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Klima, Umwelt, Aktuelles

Russisches Klimaroulette auf lustig

Nach vielen ernsten Themen wird es wieder einmal Zeit für ein bisschen Humor. Die bei weitem lustigste Geschichte zum Thema "russisches Roulette" hat meines Erachtens Gernot Kulis als "Ö3 Callboy" geliefert, indem er einen niederösterreichischen Bauern anrief und ihm als "General Schrottov" mit russischem Akzent erklärte, die Raumstation "Mir"  würde am nächsten Morgen auf seinem Maisfeld abstürzen, 60 Meter vom Bauernhof entfernt, plus / minus 100 Meter Abweichung. Da sie 50 Tonnen schwer sei, solle er sicherheitshalber einen Helm aufsetzen. Der gestandene Landmann zweifelte daraufhin ebenso wortstark am Verstand der Verantwortlichen wie manche Bürger:innen, die beim Unterschriftensammeln am Infostand der Grünen von der geplanten Deponie im Wienerwald erfahren.

Beim russischen Roulette (jüngere Leser:innen bitte den Begriff selbständig googeln) wussten die stark alkoholisierten Adeligen nicht, ob sich beim Betätigen des Abzuges gerade eine Kugel im Lauf des Revolvers befand (und folglich der Fadesse im Schädel ein rasches Entweichen ermöglichte). Kein vernünftiger Mensch würde daher dieses aus der Mode gekommene Gesellschaftsspiel mitspielen, egal bei welcher Quote (1 Kugel in 6 Kammern oder sogar 5).

Lustig an diesem makabren Vergleich finde ich den Umstand, dass wir beim "russischen Klimaroulette" tatsächlich leidenschaftlich diskutieren und im Grunde zu erraten versuchen, ob es fatal enden wird oder nicht. Ob sich die vielen kleinen Wissenschaftler:innen weltweit nur wichtigmachen wollen mit ihren Warnungen vor der Klimakatastrophe, oder ob die großzügigerweise von der Öl- und Gasindustrie gesponserten Gutachten glaubwürdiger sind, wonach wir sämtliche fossilen Kraftwerke und Motoren getrost und (für sie) sehr gewinnbringend weiter verwenden können, weil sich klimatologisch eh alles im normalen Schwankungsbereich abspielt.

Witzig auch der Vorwurf eines ZiB2-Moderators an die sogenannten "Klimakleber", warum sie nicht einfach brav darauf vertrauen, dass die Regierungen die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts schaffen, wie versprochen. Witzig deshalb, weil heute in den Nachrichten gemeldet wurde, das wir laut Erdbeobachtungsprogramm Copernicus diese Grenze soeben überschritten haben dürften. (Blöd, wenn am Ende der Schonfrist noch "soviel Jahrhundert übrig" ist!)

"Sicherheitshalber nicht mitspielen"  bedeutet im Zusammenhang mit Klimaroulette nichts anderes als: langfristig auf nachhaltige Energie setzen, egal welche Einschätzung die richtige ist, dann sind wir jedenfalls auf der sicheren Seite, auch weil das enormes Sparpotential hat: Ich selbst habe knapp vor Beginn des Krieges in der Ukraine dementsprechende Investitionen getätigt und erspare mir nun circa EUR 2.000,- im Jahr an Stromkosten, da mein Haus mit Strom beheizt wurde. Amortisationszeit circa 10, Lebensdauer der meisten Komponenten zwischen 15 und 40 Jahren.

Das führt mich zum nächsten Thema. Ich persönlich habe nichts gegen die Deutschen, ich respektiere gute Fußballspieler, mag den bayrischen Dialekt und muss daher nicht reflexartig zu deren Gegnern halten, wenn sie internationale Turniere spielen. Viele Österreicher:innen werden es hingegen lustig finden, wenn die großen Nachbarn auf die Nase fallen, daher berichte ich nun, was ich vor ein paar Tagen herausfand:

Bis 2012 waren die Deutschen Weltmarktführer bei der Erzeugung von PV-Modulen. Und dann haben sie sich ein Eigentor allererster Güte geschossen, Stichwort "Altmaier-Delle": die damalige deutsche Regierung hielt es für eine gute Idee, die bewährte Förderung für nachhaltige Energie einfach mal so einzusparen, basierend auf (angeblich absurden) Kostenrechnungen. Dadurch wurde der freie Markt stark verunsichert und der Solarbranche beinahe schon der Todesstoß versetzt. Den Rest erledigen vermutlich demnächst die Chinesen, die in der Zwischenzeit den globalen Markt beherrschen und mit konkurrenzlos günstigen Modulen überschwemmen. Die österreichische Bundesregierung arbeitet aber beim Abwürgen der erneuerbaren Energien fleißig am Eigentor-Ausgleich, und zwar auf mehreren Ebenen, weil was die Deutschen können...!

Unter dem Stichwort: "faire Netzentgelte" sollen jetzt private Einspeiser ihren Beitrag zur Energiegewende leisten. Die Arbeiterkammer hat soeben verlautbart, dass sie das gut und gerecht findet (weil PV-Anlagen können sich eh nur die Reichen leisten?). Lustigerweise konnten deutsche Wissenschaftler:innen jetzt belegen, dass dies überhaupt nicht, wie behauptet, den Neuausbau finanzieren, sondern in Wahrheit die Gaskraftwerke zurück ins Spiel bringen soll, was die Strompreise für alle (!) ganz erheblich verteuern wird. Wieder einmal geht es um das Merit-Order-Prinzip, mit dem die Strompreiserhöhungen der letzten Jahre erklärt wurden. 

Während noch vor kurzem von der österreichischen OeMAG bis zu 50 Cent Einspeisetarif pro Kilowattstunde bezahlt wurden, sind wir derzeit bei circa 2 Cent, Tendenz fallend. Dementsprechend gehen jetzt natürlich die Investitionen in private PV-Anlagen zurück. Und mangels entsprechender Netzkapazitäten werden zusätzlich auch noch Spitzenerträge zu Mittag ebenso gekappt wie in Deutschland die Offshore-Windparks, wenn wirklich ordentlich Wind geht und jede Menge Strom zur Verfügung stünde. Dann müssen die stillstehen, weil die Netze nicht entsprechend dimensioniert sind. Die Ausfälle all dieser nachhaltigen, nach Errichtung der Anlagen fast gratis zur Verfügung stehenden Energiequellen hat zur Folge, dass etwa Gas- und Kohlekraftwerke einspringen müssen, die rücken also wieder auf. Und da sich, wie wir mittlerweile ja alle aus schmerzhafter Erfahrung wissen, der Strompreis aufgrund des Merit-Order-Prinzips nach dem teuersten Kraftwerk richtet, wird der Strompreis insgesamt teurer. Aber gerechterweise eh für alle - außer, wenn man es zu Ende denkt: die Reichen, die sich so viel Photovoltaik leisten können, dass sie eh (fast) energieautark sind.

Besonders witzig ist überdies, dass in Deutschland mittlerweile wenigstens bekannt ist, dass die zuständige Ministerin, die auch fleißig mit den (ihr zur Verfügung gestellten?) Zahlen tricksen dürfte, eine ehemalige Lobbyisten für Gaskraftwerke war und ihre gesamte Karriere bei großen Energiekonzernen gemacht hat (die sich bekanntlich seit Jahrzehnten massiv gegen den Netzausbau stemmen, indem sie etwa laut der ZDF Wissenschaftssendung "nano"  Freilandleitungen mitten durch Ortsgebiete planen, weil dann natürlich Bürgerproteste die Vorhaben blockieren). Und damit sind wir wieder beim Thema Politikerhaftung samt dem Problem stille Unternehmensbeteiligungen: zumindest in Österreich können nämlich den Dienstnehmer:innen von börsennotierten Unternehmen steuerbegünstigt Aktien überlassen werden, was grundsätzlich durchaus Sinn macht, solange Politiker:innen dies nicht verheimlichen.

Bei der deutschen Ministerin konnte offiziell noch nicht in Erfahrung gebracht werden, welche finanziellen Auswirkungen ihre (angeblich absurden) Berechnungen zum Vorteil der Fossilen auf Ihr eigenes Vermögen haben. Was aber laut den Wissenschaftler:innen zweifelsfrei feststeht, dass ihre Berechnungen (respektive die Zahlen, die ihr von ihren Berater:innen zur Verfügung gestellt wurden) einerseits den Ausbau erneuerbarer Energien unfassbar teuer erscheinen lassen, und zweitens schlicht falsch sind. Dass die Ministerin gleich zur Gänze "gekauft" sei, wolle man ihr jedoch nicht unterstellen (zumal sich dies einerseits (noch) nicht beweisen lässt) und andererseits seriöse Wissenschaftler:innen nicht zu Hass aufrufen wollen. Aber das wird schon wieder traurig, und ich wollte ja Humor in die Kolumne einbringen.

Zum Abschluss daher noch ein selbst erfundener Witz zum Thema Klimawandel: 

Im idyllischen Schweizer Örtchen Blatten ist ja erst kürzlich ein ganzer Berg samt Gletscher ins Tal gestürzt und hat alles unter sich begraben, Gott sei Dank nur ein Todesopfer, aber Gesamtschaden 320 Mio. Schweizer Franken. Kurz zuvor sollen sich im Dorfwirtshaus noch ein paar g'standene Populisten lautstark über die Klimahysterie lustig gemacht haben: "Merkt irgendwer was vom Klimawandel? Alles in bester Ordnung, oder? Was die schon wieder für einen Blödsinn red... ."

Lustig, wie schnell das alles gehen kann, wenn ein Ökosystem kippt. Zumindest, wenn man es mit Galgenhumor betrachtet...

Für den Inhalt der Kolumne alleine verantwortlich: Mag. iur. Peter M. Zimmeter/Anregungen, Gegenargumente sowie allfällige Beschwerden bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Geschrieben von Die Grünen Klosterneuburg/Peter Zimmeter am .

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