400 Milliarden teurer Volkskanzler?
Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Wähler:innen sich aufgrund leerer politischer Versprechungen eine Verbesserung ihrer persönlichen Lebenssituation erwarten. Meiner Erfahrung nach sind davon auch sehr intelligente Menschen betroffen, wenn sie Kränkungen und Enttäuschungen nicht verarbeiten konnten, was offenbar auf Dauer zu einer verzerrten Wahrnehmung führen dürfte.
Erst kürzlich zeigte nämlich ein erstaunliches Experiment im Deutschen Fernsehen, wie sehr unser limbisches System, das für Emotionen und Triebe zuständig ist, den präfrontalen Cortex (ermöglicht logisches Denken, aber auch Impulskontrolle) übergehen kann: Prominente standen auf einem Holzbrett und sollten einfach heruntersteigen, also bei einer Höhe von 5 cm eine denkbar leichte Übung, die aber niemand bewältigte. Dies war dem Umstand geschuldet, dass den Proband:innen durch eine 3D-Brille vorgegaukelt wurde, das schmale Brett würde von einem Hochhaus über den Abgrund hinausragen. Obwohl die Testpersonen wussten, dass sie sich in Wahrheit auf sicherem Boden im Fernsehstudio befanden, ruderten sie panisch mit den Händen und konnten den kleinen Schritt weg vom vermeintlich sicheren Steg nicht ausführen, weil (so die wissenschaftliche Erklärung) das Zentrum für Emotionen schneller und vorrangig anspricht, wodurch jenes für Logik völlig blockiert wird. Das könnte meines Erachtens eindrucksvoll das Verhalten von Wutwähler:innen erklären, die Populisten ihre Stimme geben: sie sollten es eigentlich besser wissen, aber die Gefühlslage ist offenbar zu schmerzhaft negativ und schaltet die Vernunft kurzerhand aus, was durch ein weiteres Beispiel, basierend auf Wählerstromanalysen aus den USA belegt werden soll:
Wie ich erst kürzlich bei einem wissenschaftlichen Vortrag erfahren habe, wurde der amerikanische Präsident nachweislich von überraschend vielen Einwanderern gewählt, die er ja jetzt (zum Dank, damit sie seine narzisstische Politik nicht weiter ertragen müssen?) unter großen Tumulten gewaltsam abschieben lässt. Bei Befragungen gaben diese als Grund für ihre (überraschende) Wahlentscheidung an, ihre Lebensumstände unter demokratischer Präsidentschaft seien so schlecht gewesen, dass sie dachten, es könne nicht mehr schlimmer kommen, also wollten sie probieren, wie sich die Dinge unter dem republikanischen Kandidaten entwickeln würden. Ein tödlicher Irrtum, wie sich anhand der jüngsten Geschehnisse rund um die vom Präsidenten entsandte Einwanderungsbehörde ICE herausstellte.
Viele unzufriedene Menschen rechnen halt einfach nicht damit, dass alles auch noch viel schlimmer werden kann. Wie bei Spekulationsgeschäften an der Börse erwarten sie sich ausschließlich Gewinne, unterschätzen jedoch komplett die Gefahren und handeln unvorsichtig. Kommt dann noch eine sektenhaft strukturierte Informationsblase dazu wie in unseren Breiten durch exzessive Nutzung von Telegram-Kanälen, sind dann die "erleuchteten Jünger" mit fundierten Argumenten offenbar gar nicht mehr zu erreichen, weil ihr Weltbild von Gut und Böse die Auswahl der akzeptablen Fakten von Corona bis Windkraft vorab determiniert und sie nicht erkennen (wollen), wie sie genau von jenen Kräften nach Strich und Faden desinformiert werden, die dies sämtlichen Gegnern schon vorbeugend unterstellen (Haltet den Dieb!).
Dieses Erfolgsrezept wird von Populisten weltweit ausgenutzt, um Wahlen zu gewinnen und an die "Futtertröge der Macht" zu gelangen. Den Menschen gaukelt man vor, dass (ausnahmslos!) alles, was amtierende Regierungen machen, schlecht und nachteilig für die eigene Bevölkerung sei, sie es aber natürlich viel besser könnten. Dabei werden Vorurteile, unbegründete Ängste und unrealistische Hoffnungen (wie etwa hinsichtlich Brexit / Öxit) geschürt, damit der politische Machtwechsel in die gewünschte Richtung erfolgt. Den frustrierten Wähler:innen fällt leider nicht auf, dass sich rücksichtslos polternde Egomanen, die einfach schnell einmal ausländische Familien samt kleinen Kindern des Landes verweisen wollen und / oder in Diensten der großen Energiekonzerne stehen, generell einen feuchten Dreck um andere Menschen scheren. Diese Rattenfänger sind sich selbst am nächsten, daher werden ihnen auch ihre eigenen Landsleute am Allerwertesten vorbei gehen, sobald sie einmal ihren Zweck an der Wahlurne erfüllt haben.
Man kann sich andererseits lustig machen über sogenannte "Gutmenschen", die sich um Flüchtlingsfamilien sowie Generationengerechtigkeit kümmern und bei den Geschlechtern bis 72 zu zählen bereit sind, aber die setzen sich offensichtlich ganz selbstlos für ihre Mitmenschen ein, wenn diese Hilfe brauchen, während andere nur an den eigenen Vorteil denken. Bleibt die Frage, was denn der gemeine Protestwähler erreichen will? Dass es ihm und den Seinen besser geht, oder lediglich anderen noch schlechter?
Womit wir thematisch auch schon beim Volkskanzler gelandet wären und der unglaublichen Summe von 400 Milliarden Euro. Das ist in etwa der (niedrig geschätzte) Betrag, den die EU allein im Jahr 2026 für fossile Energieträger an die Öl- und Gaskonzerne auf anderen Kontinenten (!) zahlen wird. Umweltschützer:innen fordern ja seit langem den Ausstieg aus der fossilen und Ausbau nachhaltiger Energie, nicht bloß der Natur und kommenden Generationen zuliebe, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen und zur Stärkung der eigenen Unabhängigkeit durch "Nahversorgung", vorzugsweise in Verbindung mit regionaler Wertschöpfung.
Dagegen hat sich aber massiver Widerstand formiert, und zwar besonders von den selbsternannten "Rettern des Abendlandes", die immer "unsere Heimat (und wir) zuerst" fordern, bei jeder Gemeinschaftszahlung an die EU Neuwahlen fordern und nicht müde werden zu behaupten, unter ihnen ginge es den Steuerzahler:innen ja viel besser. (Besonders wenn man - jetzt plötzlich -unzählige Betriebe in die Insolvenz hätte schlittern lassen, um sich Coronahilfen zu ersparen, was wohl zu einer irren Arbeitslosigkeit, tiefer Rezession und riesigem Verlust von Steuereinnahmen geführt hätte.) Nur ihren eigenen Sonnenstrom sollen sich die heimischen Konsument:innen gefälligst nicht kostengünstig und vielleicht sogar gefördert selbst produzieren, was soll sonst aus den ganzen Vorstandsposten in den Konzernen werden? Und was aus vielleicht so mancher stillen Beteiligung an Energiekonzernen? Und wenn es Dunkelflauten nicht gäbe, man müsste sie geradezu erfinden, genauso wie Gefahren für die nationale Sicherheit in Gebieten, wo man dank internationaler Vereinbarungen ohnehin seit Jahrzehnten beliebig viele Militärbasen betreiben darf, die Anzahl jedoch selbst auf eine einzige reduziert hat, weil man das Risikopotential doch anders eingeschätzt hat als man es jetzt der Öffentlichkeit weismachen will. "Drill-Baby-Drill", gerne auch in Grönland, da ist jetzt so viel aus der freigelegten Erde zu holen! Und seine Wahlkampfspender will man schließlich auch nicht vergraulen, vielleicht braucht man sie noch!
Geld regiert die Welt, und es erscheint plötzlich ganz leicht erklärbar (Juristinnen verwenden gerne den Ausdruck: "verbrecherrational"), wenn man testweise unterstellt, einige Politiker könnten schlichtweg gekauft sein oder erpresst werden (anstatt durch fäkale Zerebralstörung beeinträchtigt). Nicht bloß die Statistikfälschungen einer zunehmend rückwärtsgewandten Deutschen Regierungspartei, sondern besonders das ungarische Vorbild für unseren bislang verhinderten Volkskanzler sprechen eindrucksvoll bis beängstigend für diese These. Wer (vermutlich in treuer Erfüllung eines Freundschaftsvertrages) immer gerne Geschäfte mit östlichen Kleptokraten und Kriegsverbrechern tätigt, und ihnen auch politisch erbittert die Stange hält, hat vielleicht ganz handfeste wirtschaftliche Eigeninteressen. Wen würde es also wundern, wäre die Kernaufgabe dieser nützlichen "Populisten-Bauern" im totalitär-fossilen Schachspiel der Großmächte einzig und allein zu verhindern, dass ihre Länder aus den langfristigen Billionenverträgen mit den Energielieferanten aussteigen. Als Indiz dafür braucht man sich nur veranschaulichen, wie in unserem östlichen Nachbarland mit der reichlich vorhandenen Geothermie bislang umgegangen wurde. Denn das Thermalwasser in ihren berühmten Thermengebieten eignet sich ja auch hervorragend zum Heizen, wie nicht nur aus Island hinlänglich bekannt sein dürfte. Vor kurzem erst hat die Stadt Wien eine Delegation nach München geschickt, um sich die dortigen Entwicklungen bezüglich Tiefenborungen und Einspeisung der dadurch gewonnenen Wärme ins Fernwärmenetz anzusehen.
Unsere exkommunistischen Nachbarn hingegen, die sich allein durch die Nutzung ihrer natürlichen Ressourcen zumindest ein Viertel ihrer Heizkosten ersparen könnten, sind lieber in fast 90 prozentiger Abhängigkeit zu einem Schurkenstaat verblieben, (dessen imperialistisch aggressiver Einfluss noch vor gar nicht allzulanger Zeit viele ihrer Landsleute zu einer Flucht nach Österreich genötigt hat,) als diese bei ihnen topografisch begünstigte Technologie konsequent auszubauen. Dabei wird vermutet, dass die Regierung bei den Öl-, Gasgeschäften und auch Atomkraftwerken ordentlich mitschneidet, also nicht das geringste Interesse hat, diese aufzugeben. Denn nicht nur EU-Förderungen versickern dort gekonnt. Auch ein pleitegegangener Installateur wurde ja dank seiner Schulfreundschaft zum Regierungschef plötzlich Milliardär infolge freundlicher Auftragsvergabe, wiederum basierend auf EU-Mitteln (dafür ist die Gemeinschaft dann doch ganz brauchbar), was man aber gerne als Erfindung der "Lügenpresse" hinstellt, um die eigenen Wähler:innen nicht zu verunsichern.
Aus alledem erhellt auch ganz klar, warum die Forderung mancher pseudo-salomonischer Diskutanten, man möge doch den Rechtspopulisten einfach mal die Verantwortung im Land überlassen, dann würde sich schon zeigen, ob sie nicht doch konstruktive Lösungen finden statt immer nur alles schlechtzureden, als blauäugiger Irrsinn mit nicht abzuschätzendem Schadenspotential erscheinen muss: offiziell hatte die Regierung in dem an Geothermie reichen Land nämlich nichts gegen diese Technologie, das hätte wohl auch intellektuell einfacher strukturierten Wählern verdächtig erscheinen müssen. Aber still und heimlich hat sie schon 2015 dagegengearbeitet und die auf diesen Bereich spezialisierten privaten Unternehmen ausgebremst, indem sie einfach Tiefenborungen unter 2500 Metern per Gesetz untersagt hat. Man darf dreimal raten, ab welcher Tiefe Thermalwasser für Geothermie erreicht werden kann.
Zynischerweise könnte das auch noch unter dem Vorwand des Naturschutzes erklärt worden sein, denn hinter all den einschlägigen Ausreden steckt die geballte Finanzkraft einer Billiardenindustrie samt gefährlich wucherndem Gutachterbiotop und im Geheimen unterstützt von wahren Experten der Propaganda und psychologischen Kriegsführung, allesamt vermutlich hoch motiviert durch entsprechende Aktienpaketen (oder wahlweise Daumenschrauben aus Restbeständen des Kalten Krieges). So verkaufen korrupte Politiker:innen sich sowie ihr Land an den Bestbieter, und ihre geneigte Wählerschaft für das, was sie wohl leider im Endeffekt auch sind.