Martinstunnel -
die ungünstigste Verkehrslösung
für Klosterneuburg

 

 

 

Der Martinstunnel ist weder verkehrspolitisch bzw. wirtschaftlich sinnvoll noch ökologisch und sozial verträglich. Nachfolgend einige Aspekte:

73 Mio. Euro an öffentlichen Mitteln sollen dafür aufgewendet werden, dass der Klosterneuburger Stadtplatz umfahren und um ca. 10.000 Autos entlastet wird. Mit diesem Betrag könnte man jedem Autofahrer, der den Stadtplatz entlastet 30 Jahre lang kostenlos eine Jahresnetzkarte zur Verfügung stellen!

Trotz Tunnel bleibt der Stadtplatz dann mit ca. 12.000 Autos belastet. Das entspricht zurzeit dem Autoverkehrsaufkommen auf der Weidlingerstraße zwischen Agnesstraße und B 14. Dort ist es erst vor kurzem möglich gewesen einen Fußgängerübergang zu errichten, obwohl dieser jahrelang von der Bevölkerung gefordert wurde. Bmst. Schuh und Verkehrsstadtrat Preisl wollen uns weismachen, dass der Stadtplatz dann eine verkehrsberuhigte Zone wird!

Das Verkehrsaufkommen Richtung Wien auf der B14 ist rückläufig, offensichtlich bedingt durch die Parkraumbewirtschaftung in Wien (Kurzparkzonen) innerhalb des Gürtels. Staubedingte Fahrzeitverzögerungen bleiben in den Morgen- und Abendspitzen maximal im 6 - 8 Minutenbereich; Durchschnitt 3 - 5 Minuten (Untersuchungen im November, Dezember 2001 und Februar 2002), im Sommer mit Bäderverkehr etwa 8 - 12 Minuten. Von durch Unfälle bedingten Staus blieben auch die Umfahrungsstraße und der Martinstunnel nicht verschont. KlosterneuburgerInnen, die umweltfreundlich den öffentlichen Verkehr benützen, müssen immer mit Umsteigezeiten und Verspätungen von 6 - 8 Minuten rechnen! Der Stau ist kein Klosterneuburger Verkehrsproblem sondern ein Problem im Kopf der Klosterneuburger AutofahrerInnen. Bei Fahrzeitverzögerungen von 5 - 8 Minuten den Schrei nach einer 73 Mio. Euro teuren Umfahrung auszulösen ist vermessen und anmaßend. Und dann noch zu glauben, dass alle Verkehrsprobleme in Klosterneuburg mit der Umfahrung gelöst sind, ist mehr als naiv.

Das eigentliche Verkehrsproblem in Klosterneuburg ist der Martinstunnel. Das Warten auf Tunnel und Umfahrung ist das Kennzeichen der Klosterneuburger Verkehrspolitik der letzten 12 Jahre. Überfällig ist der Umbau des Stadtplatzes. Trotz 22.000 Autos pro Tag ist eine einkaufs- und fußgängerfreundliche Gestaltung durchaus möglich (z.B. erste Stunde im Parkdeck ist kostenfrei), wie das Beispiel Niedermarkt (Bereich Veit - Buchhandlung Winter) zeigt. Ebenso hätte schon längst das Industriegebiet eine bahnschrankenfreie Anbindung erhalten müssen.

Martinstunnel zieht Verkehr an: Die günstigere Durchfahrt durch Klosterneuburg bewirkt für Autopendler und den LKW-Verkehr aus dem Tullnerfeld (enorme Bautätigkeit, noch sehr große Baulandreserven, noch günstiger Grundpreis) ein Ansteigen des KFZ-Verkehrs in Maria Gugging um 30% und in Kierling um 25% (siehe Artikel S.14 v. Dr. Wonka).

Martinstunnel fördert nicht den notwendigen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel. Die enorme Bautätigkeit und die vorhandenen Baulandreserven in Klosterneuburg führen natürlich auch zu noch mehr Autoverkehr innerhalb Klosterneuburgs. Die günstige Autoverbindung nach Wien macht den öffentl. Verkehr, besonders für Gugginger und Kierlinger, nicht attraktiver.

Martinstunnel fördert weiteren Käuferschwund: Mit dem Bau der Umfahrung werden die Geldbörsen der KlosterneuburgerInnen an der Stadt und am Stadtplatz vorbeigeführt. Den kurzen Einkaufstopp der Autopendler, die am Nachmittag von Wien kommend am Stadtplatz halt machen, den wird es dann kaum mehr geben, denn die Umfahrungsstraße ist so geplant, dass es von Wien kommend keine Abfahrt zum Stadtplatz gibt.

Wertverlust für Immobilien entlang der Umfahrungsstraße: Nach Schätzungen von Prof. Knoflacher wird der Wertverlust für Immobilien etwa 610 Mio. Euro betragen. Besonders betroffen ist die Martinstraße, bei der es zu einer völligen Neubelastung durch den Autoverkehr der Umfahrungsstraße kommt (Schallausbreitung zu höhergelegenen Gebieten ist besonders stark)!

Radtourismus wird Klosterneuburg meiden! Durch den Bau der Umfahrungsstraße muss der internationale Radweg verlegt werden. Nicht nur, dass der Radweg in die Tunnelabgasfahne gerät, wird er dann neben der Umfahrungsstraße geführt werden. Das bis jetzt ruhige Stück des Radweges in der Au ist damit entwertet. Vermehrt werden die Radtouristen ausweichen und ab Greifenstein Richtung Wien den linksseitigen Ast des Donauradweges, über die Donauinsel benützen. Ein wichtiges Standbein des Klosterneuburger Fremdenverkehrs wird Verluste hinnehmen müssen.

Vermehrter Schadstoffausstoß und Benzinverbrauch: Durch die Umwegfahrten (der Weg nach Wien verlängert sich von Gugging bzw. von Kierling kommend um 2 km, hin und retour um 4 km) nimmt der Schadstoffausstoß und der Benzinverbrauch in Klosterneuburg zu. Die tägliche Verkehrsbelastung der B14, Höhe Elisabethgasse (Lackfabrik), ist zurzeit 16.000 Autos. Wenn davon 10.000 den Tunnel benützen, werden täglich 40.000 km pro Tag mehr gefahren.

Durch den Martinstunnel wird es 14,64 Mio. km mehr Autofahrten pro Jahr in Klosterneuburg geben. Einer Schadstoffentlastung des Stadtplatzes durch weniger Autos und weniger Stau steht eine gewaltige Mehrbelastung der Gesamtbevölkerung und eine dauernde Begasung der Bevölkerung bei den Tunnel-Ein- und Ausfahrten bzw. des Naherholungsgebietes gegenüber.

Entwertung des Naherholungsgebietes der Au: Durch die Umfahrungsstraße wird das stadtnahe Erholungsgebiet entwertet und mit Schadstoffen und Lärm beträchtlich belastet (siehe vorher). Auch das Naherholungsgebiet Schwarze Au (für viele Menschen das kleine Glück im Schrebergarten) wird entwertet.

Der Durchstich muss verlegt werden! Der Durchstich wird zwischen Waisenhaus (ehem. Kloster St. Jakob, Inführplatz) und Kierlinger Bahnhof in einer Länge von etwa 1,9 km Richtung Au verlegt werden müssen.

Kreisverkehr von 75 m Durchmesser in der Au und damit im Hochwasserabflussgebiet! Gewaltige Dimensionen hat auch der Kreisverkehr unterhalb des Waisenhauses. Das Nordportal des Martinstunnels liegt hier etwa 8 m unter dem Durchstich (Hochwasserabflussgebiet). Die FJB überbrückt dann die aus dem Tunnel kommende Umfahrungsstraße. Von oben kommend mündet hier in einer wilden Stelzenbrückenkonstruktion in Form einer doppelten S-Schleife die LH118 von Kritzendorf kommend, die Martinstraße überbrückend, in den Kreisverkehr ein.

Einer Verkehrsentlastung von 1300 KlosterneuburgerInnen steht eine Neu- bzw. vermehrte Belastung von über 3000 KlosterneuburgerInnen gegenüber. Nach einer Untersuchung von Dr. Wonka aufgrund der Daten der Statistik Austria, steht einer Entlastung der Bevölkerung am Stadtplatz, Niedermarkt, Hölzlgasse, Albrechtstraße, B14 zwischen Stadtplatz und Elisabethgasse eine völlige Neubelastung der Bevölkerung in der Martinstraße und der Donaustraße sowie eine vermehrte Belastung der Bevölkerung entlang der B14 zwischen Gugging und dem Süd-Portal des Martinstunnel gegenüber.

Spaltung der Klosterneuburger Bevölkerung: Mit dem Martinstunnel wird eine tiefe Kluft in der Klosterneuburger Bevölkerung aufgerissen. Nutznießer sind ein kleiner Teil der KlosterneuburgerInnen, während die BewohnerInnen von Gugging, Kierling, Höflein, Kritzendorf, Weidling, Weidlingbach, Sachsenviertel und Martinsviertel wenig bis gar nichts vom 73 Mio. Euro teuren Projekt haben. Ohne wirklich auf die Argumente der von Tunnel und Umfahrung betroffenen Bevölkerung einzugehen und ohne sich überhaupt über das Projekt genau zu informieren, wird in unverantwortlicher Weise fleißig, sogar mit Unterschriftenlisten, die Werbetrommel für dieses unsinnige Verkehrsprojekt gerührt.