Zum Hauptinhalt springen
Umwelt, Aktuelles

Luxusauto versus Hühnerstall

Als ich vor etlichen Jahren für meine damalige Lebensgefährtin eine Autobatterie wechselte, quittierte ihr deutsches Oberklassefahrzeug diesen Eingriff hinterher mit heftigen Protesten sämtlicher Warnlichter im Cockpit. Die Aktion endete schließlich mit einem vom Pannendienst empfohlenen Besuch einer Fachwerkstätte. Nun könnte man lakonisch meinen: Jurist, bleib bei deinem Leisten, warum greifst du komplizierte Technik an, wenn du Theoretiker bist und keine Ahnung von modernen Autos hast?

Daher sei an dieser Stelle (natürlich völlig un-uneitel) erwähnt, dass ich von klein auf Bastler und Tüftler war, der schon Haushaltsgeräte und Spielzeug in der Familie sowie Nachbarschaft reparierte, noch lange bevor es Reparatur Cafés gab. In mein erstes Auto baute ich mir selbst nachträglich eine Zentralverriegelung ein, worüber in meinem Freundeskreis viel gewitzelt wurde, aber nur bis zur Vollendung des Projektes. Später habe ich zum Ausgleich neben meinem Beruf viel aus Holz gebaut, von Einbauküchen bis Pavillons und sogar ein industrielles Glashaus, das meine bessere Hälfte auf Willhaben erstanden hatte, auf gartentaugliche Maße reduziert, auf dass es der Wiener Bauordnung (und den Wünschen meiner Ex) entsprach. (Bisher konnte ich also meine Fähigkeiten und deren Grenzen ganz gut einschätzen. Aus juristischer Vorsicht sei hier also explizit darauf hingewiesen: ich bringe einiges an technischer Erfahrung mit.)

Nun kommt der im Titel erwähnte Hühnerstall ins Spiel: Auch einen solchen hat sich meine bessere Hälfte dereinst gewünscht, um eigene Bio-Eier zu produzieren. Problematisch war nur, dass in ihrem Haus seit Jahren ein Marder wohnte, mit dem sie eine Art Hass-Liebe verband. Immer, wenn sie ihn ärgerte, zB mit dem Besenstiel auf den Plafond klopfte, quittierte das Tier dies mit einer Hinterlassenschaft an strategisch gut gewählten Plätzen rund um ihr Haus, Respekt!

Gemäß meinem Leitspruch "Da müsste man..." (sowas hören Frauen als Reaktion auf ihre baulichen Ideen erfahrungsgemäß weit lieber als das von Männern oft präventiv eingewandte: "Das geht nicht...") schlug ich damals vor, den Hühnerstall einerseits auf die Räder der alten Kinder-Bikes zu stellen, also kostengünstig mobil zu machen, um den Rasen immer bloß sektorweise be(g)ackern zu lassen und andererseits einzuzäunen, um die (Über)Lebensdauer der Nutztiere in einer potenziell feindlichen Nachbarschaft zu optimieren.

Da Hühner ja bekanntlich mit der Sonne aufstehen, und dann rausgelassen werden wollen, weiters auch sorgfältige Tierhalter:innen am Abend mal auszugehen pflegen, kam bald der Wunsch nach einem lichtgesteuerten Türl zum Hochsicherheits-Schlafraum der Eier-Produzentinnen im Obergeschoss des Geheges auf, der freilich nicht viel kosten sollte. Daher bestellte ich um erinnerlich EUR 30,- ein paar elektronische Bauteile, verwendete die bunten Kabeln aus einem zu entsorgenden Elektroherd und konstruierte damit eine vollautomatische Türe. Da der Lichtsensor nicht immer verlässlich zwischen Nacht und Bewölkung unterscheiden konnte, baute ich zusätzlich eine 12 Volt Zeitschaltuhr für Akkubetrieb ein. Soweit so gut, diese Konstruktion hielt dann weit länger als bedauerlicherweise die gekauften Rassehühner selbst, die vermutlich infolge Überzüchtung eines nach dem anderen das Zeitliche segneten, weshalb das Projekt "Bio-Eier" bereits nach ein paar Jahren beendet wurde, was uns dann einiges an Reinigungsarbeit ersparte, aber bitte... .

Doch nun kommt es: als ich mich darüber ärgerte, dass man bei neuen PKWs laut Autofahrerclub die Batterie nicht mehr selbst wechseln sollte, (ohne eine Ersatzbatterie zur Überbrückung anzuschließen,) weil das technische Wunderwerk nach wenigen stromlosen Sekunden sämtliche Daten vergisst, und ich mich fragte, warum der Hersteller keinen kleinen Kondensator einbaut, wie bei digitalen Uhren, ging ich aus Neugierde zum seit Langem stillgelegten Hühnerstall, und stellte zu meiner Überraschung fest: die chinesische 10-Euro-Uhr zeigte noch immer die korrekte Uhrzeit an, obwohl sie schon längst nicht mehr an einem Akku hing!

Juristisch folgt daraus für mich: Neben der "geplanten Obsoleszenz", bei der Dinge ein vorzeitiges Verfallsdatum eingebaut bekommen, scheint dies also der nächste gewerbsmäßige Betrug an den Konsument:innen zu sein, dass man nämlich eine bewährte Technik so verändert, dass private Reparaturen erschwert bis unmöglich gemacht und die Kund:innen in vorauseilendem Gehorsam zur Fahrt in die (vorzugsweise eigene) Werkstatt motiviert werden. (Und um potenziellen Ausreden zuvorzukommen: nein, es ist sicher kein Feature, es ist ein Bug!)

Selbstverständlich verbietet (auch) das Zivilrecht solche Manipulationen zum Nachteil der Kundschaft: wer ein bewährtes technisches Verfahren ändert, muss seine Vertragspartner zumindest deutlich warnen, dass etablierter "technischer Hausverstand" nun nicht mehr funktionierende Resultate zeitigen wird. Ein Warnschild direkt bei der Batterie im Motorraum wäre ein adäquater Hinweis, eine Erwähnung (vielleicht versteckt in einer Fußnote) in der Bedienungsanleitung hingegen nicht, weil niemand, der schon ein Dutzend Batterien gewechselt hat, damit rechnet, dass diese bewährte Vorgangsweise nun plötzlich nicht mehr funktioniert und sicherheitshalber nachschlägt.

Freilich mögen technisch versierte Personen nun einwenden, ein Vergleich zwischen einem hochmodernen Auto und einer einfachen Digitaluhr sei unfair, da ersteres ja weit mehr Strom ziehen würde. Dies würde aber andererseits wiederum die Frage aufwerfen, wie lange ich mein Auto während des Urlaubs noch stehen lassen kann, ohne bei der Rückkehr den Pannendienst wegen einer leeren Batterien bemühen zu müssen. Wie auch immer, der Vergleich der Laufzeit macht letztendlich sicher:

Deutsche Nobelmarke: keine 30 Sekunden.

Chinesische Billiguhr: läuft ohne Batterie, (ich habe dann genau nachgerechnet,) erstaunlicherweise noch mehr als 11 Monate! Danke Euer Ehren, keine weiteren Fragen...

 

Für den Inhalt der Kolumne alleine verantwortlich: Mag. iur. Peter M. Zimmeter/Anregungen, Gegenargumente sowie allfällige Beschwerden bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
Geschrieben von Die Grünen Klosterneuburg/Peter Zimmeter am .

Aktuelles

Der letzte Silberrücken im Gemeinderat?

11. April 2026
Vor eineinhalb Jahren begann ich, mich näher für die Kommunalpolitik zu interessieren. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mich zuvor (ungeachtet der großen praktischen…

Kein Notarzt mehr in Klosterneuburg!

10. April 2026
Kein Notarzt mehr in Klosterneuburg! Das hat das Land Niederösterreich entschieden.  Wir GRÜNE Klosterneuburg halten das für medizinisch unverantwortlich und es werden kein…

Erfolgreiche Radbörse´26

21. März 2026
Die Grünen Klosterneuburg haben auch heuer wieder gemeinsam mit der Stadtgemeinde Klosterneuburg die traditionelle Radbörse am Rathausplatz organisiert. Unter der Leitung von Dr…

Luxusauto versus Hühnerstall

18. März 2026
Als ich vor etlichen Jahren für meine damalige Lebensgefährtin eine Autobatterie wechselte, quittierte ihr deutsches Oberklassefahrzeug diesen Eingriff hinterher mit heftigen Prot…

Radbörse 21.3.2026

07. März 2026
RADBÖRSE'26 SAMSTAG 21.3.2026 10-15 UHR RA(D)HAUSPLATZ Sie legen den Preis für Ihr gebrauchtes Fahrrad fest und die Mitarbeiter der Aktion "Radbörse" versuchen dann, dieses an I…

Frauentag: Gleichberechtigung braucht mehr als ei…

07. März 2026
Am 7. März 2026 informierten die Grünen Klosterneuburg mit einem Stand am Klosterneuburger Stadtplatz über die Bedeutung des Internationalen Frauentags. Ziel der Aktion war es, au…