Gefahrloses Weidlingbach:
Keine Chance für Raser

Im Februar wurde die BGU von den immer stärker werdenden Verkehrsproblemen in Weidlingbach in Kenntnis gesetzt: Rücksichtloses Fahrverhalten, sinnlose Raserei lassen die AnrainerInnen des schmalen Tales nicht nur verzweifeln, sondern stellen ein großes Gefahrenpotential - vor allem für die Kinder - dar.

Ökostrom - Steigen Sie um!

GR Martina Enzmann

Die erfreuliche Nachricht zuerst: Durch die intensive Berichterstattung in den lokalen Medien und die verstärkte Präsenz der Gendarmerie nehmen immer mehr Autofahrer den Fuß vom Gaspedal und tragen somit zu einer etwas entspannteren Verkehrssituation in Weidlingbach bei.

Zur Vorgeschichte: Die Steinrieglstraße wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einer beliebten Raserstrecke. Am meisten betroffen sind die AnrainerInnen an der einzigen langen Geraden durch das schmale und kurvenreiche Tal, also von Hausnummer 108 bis 122. Riskante Überholmanöver bei rasantem Tempo führen immer wieder zu gefährlichen Situationen besonders zu Hauptverkehrszeiten in der Früh und am Abend. Verschärft wird die Lage noch durch den Umstand, dass es keine Gehsteige gibt. „Man muss sehr oft rasch auf die Seite springen, um nicht überfahren zu werden“, erklärt eine Anrainerin. „Besonders arg ist es, wenn man mit Kindern das Haus verlässt. Da ist die Angst am größten, dass etwas passiert.“

Wenig beruhigend für Eltern auch die Situation bei den Bushaltestellen. Die meisten befinden sich ohne Einbuchtung schlecht gekennzeichnet direkt an der Straße - und besonders für Ortsfremde - kaum erkennbar.

„Für die Schulkinder eine mehr als gefährliche Angelegenheit, und in einem schneereichen Winter müssen sie überhaupt auf der Straße stehend auf den Bus warten“, erklärt eine Mutter.

Großen Unmut bei den BewohnerInnen lösen auch durchfahrende LKWs aus. Die dicken Brummer, schwer beladen, oft mit Anhängern, scheinen - auch wenn sie sich an die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h halten - viel zu rasant auf der engen Straße unterwegs zu sein.

Traurige Berühmtheit erlangte das Weidlingbachtal und der Exelberg auch durch besonders dumme Motorradfahrer, die die kurvenreiche Strecke für ihre illegalen Rennen als idealen Austragungsort auserkoren haben und via Internet auch noch stolz die hohen Durchfahrtsgeschwindigkeiten verbreiten. Abgesehen von der Gefährdung aller anderen StraßenbenützerInnen entsteht durch die Motorräder auch eine relativ hohe Lärmbelästigung.

All diese Kritikpunkte sollten von den Verantwortlichen mehr als ernst genommen werden. In den letzten Jahren sind viele junge Familien in die idyllische Katastralgemeinde von Klosterneuburg zugezogen. Ihre Forderungen lauten:

Gehsteige,

Absicherung der Bushaltestellen,

Kennzeichnung des Morgenbusses als Schulbus,

Überholverbot (ausgenommen natürlich von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen),

verstärkte Überwachung durch die Exekutive,

eine Radaranlage,

die Demontage des Ende 50 km/h-Verkehrszeichen am Ortsanfang von Weidlingbach,

mehrmals den Hinweis auf die 50 km/h-Beschränkung, zum Beispiel mit aufgemalten Verkehrszeichen auf der Straße,

Aufstellen von Hinweistafeln „Vorsicht Kinder“.

Mit all diesen Sorgen und Nöten der Weidlingbacher hat die BGU Bezirksgendarmeriekommandant Major Herbert Rogl und Bezirkshauptmann Mag. Wolfgang Straub konfrontiert.

Major Rogl: „Die Überwachung des Fließverkehrs in Weidlingbach wird laufend vom zuständigen Gendarmerieposten Weidling betrieben. Schwerpunktmäßige Aktionen, der verstärkte Einsatz der Bezirksverkehrsstreife sollen die Sicherheit im Ort anheben. Auch die neueste technische Errungenschaft kommt immer öfter zum Einsatz: eine mobile Radarüberwachung, die im Gegensatz zu fix montierten Radaranlagen nicht als solche erkennbar ist und eben verhindert, dass die Autofahrer vor der Box abbremsen und danach erst recht wieder angasen. Eine fixe Radarbox hat auch noch den Nachteil, dass sie teuer ist und relativ schnell als “verbrannt“ gilt. Hingegen zeigen aber auch die Erfahrungen, dass sich fixe Radarboxen in kurzer Zeit amortisiert haben. Allerdings muss auch erwähnt sein, dass durch die Enge des Tales und die dadurch stärkere Geräuschkulisse oft nur der subjektive Eindruck einer Geschwindigkeitsübertretung entsteht. Und auch einige Weidlingbacher halten sich nicht immer an die Vorschriften.

Ein Überholverbot, zumindest an der langen Geraden im Ort, erscheint mir als sinnvoll. Weniger gut befinde ich das Aufstellen von zu vielen Hinweistafeln. Denn: Je mehr Tafeln, umso geringer die Wahrnehmung bei den AutofahrerInnen.

Schwellen zu bauen halte ich aufgrund der Umweltbelastung durch das Abbremsen, das Wieder-Anfahren und die dadurch erhöhte Schadstoffemission für nicht effektiv.“

Bezirkshauptmann Mag. Straub: „Die Sorge der Weidlingbacher vor allem um die Kinder ist mir mehr als verständlich. Ich habe mit der Verkehrsabteilung der Bezirkshauptmannschaft Wien-Umgebung deshalb eine Verkehrsverhandlung für 6. Juni anberaumt, bei der alle Wünsche der OrtsbewohnerInnen besprochen werden. Vor allem das Überholverbot und die Entfernung der 50km/h-Ende Tafel am Ortsbeginn scheinen mir eine wichtige Forderung der BürgerInnen. Um durchgehend Gehsteige zu errichten, ist das Weidlingbachtal an vielen Stellen zu schmal. Aufgrund dieser Enge muss auch geklärt werden, ob die vorhandene Straßenbreite für den Schwerverkehr zulässig ist.

Das Problem mit den rücksichtslosen Motorradfahrern versuchen wir gemeinsam mit der Exekutive der betroffenen Bezirke Wien, Wien-Umgebung und Tulln in den Griff zu bekommen. Sollten allerdings die Beschwerden der AnrainerInnen über Lärmbelästigung und überhöhte Geschwindigkeit der Biker nicht zurückgehen, dann überlege ich ernsthaft ein generelles Fahrverbot am Exelberg zu verhängen.

Was die Verkehrstechniker und die Vertreter der Stadtgemeinde auch feststellen, mein Angebot an die Weidlingbacher lautet: Wenn sie sich auf Maßnahmen einigen, die auch realisierbar sind, werde ich gerne weiter diskutieren und sie in ihren Anliegen unterstützen.

Deutlich verringert haben sich die Probleme mit Rasern in Kierling und Gugging: Durch das Aufstellen von zahlreichen Radarboxen entlang der B 14 ist den Gaspedaleros die Lust an Geschwindigkeit vergangen. Und das, obwohl sich die langgezogene, breit ausgeführte Straße viel eher zum zügigen Durchfahren eignen würde als jene durch Weidlingbach.

Eine Kombination aus fixer und mobiler Überwachung scheint für die 3,2 Kilometer lange Ortsdurchfahrt von Weidlingbach sinnvoll. Überlegenswert wäre auch eine generelle 50 km/h-Beschränkung ab der Kreuzung Steinrieglstraße/Weidlinger Straße.

Eine kontinuierliche Kontrolle von Seite der Exekutive, einige bauliche Maßnahmen seitens der Stadtgemeinde und die Aufstellung von ein bis zwei Radarboxen könnten das Lebensgefühl, aber vor allem die Sicherheit der Kinder im Ort wieder anheben.

 

 

 

 

 

 

 

 


Im malerischen Grün versteckt liegt dieseBushaltestelle:
Die Schulkinder müssen allerdings vom Fliessverkehr ungeschützt direkt auf der Strasse warten