheizt. Der Binderstadel, ein beliebter Veranstaltungsort, ist überhaupt nur benützbar, wenn die riesigen eisernen Öfen Tage vor der Veranstaltung angeheizt werden. Die anderen Trakte des weit verzweigten Stiftsareals verfügen über mehr als 20 verschiedene Zentralheizungen. Sie sind zum Teil nach dem Zweiten Weltkrieg installiert worden und sind sanierungs– und erneuerungsbedürftig. Ein Großteil davon wird mit Öl befeuert.

Dies alles und der Umstand, dass das Stift durch seinen Forstbetrieb über große Ressourcen an Biomasse (Holzreste, Rinde, Hackschnitzel) verfügt, hat die Verantwortlichen dazu veranlasst eine ökologisch und ökonomisch weitsichtige Entscheidung zu treffen.

Auf einem unterirdisch gelegenen Areal soll eine Biowärme-Anlage mit einer Leistung von 3,1 Megawatt gebaut werden. Mit modernsten Einrichtungen wie Rauchgaskondensationsanlage soll der gesamte Schadstoffausstoß um 90% reduziert werden. Für die Ausfallsreserve ist ein Öl-Brennkessel mit 2 Megawatt Heizleistung geplant. Der Ölanteil am Energieverbrauch soll aber künftig weniger als 3% betragen. Dadurch sollen die Energiekosten überschaubar bleiben. Die Investition für die Biowärme-Anlage soll sich in nur 20 Jahren amortisiert haben.

Die gesamte Anlage ist aber so ausgerichtet, dass die Wärmeerzeugung ohne größere Probleme ausgeweitet und auch anderen Verbrauchern angeboten werden kann. Die Stadtgemeinde hat nun mit der geplanten Anbindung des Freizeitzentrums Happyland (ohnehin ein energietechnisches „Problemkind“) an die Biomasseanlage des Stifts einen ersten Schritt gesetzt. Dass natürlich auch andere städtische Gebäude, Betriebe (Babenbergerhalle, Rathaus, Krankenhaus) oder Schulen diese umweltfreundliche Energie nutzen sollten, hat die BGU schon vor mehr als einem Jahr in einem Dringlichkeitsantrag im Gemeinderat (Sitzung vom 29.6.2001) gefordert. Es wurde versichert, dass die Stadtgemeinde alle Möglichkeiten einer umfassenden Kooperation prüfen wird. Wir werden ganz genau darauf achten, wie stark dieses Engagement der Stadt sein wird. Schließlich ist Klosterneuburg eine Klimabündnisgemeinde, die sich zur Einsparung der CO2-Emissionen bekannt hat.
STR Mag. Sepp Wimmer

P.S: Hoffen wir, dass dieses Engagement glaubwürdiger ist, als das öffentliche Bekenntnis als Klimabündnis-
gemeinde. Obwohl seit zwei Jahren Mitglied, hat es die Stadt noch immer nicht geschafft, an den Ortseinfahrten „Klimabündnistafeln“ zur Bürgerinformation anzubringen. Was für andere Klimabündnisgemeinden eine Selbstverständlichkeit ist, ist für Klosterneuburg ein Problem.

 

 

 

 

 

 

 

1. Was versteht man unter "Biomasse (Bioenergieträger)"?

Bioenergieträger gibt es in vielfältiger Form. Zu den Festbrennstoffen gehören u.a.: Holz und Holzreste aus der Durchforstung, der Waldpflege und dem Einschlag, aus Sägewerken oder aus Recyclingholz, Energieholz, d.h. speziell angebaute, schnellwachsende Baumarten wie Pappeln und Weiden, landwirtschaftl. Reststoffe (Stroh), Speziell angebaute Energiepflanzen auf Stilllegungsflächen. Bei den flüssigen Bioenergieträgern, die z.B. als Treibstoff dienen können, sind von Bedeutung: Zucker- und Stärkepflanzen zur Umwandlung in Ethanol, ölhaltige Pflanzen wie Raps und Sonnenblumen zur Produktion von Pflanzenöl. Als gasförmiger Bioenergieträger ist zu nennen: Biogas, das aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle durch eine mikrobielle Umsetzung ("Vergärung") gebildet wird.

2. Welche Vorteile bietet die Biomasse?

Sie ist erneuerbar, d.h. bei sinnvoller, umsichtiger Nutzung können die verbrauchten Mengen von der Natur immer "nachgeliefert" werden. Sie ist weitgehend CO2 - neutral, d.h. sie trägt nicht zum Treibhauseffekt bei. (Beim Verrotten der Biomasse im Wald oder Deponie entsteht die gleiche Menge CO2 wie bei der Verbrennung) Sie speichert Sonnenenergie, d.h. die Energie steht dann zur Nutzung zur Verfügung, wenn sie benötigt wird. Sie steht in fester, flüssiger und gasförmiger Form zur Verfügung und kann daher in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt werden.