Die Kunst des Verhinderns
Nie werde ich vergessen, wie wir von unserem Turnlehrer im Gymnasium "aufgeklärt" wurden, nämlich darüber, wie Profisport (manchmal?) funktioniert: Er meinte, wer Handball-Tormann werden wolle, solle sich auf folgende Begrüßung durch gegnerische Mannschaften gefasst machen: der erste Ball geht voll ins Gesicht, der zweite zwischen die Beine. Und wer sich davon einschüchtern lasse, hätte schon verloren.
Auch in der Formel 1 wurde und wird viel mit Ellbogen gearbeitet, Fair Play ist etwas für Hobbysportler, denn wo es um viel Geld und Ansehen geht, herrscht Krieg. So dürfte etwa der Begriff "Parc ferme" für die streng bewachten Garagen meines Erachtens aus jener "guten alten Zeit" stammen, in der man noch gerne dem Rivalen an die Bremsleitungen ging, wenn einen dieser durch zu starke Leistungen nervte. Denn" Mamas Liebling" kann schließlich alles, außer mit Anstand verlieren.
Einen weiteren erhellenden "Aufklärungsunterricht" bekam ich als Jurist in der Rechtsabteilung eines Sozialversicherungsträgers von einem arrivierten Kollegen, der zu den damals aufkommenden Regierungsplänen zur Zusammenlegung der Krankenkassen bei einem Mittagessen sinngemäß meinte: "Na die werden sich anschauen mit den geplanten Einsparungen, da werden nämlich alle dagegenarbeiten, die Angst um ihren Job haben, besonders die Programmierer, die eigene Programme für ihren Dienstgeber geschrieben haben und ständig weiterentwickeln. Die stehen einer raschen Umsetzung der einheitlichen Datenverarbeitung bestimmt sehr positiv gegenüber!" Daran musste ich erst kürzlich wieder denken, als in den Nachrichten kritisiert wurde, dass die Umstrukturierung der nunmehrigen Gesundheitskassen nicht die gewünschten Einsparungen gebracht hätte.
Aber warum sollte es bei den "kleinen Leuten" anders laufen als bei den großen Playern? Die Kunst des Verhinderns hat viele Gesichter. Wer rentable, aber leider fossile Kraftwerke betreibt, wird den Teufel tun und kampflos Leitungen für erneuerbare Energien bauen. Wenn schon was geplant werden muss, dann halt quer durchs historische Ortsgebiet, den Rest erledigen dann freundlicherweise aufgebrachte Bürgerinitiativen. Sollen doch die fertigen Windparks stillstehen und gegen Förderungen für nachhaltige Energie wurde ja nicht erst einmal erfolgreich lobbyiert, folglich Märkte und Investorenvertrauen erschüttert sowie Konkurrenz in den Ruin getrieben.
Da überlassen wir doch lieber den Chinesen die zukünftigen Wettbewerbsvorteile durch nahezu kostenlose (Produktions-)Energie, weil die Sonne und der Wind keine Rechnungen schicken und die immer bessere und günstigere Akkus bauen, um auch Nacht und Dunkelflauten zu überstehen. Und wer braucht noch teure Vorstandsposten bei den Energieversorgern, wenn jeder Haushalt seinen eigenen Strom erzeugt und über kurz oder lang energieautark wird? Geht gar nicht, da muss man sich vorbeugend auf die vermeintliche Gier der privaten PV-Betreiber:innen einschießen, um seinen Verlustängsten Luft zu machen.
Aber selbst an der Staatsspitze wurde schon traktiert und behindert, was der Grabenkampf hergab, wie sogar in einer eigenen Orf-Dokumentation ausführlich gezeigt: akribisch verschob die Präsidentschaftskanzlei die Termine des damals amtierenden Bundespräsidenten so, dass sie die Bemühungen eines Baumeisters und seines Wahlkampfteams um ein gemeinsames Foto mit dem Amtsinhaber erfolgreich zunichte machte. Denn das hätte dem ohnehin chancenlosen Kandidaten ein paar Prozentpunkte mehr an Stimmen bringen können, sapperlot! Als Steuerzahler fragt man sich, wie demokratiepolitisch wertvoll solche Aktionen sind, die den Beamtenapparat dermaßen beschäftigten, dass es locker für eine 50 minütige TV-Produktion reichte?
Geheimnisverrat kann ebenso zu heftigen Gegenreaktionen führen, wobei manchmal fraglich erscheint, ob es wirklich die Geheimhaltungsinteressen sind, die dadurch letztendlich geschützt werden sollen, oder einfach nur der weiterhin ungehinderte Machtmissbrauch. Ein international in die Schlagzeilen gekommener Aufdecker musste sich jahrelang in einer Botschaft verstecken, um nicht an seine rachsüchtigen sowie Gesetze vorsätzlich ignorierenden Gegner ausgeliefert und pädagogisch wertvoll watergeborded zu werden. Um seiner habhaft zu werden, wurde medienwirksam berichtet, er sei ein Vergewaltiger! Was freilich nicht (gleich) dazu gesagt wurde war, dass in Schweden einvernehmlich (!) ungeschützter Geschlechtsverkehr als Vergewaltigung behandelt wird, eine Schutzmaßnahme für Frauen, mit der Ausländer wohl nicht ohne weiteres rechnen werden. Das entsprechende Strafverfahren war auch sofort eingestellt, aber später aufgrund entsprechender Intervention aus dem Ausland wieder aufgenommen worden, da sich offenbar kein besserer Vorwand zur Verfolgung des Verräters fand.
Und da jetzt gerade wieder die Erdöl-produzierenden Länder die UN-Klimakonferrenz blockieren, weil sie verhindern wollen, dass ihr fossiles Milliardengeschäft zusammenbricht, und auch eitle Weltmachtführer sich darin gefallen, den Klimaschutz als lächerlich hinzustellen, ein genereller Warnhinweis:
Wenn man Gegner:innen einfach mal so ausschalten kann, indem man ihnen aus niedrigsten Motiven irgendetwas unterstellt und hofft, dass möglichst viele Wutbürger:innen die haltlosen Gerüchte weitertragen, dann führt das gesellschaftlich zu einer Täter-Opfer-Umkehr, und die Gauner haben leichtes Spiel, weil niemand bemerkt, wer hier wirklich das Problem ist.
Vom Mobbing in der Arbeitswelt im Kampf um gute Jobs, systematischer Unterstellung von Verbrechen, psychischen Störungen und charakterlichen Defiziten in totalitären Regimen, politischen Machtkämpfen und nicht zuletzt auch bei sexuellen Übergriffen, um die Glaubwürdigkeit von Opfern, Aufdeckern und Zeugen, aber auch Wissenschaftler:innen von vorneherein zu unterwandern, die den eigenen Interessen gefährlich werden könnten, reichen die Intrigen, mit denen Niederlagen und damit verbundene Verluste verhindert werden sollen. Alles vergleichbar mit dem "Forechecking" im Fußball, wo die Kunst der Verhinderung in der sogenannten "Blutgrätsche" ihre wahre Vollendung findet, die erfolgshungrige Nachwuchstrainer schon den jüngsten Sportler:innen mit auf den emphatiereduzierten Lebensweg geben, denn wir haben doch keine Siege zu verschenken!
Wenn wir nicht wollen, dass die Anständigen systematisch ins Abseits gedrängt werden, und die Korrupten Karriere machen, sollten wir sehr wachsam sein. Denn wer sich nicht an die Regeln hält, zB auch Minister:innen im Wahlkampf einen Amtsmissbrauch unterstellt, der dann blöderweise doch keiner war, der verdient keinen gut dotierten Spitzenjob, sondern genauso wie etwa Sportler, die des Dopings überführt werden, nur eines: die sofortige Disqualifikation!
Für den Inhalt der Kolumne alleine verantwortlich: Mag. iur. Peter M. Zimmeter/Anregungen, Gegenargumente sowie allfällige Beschwerden bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
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