|
Ehemalige
Synagoge:
|
|
|
Von GR Martina Enzmann Es war ein besonderer Tag für Klosterneuburg: 100 ältere Damen und Herren fanden sich am 17. Oktober im Stadtmuseum ein. Überlebende des Holocausts, sowie Nachfahren von zwischen 1938 und 1945 vertriebenen Juden, Gäste des Jewish Welcome Service, der sich unter der Leitung von Leon Zelman zur Aufgabe gemacht hat, diese vom Schicksal schwer gebeutelten Menschen in ihre ehemalige Heimat einzuladen, ihnen das heutige Österreich zu präsentieren, ein Land, das gelernt hat mit seiner Geschichte umzugehen. Landeshauptmann Erwin Pröll hielt die Festrede, in der er vehement gegen Rassismus und Fremdenhass eintrat und aktive Toleranz gegenüber Andersgläubigen forderte. Sein emotionaler Auftritt, er sprach erstmals vor aus Österreich vertriebenen Juden, wurde von der Zuhörerschaft mit viel Applaus bedacht. Ebenso viel Anerkennung erhielt auch die Stadt Klosterneuburg: Die von der BGU seit zwei Jahren geforderte Gedenktafel an der ehemaligen Synagoge wurde von Bürgermeister Gottfried Schuh und BGU-Gemeinderätin Martina Enzmann präsentiert. Zwei Jahre Kampf, mehrere Gemeinderatsanträge, zahlreiche Medienberichte, unzählige Diskussionen voller positiver wie auch negativer Emotionen sind nun vergessen. „Niemand darf den Mantel des Schweigens über die Verbrechen gegen die Menschlichkeit breiten“, betonte Schuh, der sich in den letzten Monaten gegen alle Widerstände sehr für die Realisierung der BGU-Initiative eingesetzt hatte. 1914 war der Tempel eingeweiht worden. Im Novemberpogrom 1938, der sogenannten „Reichskristallnacht“, war auch die Klosterneuburger Synagoge von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt worden. Nach dem Krieg diente das schwer beschädigte Gebäude der Post als Kabellager. Die Israelitische Kultusgemeinde verkaufte schließlich die Ruine - gegen den Willen der Stadtgemeinde - an eine Wohnbaugesellschaft. Der Gedenkstein erinnert nicht nur an die ehemalige Synagoge sondern vor allem an die über 300 Mitglieder umfassende jüdische Gemeinde Klosterneuburgs. An über 300 Menschen, die ausgewandert sind, vertrieben oder ermordet wurden in der Nazi-Zeit. An über 300 Menschen, die aus unserer Stadt verschwunden sind. ***** Abschließender
Kommentar von STR Mag. Sepp Wimmer |
|
|
Die Klosterneuburger Synagoge Knapp vor dem Ersten Weltkrieg wurde das jüdische Bethaus der 1892 gegründeten Kultusgemeinde Tulln/Klosterneuburg vom Architekten Jakob Schwarz erbaut und im August 1914 eingeweiht. Das Jugendstilgebäude an der Kierlinger Straße/Medekstraße bestach durch seine Fassade und seinen schöne Runderker. Durch das Novemberpogrom 1938 (siehe Bilder, Quelle DÖW) schwer beschädigt, wurde die Synagoge nach dem Krieg von der Post als Kabellager verwendet. Der jahrelange Verfall machte eine Erhaltung des Gebäudes unfinanzierbar. 1975 wurde das desolate Gebäude aus der Liste von Schutzobjekten des Bundesdenkmalamtes gestrichen. Trotz aller Bemühungen der Stadtgemeinde veräußerte der Eigentümer, die Jüdische Kultusgemeinde, die ehemalige Synagoge an eine Wohnbaugesellschaft. Der Abbruch erfolgte 1992.
|