Ehemalige Synagoge:
Gedenktafel enthüllt!


Seit 8. November erinnert nun ein Gedenkstein an die ehemalige Synagoge und an die vertriebene jüdische Gemeinde Klosterneuburgs. Eine Versöhnung – mit der Stadtgeschichte. Ein Sieg der Vernunft über die Parteigrenzen hinweg.


Präsentation der Gedenktafel im Klosterneuburger Stadtmuseum:
LH Pröll, BGU-GRin Enzmann, Leon Zelman, Bgm. Schuh ( v.l.n.r.)

 

Von GR Martina Enzmann

Es war ein besonderer Tag für Klosterneuburg: 100 ältere Damen und Herren fanden sich am 17. Oktober im Stadtmuseum ein. Überlebende des Holocausts, sowie Nachfahren von zwischen 1938 und 1945 vertriebenen Juden, Gäste des Jewish Welcome Service, der sich unter der Leitung von Leon Zelman zur Aufgabe gemacht hat, diese vom Schicksal schwer gebeutelten Menschen in ihre ehemalige Heimat einzuladen, ihnen das heutige Österreich zu präsentieren, ein Land, das gelernt hat mit seiner Geschichte umzugehen.

Landeshauptmann Erwin Pröll hielt die Festrede, in der er vehement gegen Rassismus und Fremdenhass eintrat und aktive Toleranz gegenüber Andersgläubigen forderte. Sein emotionaler Auftritt, er sprach erstmals vor aus Österreich vertriebenen Juden, wurde von der Zuhörerschaft mit viel Applaus bedacht.

Ebenso viel Anerkennung erhielt auch die Stadt Klosterneuburg: Die von der BGU seit zwei Jahren geforderte Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge wurde von Bürgermeister Gottfried Schuh und BGU-Gemeinderätin Martina Enzmann präsentiert.

Zwei Jahre Kampf, mehrere Gemeinderatsanträge, zahlreiche Medienberichte, unzählige Diskussionen voller positiver wie auch negativer Emotionen sind nun vergessen. „Niemand darf den Mantel des Schweigens über die Verbrechen gegen die Menschlichkeit breiten“, betonte Schuh, der sich in den letzten Monaten gegen alle Widerstände sehr für die Realisierung der BGU-Initiative eingesetzt hatte.

1914 war der Tempel eingeweiht worden. Im Novemberpogrom 1938, der sogenannten „Reichskristallnacht“, war auch die Klosterneuburger Synagoge von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt worden. Nach dem Krieg diente das schwer beschädigte Gebäude der Post als Kabellager. Die Israelitische Kultusgemeinde verkaufte schließlich die Ruine - gegen den Willen der Stadtgemeinde - an eine Wohnbaugesellschaft.

Der Gedenkstein erinnert nicht nur an die ehemalige Synagoge sondern vor allem an die über 300 Mitglieder umfassende jüdische Gemeinde Klosterneuburgs. An über 300 Menschen, die ausgewandert sind, vertrieben oder ermordet wurden in der Nazi-Zeit. An über 300 Menschen, die aus unserer Stadt verschwunden sind.

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Abschließender Kommentar von STR Mag. Sepp Wimmer
Nun, kurz vor dem erfreulichen Abschluss der „Synagogen-Gedenktafel“-Diskussion hat uns das Schreiben eines 1979 geborenen Klosterneuburgers erreicht. Er gestand ganz offen, er hatte bis jetzt keine Ahnung davon, dass in dem Haus an der Ecke Medekstraße einstmals eine Synagoge war. Jetzt weiß er es!
Das wollten wir von der BGU erreichen. Dass für kommende Generationen Klosterneuburg nicht nur ein angenehmer Platz zum Leben ist, sondern dass man sich der Geschichte und der Vergangenheit dieser Stadt bewusst wird. Bewusst wird, um zukünftig bei ähnlichen Entwicklungen hellhöriger, sensibler zu sein. Das heißt nicht, dass es diese Hellhörigen in Klosterneuburg nicht gab. Es gab sie, wie die Widerstandsgruppe um den Chorherrn Roman Scholz. Aber es waren zu wenige.
Erinnerung ist auch immer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Und umso mehr Menschen sich damit auseinandersetzen, umso weniger besteht die Gefahr, dass Ähnliches wieder passiert. Dies aus Sorge um die MitbewohnerInnen, aber auch darum, dass mit dem Verlust dieser Menschen die Stadt wieder viel an „Wissenskapital“ verlieren könnte.

 

 

 

 

 

 

 

Die Klosterneuburger Synagoge

Knapp vor dem Ersten Weltkrieg wurde das jüdische Bethaus der 1892 gegründeten Kultusgemeinde Tulln/Klosterneuburg vom Architekten Jakob Schwarz erbaut und im August 1914 eingeweiht. Das Jugendstilgebäude an der Kierlinger Straße/Medekstraße bestach durch seine Fassade und seinen schöne Runderker. Durch das Novemberpogrom 1938 (siehe Bilder, Quelle DÖW) schwer beschädigt, wurde die Synagoge nach dem Krieg von der Post als Kabellager verwendet. Der jahrelange Verfall machte eine Erhaltung des Gebäudes unfinanzierbar. 1975 wurde das desolate Gebäude aus der Liste von Schutzobjekten des Bundesdenkmalamtes gestrichen. Trotz aller Bemühungen der Stadtgemeinde veräußerte der Eigentümer, die Jüdische Kultusgemeinde, die ehemalige Synagoge an eine Wohnbaugesellschaft. Der Abbruch erfolgte 1992.

 

Medekstraße
Medekstraße 1938


Medekstraße 1938 - zerstörte Synogoge