Drohnen statt Autos?
Was vielleicht wie eine futuristische Spinnerei klingt, ist auf den aktuellen Kriegsschauplätzen der Welt längstens Realität: Drohnen haben Bodenfahrzeuge, konkret vor allem die Panzer, zuerst massiv angegriffen, reduziert und schließlich ersetzt. Grund genug einmal ergebnisoffen und abseits ideologischer Scheuklappen darüber nachzudenken, wie der Individualverkehr der Zukunft aussehen wird:
Kann sich noch jemand an die Firma Kodak erinnern? Das war ein etablierter Hersteller von Filmrollen für Fotoapparate. So wie auch andere Mitbewerber verschwand die Weltmarke quasi von heute auf morgen vom Markt, als die Kameras digital und schließlich von den Handys fast gänzlich verdrängt wurden. Manche kennen vielleicht noch das "Kodak-Theatre" in Los Angeles, wo die alljährlichen Oskarverleihungen stattfinden, das schließlich 2012 umbenannt wurde.
Aber nicht nur die Vormachtstellungen von Konzernen verändern sich. Viele junge Leute wollen heute kein Auto mehr, auch aus Kostengründen. Wirklich reiche Personen leisten sich einen Privatjet respektive Hubschrauber, weil Zeit bekanntlich Geld ist. Damit man im Stau wenigstens etwas arbeiten kann, werden autonome Fahrsysteme, vergleichbar dem Autopiloten in Verkehrsflugzeugen, implementiert und weiter entwickelt, auch um die Sicherheit zu erhöhen.
Besonders jene, die sich mit technischen Neuerungen beschäftigen, lesen ständig dass schon wieder revolutionäre Akkus entwickelt wurden, die doppelt so leistungsfähig respektive halb so schwer sind wie die bisherigen Modelle. Das gleiche gilt für elektrische Flugzeugmotoren, halbes Gewicht bei gleicher Leistung. Vor ein paar Jahren gelang die erste Umrundung der Erde in einem Elektroflugzeug. Meines Erachtens ist klar, wohin die Reise geht.
Wutbürger:innen, die mit der Behauptung gegen die Mobilitätswende wettern, es gäbe viel zu wenig Infrastruktur und auch kein Geld für deren Aufbau, übersehen vermutlich, dass dies eine Frage ist, die der freie Markt selbst reguliert. Denn sonst gäbe es heute wohl kaum ein weltweites Tankstellennetz, das mit dem Siegeszug der Verbrennermotoren schließlich ja auch erst einmal aus dem Boden gestampft werden musste, um den benötigten Treibstoff nicht weiterhin in der Apotheke zu den dort sprichwörtlichen Preisen kaufen zu müssen.
Wenn man Begriffe wie "Drohnen für Personentransport" und "fliegende Autos" in die Suchmaschine des persönlichen Vertrauens eingibt, erkennt man schnell, dass entsprechende Produkte bereits in den Startlöchern stehen. Allerdings verzögert sich die Entwicklung insbesonders auch aufgrund von rechtlichen Unsicherheiten. Denn noch konnte respektive wollte sich kein Gesetzgeber dazu durchringen, entsprechende Regeln, vergleichbar unserer Strassenverkehrsordnung, zu erlassen.
Auch wenn hier manche Lobbys ganz massiv auf der Bremse stehen werden, alleine die verstopften Straßen, sanierungsbedürftigen Brücken und nicht zuletzt die massiven gesundheitlichen Belastungen durch den Reifenabtrieb, den wir laut einer jüngst veröffentlichten und in dieser Kolumne bereits zitierten Studie des Fraunhofer-Institutes alle über die Atemluft und unser Essen tonnenweise zu uns nehmen, könnten ein Umdenken erzwingen. Und selbst wenn dies für den Personentransport vielleicht noch sehr früh ist, Amazon hat bereits vor Jahren angekündigt, Pakete in naher Zukunft per Drohnen zuzustellen.
Möglicherweise werden also unsere Nachfahren in ihrer Freizeit mit einem an James Bond erinnernden "Drohnenrucksack" über den Lobautunnel und die anschließende Autobahn fliegen und sich denken: diese Todsünde von fehlgeleiteten Betonierern darf jetzt meine Generation abbezahlen, ebenso wie den Rückbau zur Bodenentsiegelung?
Und wer geneigt ist, auf die Behauptung hereinzufallen, die ASFINAG würde das alles auf eigene Kosten finanzieren, sei darauf hingewiesen: Sie finanziert sich durch Abgaben der Autofahrer:innen, hat derzeit etwas 10 Milliarden Euro Schulden, für die der Staat voll haftet, gar nicht erst zu sprechen von den Österreich zukünftig treffenden Strafzahlungen für verabsäumte Massnahmen zur Reduktion von Emissionen sowie die Kosten des Stimmenkaufs Namens "Dieselprivileg".
Aus meiner Sicht wird die Mobilität der Zukunft elektrisch sein, dadurch konsequenterweise auch gleich in eine neue Dimension aufsteigen und, wenn man den Kaufpreis der privaten Verkehrsmittel als Sowieso-Kosten ausklammert, dank weiterem Ausbau der privaten Photovoltaik nahezu kostenlose Fortbewegung ermöglichen. Aus China wissen wir, wie sehr die Industrie von billiger Energie in Verbindung mit einer beeindruckenden Vorreiterrolle bei der (sauberen, effizienten und leisen) Elektromobilität profitiert. Aber die Grünen sind ja angeblich so naiv und tun nix für die Wirtschaft...
Für den Inhalt der Kolumne alleine verantwortlich: Mag. iur. Peter M. Zimmeter/Anregungen, Gegenargumente sowie allfällige Beschwerden bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
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